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Cramer Bier: Eine Privatbrauerei in siebter Generation

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
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Thomas Reinold-Cramer am Eingangstor der Brauerei. Der 39-Jährige hat 2004 die Geschäfte übernommen der Firma übernommen, die auf eine 225-jährige Geschichte aufweist. Foto: Klinkhammer

Wollersheim. „Cramer Bier seit 1791“, diese Aufschrift an einem der markantesten Giebel von Wollersheim ist Grund genug, einmal bei dieser Brauerei Cramer anzuklopfen. 225 Jahre Historie, das hat nicht jedes Unternehmen zu bieten.

Thomas Reinold-Cramer ist Chef in siebter Generation. Der studierte Diplom-Kaufmann ist 39 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Mit seiner Familie wohnt er in Gebäuden mitten im Betrieb.

Auswärtige Produktion

Bereits als Kind saß er bei einer Mitarbeiterin des Hauses auf dem Schoß an einer Flaschenabfüllstation. „Schon damals habe ich die Flaschen geprüft“, sagt Thomas Reinold-Cramer und schmunzelt. Irgendwann kam der Tag, da tauchte für den Unternehmer die Frage auf: „Was will ich machen? Wie soll die Zukunft aussehen?“

Für Thomas Reinold-Cramer war die Entscheidung über seine berufliche Zukunft nicht mit viel Gram verbunden. „Die Entscheidung war einfach, ich wollte in die Fußstapfen meiner Vorfahren treten und die Leitung der Brauerei übernehmen, um mir später nicht den Vorwurf machen zu müssen, es nicht wenigstens probiert zu haben.“

Allerdings hat sich die Landschaft der Brauereien seit den 1990er Jahren massiv verändert. Viele kleine Brauereien mussten aufgeben. Einige wenige dagegen wurden mit der Globalisierung megagroß. Die Brauerei Cramer entschied sich für einen Mittelweg. Ende des vergangenen Jahrhunderts wurde die Produktion in Wollersheim eingestellt. An dieser Stelle befinden sich derzeit nur noch Vertrieb und Lager. 17 Mitarbeiter managen das Unternehmen unter der Leitung von Thomas Reinold-Cramer.

Er berichtet: „Wir lassen seit gut 20 Jahren extern brauen, mittlerweile an drei Standorten, einer ist in Köln und zwei befinden sich in der Südeifel.“ Sechs Produkte verlassen letztendlich das Haus in Wollersheim, zwei davon wurden erst in den vergangenen Jahren komponiert. Es gibt das helle obergärige und filtrierte Bier, dann den Cramer-Malztrunk, in dem nahezu kein Alkohol vorhanden ist. Weiter „Cramer Schuss“, eine Mischung aus Obergärigem und Malzbier. Reinold-Cramer: „Ein Schuss fertig aus der Flasche, damit ist ‚Cramer Schuss‘ eine Weltneuheit aus Wollersheim.“

Zur Produktpalette gesellen sich zudem das naturtrübe Bio-Kellerbier. Hopfen und Malz stammen aus biologischem Anbau. Seit 2015 gibt es noch das naturtrübe „Cramer Eifel-Weizen“, die Braugerste stammt komplett aus der Eifel ebenso wie für das „Cramer Eifeler Zwickel“, auch ein naturtrübes obergäriges Gerstengetränk aus der Eifel.

Was Thomas Reinold-Cramer beobachtet: „Der Trend geht weg von der Globalisierung, das lokale Geschehen rückt wieder mehr in den Mittelpunkt. Der Verbraucher möchte wissen, wo die Produkte herkommen.“ Die regionale Bierlandschaft sei in Bewegung und lange ausgestorbene Biertypen werden wieder nachgefragt. Zudem seien die kleinen bis mittelständischen Betriebe Jobgaranten. Mal gerade so viele Hunderte Mitarbeiter entlassen, das gebe es in diesen kleineren Betrieben eben zum Glück nicht.

Die neuen Biertypen, die auf den Markt kommen, schmecken nicht jedem. Dazu der Fachmann: „Es darf auch mal nicht schmecken, das macht die ganze Sache doch erst richtig interessant.“ Hinter dem markanten weißen Giebel mit den drei gestuften Zinnen versteckt sich in Wollersheim immer noch eine komplette Stätte, in der Bier gebraut werden könnte. Reinold-Cramer sagt auf die Frage, ob er sich eine Wiederaufnahme der Produktion vorstellen kann: „Wieder in Wollersheim brauen, ausschließen möchte ich das nicht. Früher wurde hier in der Eifel in jedem zweiten Dorf Bier gebraut. Der Gedanke ist immer im Hinterkopf, nur muss es sich wirtschaftlich rechnen. Wenn es möglich ist, möchte ich das wieder machen.“

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