Containerterminal: Landwirte fürchten um ihre Existenz

Von: Jörg Abels
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Kritisieren die Terminalpläne (v.l.): der Kreisbauernvorsitzende Erich Gussen, Dr. Wolfgang Schleker, Josef Bellartz, Dr. Barbara von Meer und Michael Niesen. Foto: Abels

Arnoldsweiler. Acht Landwirte sind in Arnoldsweiler und im nahen Haus Rath noch aktiv. Acht Familien, die um ihre Existenz fürchten, sollte am südlichen Ortsrand Richtung Bahnstrecke Aachen/Köln das von der Rurtalbahn geplante Güterverkehrszentrum in den aktuell diskutierten Dimensionen Realität werden.

Landwirtin Dr. Barbara von Meer und ihr Kollege Dr. Wolfgang Schleker rechnen vor: Zur Gemarkung Arnoldsweiler gehören Ackerflächen im Umfang von rund 600 Hektar. Die hochwertigsten und produktionssichersten liegen südlich der Ortschaft, etwa 310 Hektar. Dort, wo auch das Containerterminal gebaut und etwaige Logistikbetriebe angesiedelt werden sollen. Die jüngst veröffentlichte Studie von Professor Michael Gramm im Auftrag der Dürener Wirtschaftsförderung spricht von 35 Hektar benötigter Fläche allein für das Terminal und von weiteren 70 Hektar für einen angrenzenden Logistikpark.

Denn ohne die Kombination sei es unwahrscheinlich, dass die Genehmigungsbehörden einer notwendigen Änderung des Regionalplans zustimmen würden, argumentiert Gramm. Mit einer „kleinen Lösung“ könne im Verhältnis zum Eingriff nicht die erforderliche Wertschöpfung erreicht werden.

„Verschwiegen wird dabei allerdings die Größenangabe für die benötigten Ausgleichsmaßnahmen und die im Plan enthaltene Entlastungs- oder Umgehungsstraße“, ärgern sich die betroffenen Landwirte. Und weil in der Praxis Ausgleichsmaßnahmen im Verhältnis von 1:2 keine Seltenheit seien, bedeutet das aus ihrer Sicht, dass nicht gut 100, sondern mindestens 250 bis 300 Hektar benötigt würden.

Zwischen der Ortslage und dem skizzierten Planstreifen würden dann nur noch knapp 40 Hektar übrigbleiben, die kaum mehr sinnvoll bewirtschaftet werden könnten, betont Barbara von Meer. Die für die Nahrungsmittelproduktion hochwertigsten Ackerflächen des Ortes würden verschwinden. Und was die Landwirte besonders ärgert: Zu den bisherigen Planungen sind sie als Eigentümer eines Großteil der Flächen nicht einmal gehört worden.

Der Kreisbauernvorsitzende Erich Gussen und sein Vorstandskollege Joseg Bellartz fordern die Projektinitiatoren auf, auch noch einmal alternative Standorte für das Terminal zu untersuchen, beispielsweise im Bereich „Merzenicher Heide“ nördlich der Tagebaurandstraße. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein solches Projekt“, betont Gussen, „fordern aber, dass die Landwirtschaft in den weiteren Planungen mitgenommen wird“.

Schon heute würden viel zu viele Flächen versiegelt, ärgert sich Gussen. Er fordert deshalb: „Wenn schon ein Terminal bei Arnoldsweiler errichtet werden soll, dann separat ohne zusätzlichen Logistikpark.“ Es gebe schließlich noch ausreichend bereits erschlossene Gewerbegebiete in der Region. Damit folgt Gussen im Übrigen der Argumentation von Landrat Wolfgang Spelthahn, der schon vor Jahresfrist – im Gegensatz zum Gramm‘ schen Gutachten – erklärt hatte, dass zusätzliche Flächen neben dem eigentlichen Terminal nicht zwingend benötigt würden.

„Ein solches Megaprojekt kann von der Landwirtschaft nur mitgetragen werden, wenn es für alle Beteiligten einen Nutzen stiftet, nicht aber, wenn eine Gruppe ihre Existenz dadurch verliert, weil man keinen besseren Standort für ein solches Projekt finden konnte“, kündigt Landwirt Wolfgang Schleker erbitterten Widerstand an. „Wir als betroffene Landwirte werden alles tun, um unsere Existenz zu retten.“

Michael Niesen, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft, weist zudem noch auf ein weiteres Pro-blem hin: Ersatzflächen, die den betroffenen Landwirten angeboten werden könnten, seien äußerst knapp; auch weil RWE Power den Markt für notwendige Artenschutzmaßnahmen am Tagebau Hambach derzeit „aufkaufe“.

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