Crossgolf: Die „Natural Born Golfers” als Vorbild

Von: Tobias Röber
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Besonderes Hobby: Jens Ervens,
Besonderes Hobby: Jens Ervens, Kevin Klein, Thomas Braun und Daniel Braun treffen sich mindestens einmal wöchentlich zum Crossgolf. Foto: Röber

Düren. Strickmütze statt schniekem Cappy, lange Haare statt Gegeltem Kurzhaarschnitt und löchrige Jeans statt teurer Designerhose: Ein wenig nach Stilbruch sieht es schon aus, wenn Jens Ervens und seine Freunde mit ihren Golfausrüstungen unterwegs sind.

Sie spielen aber keineswegs auf offiziellen Golfplätzen, denn sie sind Crossgolfer. Und die schlagen ihre Bälle dort, wo ihnen gerade danach ist. Zum Beispiel im Holzbenden-Park, in dem Ervens, Kevin Klein (18), Thomas (17) und Daniel Braun (22) gerne unterwegs sind. Sie suchen sich eine Stelle aus und keine Minute später folgt der erste Abschlag. Sie waren schon im Ort Pier, auch leere Fabrikhallen, Parkhäuser und verlassene Bahnhofsgelände geben einen prima Crossgolfplatz ab.

„Wir müssen nicht auf Etikette achten und auch nicht auf irgendeine Kleiderordnung. Wir spielen einfach dort, wo wir Lust dazu haben”, fasst Jens Ervens, 24 Jahre alt, zusammen. Aber wie kommt man zu einem solchen Sport?

Die „Natural Born Golfers” (Nikola Krasemann und Torsten Schilling aus Hamburg) haben 1992 Crossgolf erfunden und so diesen eigentlich elitären Sport in die urbane Realität befördert. Damals steckte Jens Ervens genau wie der neue Sport noch in den Kinderschuhen. Beim Surfen im Internet landete er vor wenigen Jahren bei eben jenen „Natural Born Golfers”. „Das war 2005 oder 2006”, erinnert sich der heute 24-Jährige. Ervens schaute zu der Zeit hin und wieder Golf im Fernsehen, und nun packte ihn die Lust, auch selbst einmal zum Schläger zu greifen.

Einmal im Internet unterwegs, suchte er sich bei einer Auktionsplattform einen Schläger aus und kaufte ihn für wenige Euro. Und als er geliefert war, testete ihn Jens Ervens gleich einmal im Birkesdorfer Park. Er hatte sofort großen Spaß, auch, wenn er erkennen musste, „dass die Bälle anfangs überall hin fliegen, nur nicht geradeaus”.

Das haben mit und mit auch Kevin Klein und die beiden Brüder Thomas und Daniel Braun gemerkt. Die Freunde skaten seit langer Zeit gemeinsam, Jens Ervens brauchte anfangs viel Überredungskunst, um seine Freunde zum Golf zu bringen. Heute sind sie froh, dass Ervens so hartnäckig war. Jeder der Hobbygolfer hat gleich mehrere Schläger im Gepäck. „Eigentlich braucht man nur einen”, sagt Jens Ervens und grinst. Aber professionell sieht das mit einer großen Tasche und mehreren Schlägern schon aus. Die komplette Ausrüstung haben die Vier gebraucht im Internet gekauft. Auf rund 35 Euro schätzen sie das Komplettset.

Immer wieder werden Ervens & Co. auch von Fremden aus Neugier angesprochen. „Die meisten sind sehr interessiert, weil sie Crossgolf nicht kennen. Manche wollen dann auch mal einen Ball schlagen”, erklärt Kevin Klein.

Kein Problem, die Nachwuchs-Martin-Kaymers erklären geduldig, auf was es beim Golf ankommt, wie die Füße zum Ball stehen müssen und in welchem Winkel die Ellenbogen für den optimalen Schwung gehalten werden sollten. Dieses Wissen haben sich Jens Ervens und seine Freunde angelesen, und sie haben es sich auf einer „richtigen” Golfanlage erklären lassen. In Köln gibt es eine Übungs-Driving-Range, auf der man für ein geringes Entgelt üben kann. Einmal in der Woche schaut auch ein professioneller Golflehrer vorbei und gibt Tipps. Die Dürener Crossgolfer haben diese gerne angenommen.

Gespielt wird beim Crossgolf mit sogenannten Almost-Golf-Bällen. Die sehen genau so aus wie ein normaler Golfball, bestehen jedoch aus Hartschaumkunststoff und sind daher leichter und weicher. Sachschäden sind so gut wie ausgeschlossen, und die Bälle dienen auch der Sicherheit von Passanten. Immerhin wird auch mal durch ein Gebüsch gespielt oder an anderen nicht ganz so übersichtlichen Stellen. „Wir passen aber auch immer auf, dass wir nur Bälle schlagen, wenn niemand in der Nähe ist.

Eventuelle Wartezeiten nutzen die Hobbygolfer für Trockenübungen. Die klassischen Löcher als Ziel gibt es beim Crossgolf (natürlich) nicht. „Komm, wir spielen auf die Laterne da hinten”, sagt etwa Daniel Braun zu Beginn. Die Runde ist dann erst vorüber, wenn auch der letzte diese getroffen hat.

Ein Ziel haben die Dürener Crossgolfer: vielleicht irgendwann mal auf einer normalen Golfanlage spielen. Ob sie dann Strickmütze und löchrige Jeans gegen Cappy und Designerhose eintauschen bleibt abzuwarten...
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