Düren - Coktails mixen mit Blick auf den Altar

Coktails mixen mit Blick auf den Altar

Von: Stephan Johnen
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Die Christuskirche als Jugend-
Die Christuskirche als Jugend-Treffpunkt: Thomas (14) servierte alkoholfreie Cocktails. Foto: Johnen

Düren. „Kiwano” war das Getränk der Stunde. Und Thomas wusste, wie man es mixt. Aus Ananas, Orange, Zitrone, Kiwi und Tonic-Wasser zauberte der 14-Jährige mit dem „Shaker” im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen einen Longdrink - einen alkoholfreien wohlgemerkt.

Die Ausstattung der Bar konnte als professionell bezeichnet werden - der Standort allerdings war ziemlich außergewöhnlich. Wenn Thomas und seine Kollegen von ihrer Arbeit als Barkeeper aufschauten, blickten sie auf den Altar und die Orgel der Dürener Christuskirche.

Auch so kann die „Nacht der offenen Kirchen” aussehen. Zum neunten Mal hatten neun katholische Gotteshäuser und die Christuskirche am Freitag von 20 Uhr bis Mitternacht ihre Pforten geöffnet. Das Programm war dabei so unterschiedlich wie die Menschen, die sich auf den Weg gemacht haben - auf der Suche nach Meditation, nach Musik, nach einem Gespräch. Oder einfach nur auf der Suche nach einer neuen Perspektive auf Kirche.

Dort, wo sonst Stuhlreihen das Bild bestimmen, standen am Freitagabend in der Christuskirche gemütliche Ledersofas, es gab Sitzecken, überall saßen grüppchenweise Jugendliche, die teils ins Gespräch vertieft waren, teils der Musik lauschten. Zunächst wurden Gospels gesungen, später kam eine Gruppe von Sinti-Musikern zu Gast. Alles war ziemlich locker, alle waren entspannt.

Ortswechsel. In der Kapelle der Caritas wagten Brigitte Schmitz und ihre Helfer ein Experiment. „Wir haben in der Vergangenheit immer ein Taizé-Gebet abgeboten. Aber das war aufgesetzt, das gab es schon in der Stadt”, sagt sie. Also stand am Freitag erstmals ein Spieleabend auf dem Programm. „Wie kann sich unsere Einrichtung darstellen?”, lautete die zentrale Frage. „Wir helfen Menschen in Not”, gab Brigitte Schmitz gleich selbst die Antwort. Ein Stück weit haben die Gesellschaftsspiele an diesem Abend auch darauf hingewiesen, dass viele Menschen ihr Leben lang am Rande der Gesellschaft stehen. Am Freitag saßen sie im Mittelpunkt des Geschehens, sie spielten mit. So sollte es immer sein, findet Brigitte Schmitz.

Ortswechsel. Nach dem Konzert der Anna-Bells wurde es ruhiger in der Kirche der LVR-Klinik. Eine Wohngruppe hatte sich Gedanken über Himmelsvorstellungen gemacht. Ist der Himmel ein Geschenk? Oder ist Himmel machbar? Können Menschen die Erde zum Himmel auf Erden machen? Die Texte, Musikstücke und Videos warfen tiefgründige Fragen auf - und ließen Antworten zumindest erahnen. Dieses Angebot war mehr als ein Gespräch über das Wettergeschehen am Himmel.

Ortswechsel. Die Marienkirche war Konzertsaal und Ausstellungshalle zugleich. Das Kunstprojekt „Ein Koffer für die letzte Reise” ist derzeit dort zu sehen. Zu hören waren am Freitag unter anderem der Jugendchor von St. Anna und St. Marien. In gewisser Weise war es ein Durcheinander. Aber ein sehr harmonisches. „So wie heute sollte Kirche noch viel öfter sein: offen und unkonventionell”, bilanzierte Besucherin Christiane Winkler aus Düren. Gesprächsthemen an ihrem Stehtisch waren - zugespitzt formuliert - Gott und die Welt. Keine uninteressante Mischung.
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