Christoph Schweitzer setzt beim Motocross auf Oldtimer

Von: Carsten Rose
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Aus dem Wohnzimmer ab auf die Rennstrecke: Christoph Schweitzer mit seinem Motocross-Oldtimer, den er eigens restauriert hat. Foto: Rose

Drove. Im Winter loderte das Kaminfeuer und Mutters alter Teppich war im Wohnzimmer ausgebreitet. Auf diesem lag Christoph Schweitzer mit seiner Motocross-Maschine. Seit Oktober hat der Fahrer des MSC Kleinhau über 100 Arbeitsstunden in seine Kawasaki gesteckt. Freitag Abend startet er unter Flutlicht mit der 25 Jahre alten Maschine beim Oldtimer-Rennen am Raffelsberg.

„Modern kann ja jeder, ich will etwas Altes fahren“, sagt Schweitzer, der das Motocrossbike von einem Freund bekommen hat. Im Prinzip mit einem Totalschaden: Der Motor war kaputt, die Getrieberäder verschlissen. „Die gibt es gar nicht mehr. Ich musste sie mir extra im Ruhrgebiet anfertigen lassen.“ Die aufgearbeiteten Originalteile zu finden, sei schwierig gewesen – er habe „halb Ebay geplündert“.

Bei den Motorarbeiten, für die er nicht das richtige Werkzeug hatte, hat ihm ein guter Freund geholfen. Schweitzer selbst hat bei der Kawasaki erstmalig ein Zweirad restauriert.

Etwa zehn Stunden saß der 40-Jährige bisher auf der „neuen“ Maschine. Bevor er Freitag Abend aufsteigt, wechselt er eventuell noch die Feder. „Meine ist zu weich für mein Gewicht, die schlägt oft durch. Das ist momentan das einzige Manko an der Maschine.“ Er habe ein paar Leute, die ihm an der Strecke einige zum Testen geben.

Gerade auf der Piste in Kleinhau sei eine gute Federung wichtig, da es viele steile Hänge und somit tiefe Sprünge gibt. Solche Bedingungen habe es zu Bauzeiten seiner Maschine nicht gegeben. „Früher hatte man nur Hügel, heute sind es die Table, die einen richtig weit katapultieren.“ Dem Motorrad zuliebe werde Schweitzer waghalsige Sprünge meiden – er wolle mit der Schrauberei schließlich nicht wieder von vorne anfangen.

Er schätzt, dass seine Kawasaki noch gut 20 Jahre halten wird, den modernen Maschinen schreibt er eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren zu. Verkaufen wolle er sein Motorrad nicht, wenn es mit den Jahren an Wert gewinnt. „Es geht nicht ums Geld. Es geht um Spaß und darum, etwas zu haben, was nicht jeder fährt, und auch nicht jeder kriegt.“ Auffällig an seinem Motorrad sind die goldlackierten Felgen, man „will sich ja unterscheiden“.

Fahrerisches Können entscheidet

Rein sportlich gesehen hätten alle die gleichen Voraussetzungen, sofern das Material halte. Die Geschwindigkeit sei auch nicht der entscheidende Faktor. Im Vergleich zu den modernen Maschinen seien alle „gleich schlecht“.

„Die Kondition am Ende des Rennens ist wichtig, und selbstverständlich das fahrerische Können. Aus Belgien kommt ein vierfacher Weltmeister, der wird sicher Kreise um mich fahren oder mich überrunden“, sagt Schweitzer mit einem Lachen. Die gute Kondition sei seine größte Stärke, daher werde er wie gewohnt eher abwartend fahren, und in den letzten Runden Überholmanöver starten. Beim ersten Saisonrennen vor drei Wochen hat er sich mit dieser Taktik mit dem zweiten Platz belohnt.

Wenn es Freitag Abend mit ordentlich Adrenalin im Blut den ersten Steilhang herunter geht, und man mehr als nur den Atem der Konkurrenten spürt, denkt Schweitzer nicht nur an sein Motorrad: „Wenn es zum Sturz kommen sollte, denke ich nur an mich, weil es weh tut. Einen Lenker kann ich gerade biegen, ein Beinbruch dauert aber ein Jahr.“

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