„Crescendo“ spielt gekonnt auf der Klaviatur der Gefühle

Von: Hannes Schmitz
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Fulminant und furios, aber auch verhalten, dann wieder rhythmisch-dynamisch und äußerst melodiös: Der Gospelchor Crescendo. Foto: han

Winden. Gekonnt spielte der Gospelchor „Crescendo“ auf der Klaviatur der Gefühle beim zehnten Gedächtniskonzert für den Gründer und langjährigen Chorleiter Martin Schröteler sowie für dessn Bruder Gerd. Ein Erinnerungskonzert fernab jeglicher Gefühlsduselei fand in der Windener St. Urbanus Pfarrkirche statt, das schon längst Kultstatus hat.

Der Auftritt demonstrierte erneut eindrucksvoll, welche Klasse der Chor hat. In ihren wallenden Gewändern wogten die Sänger auf den Altarstufen, aus den Besuchern wurde ein sich wiegendes und wogendes Publikum im Kirchenschiff zu machen.

Zwei Auftritte absolvierte das Ensemble mit einem exzellenten Crossover-Programm aus lebensbejahenden Musikstücken und Rhythmen sowie „stillen“ musikalische Phasen. Temperamentvolle und furiose Abschnitte wechselten mit besinnlichen Momenten, zündende Gospels folgten auf besinnliche Balladen, Pop-Songs machten den Zuhörern Beine und Jazz-Standards streichelten die musikalische Seele. Leise Wehmut ging durch das festlich illuminierte Gotteshaus, als „Crescendo“ bekanntgab, zum letzten Male in der Pfarrkirche aufzutreten, die über viele Jahre ihr Domizil für die Gedächtniskonzerte war.

Der Andrang zu diesen Konzerten ist seit Jahren riesengroß. Und da läge das Problem, wie Moderator Pit Kaestner mit einem Augenzwinkern mitteilte. Die Chormitglieder seien älter geworden, und bei zwei Konzerten an einem Abend stoße man an stimmliche Grenzen und körperliche Belastbarkeiten. Im nächsten Jahr gebe es deshalb nur einen Konzertabend in einer großen Dürener Kirche. Für den Ersten Vorsitzenden des Vereins, Bruno Nießen, scheint die Marienkirche die Alternative zu sein. Im Namen des Chores überreichte er Pfarrer Walter Hütten eine Spende als ein „Dankeschön“ für den ermöglichten Konzertreigen über neun Jahre in der Kirche.

Statt traurig zu sein, entschlossen sich die Besucher aber den Auftritt zu genießen, entdeckten die große Lust an der Fröhlichkeit, ließen sich Zeit für Reflexionen oder innere Einkehr. „Crescendo“ überzeugte als homogener Klangkörper, begeisterte mit Chorgesang auf hohem Niveau, der tief in die Gefühlswelt der Besucher eindrang und das Gemüt umschmeichelte.

Ganz starke Momente hatte der Chor, als er Hits von Toto, Elton John oder Leonard Cohen anstimmte. Eine erstklassige Interpretation von Cohens „Halleluja”, die wundervolle sängerische Darbietung von „Africa“ mit einem Faszinosum an Klängen und Tönen, um den West Coast Style um Gitarrist Steve Lukather „nach zu spielen“. Klasse!

Ebenso gut war der Auftritt des Männersextetts Thorsten Schnitzler, Wolfgang Nolden (eine starke und leidenschaftliche Leistung bei „You raise me up“), Daniel Bachtenkirch, der sich daran erinnerte für seine Frau auch bei der Hochzeit „Your Song“ gesungen zu haben, Dieter Döppengießer, Pit Kaestner und dem neuen Bass Günter Kader-July, der dem Chor gut tut, die „Mad World“ bravourös meisterten. Sie kamen der Gary Jules-Version in ihrer Kargheit, Schlichtheit und Eindringlichkeit sehr nahe. Famos!

Nicht minder stark waren die weiblichen Solistinnen Claudia Maintz, Ingrid Königs, Birgit Dopichay oder Susanne Kreilein, die mit ihren Sopran- oder Altstimmen, ihrer Natürlichkeit und ihrem Bewegungsrhythmus den Auftritten überhaupt erst die Würze gaben und in ihren Soli glänzten.

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