Chor statt Fußball: 88-Jähriger singt seit 67 Jahren

Von: Sarah Maria Berners
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Bilder aus längst vergangenen Tagen: Heinrich Eiserfey (r.), seit 67 Jahren Mitglied im MGV Üdingen, zeigt Wilfried Mons, Helmut Peters, Josef Schiffer und dem Vorsitzenden Rolf Proenen historische Fotos. Foto: smb

Üdingen. „Fußball oder Chor – das waren die Angebote, die es damals für uns Jungen gab. Das war nicht wie heute, wo es so viele verschiedene Möglichkeiten für Jugendliche gibt“, erzählt Heinrich Eiserfey. Er hat sich als junger Bursche nicht für den Fußball, sondern für den Chor entschieden, in dem schon sein Vater viele Jahre gesungen hat. Und er ist dem Chor bis heute treu geblieben: Seit 67 Jahren ist Heinrich Eiserfey Mitglied im Männergesangverein Üdingen.

Der 88-Jährige kann einen weiten Teil der Geschichte des Chores, der in diesem Jahr sein 130-jähriges Bestehen feiert, überblicken. Nicht ganz so lange und doch schon ein halbes Jahrhundert, genaugenommen 52 Jahre, ist Josef Schiffer (77) im Chor aktiv. Und die beiden Männer wissen viele schöne Geschichten zu erzählen.

Besonders gut ist Heinrich Eiserfey sein erster Ausflug mit dem Chor in Erinnerung, da war er gerade 23 Jahre alt, im Jahr 1994: „Es war ein Ergebnis sondergleich“, schildert Eiserfey. „Wir hatten solche Möglichkeiten ja vorher nie.“ Mit dem Bus ging es damals nach Bad Godesberg und dann an die Ahr nach Resch und Mayschoss. Und seine „Braut“ war auch mit dabei.

„Wir waren froh, Rhein, Ahr und den Ahrwein kennenzulernen“, erzählt Heinrich Eiserfey. Er erinnert sich zurück an die vielen Konzerte, an Karnevalssitzungen, Theaterstücke und andere gesellschaftliche Ereignisse in dem kleinen Dorf, die der MGV ins Leben gerufen hat. Die Freude am Singen von Werken aus verschiedenen Genres ist für die Männer ein Grund, im MGV aktiv zu sein.

„Ein weitere ist die Geselligkeit danach“, sagt Josef Schiffer lachend. Im Verein sind Freundschaften entstanden, man sorgt sich umeinander. „Wenn einer von uns krank ist, kommen andere zu Besuch“, beschreibt Helmut Peters. Und sein Gesangsfreund Wilfried Mons ergänzt: „Wer singt, lebt gesünder – und das könnte doch Ansporn sein, mit einzustimmen.“

Aber eine lange und bewegte Geschichte schützt vor Nachwuchssorgen nicht. „Die Jugend heute orientiert sich an anderen Dingen“, weiß Helmut Peters. Aber noch hat der Üdinger Verein genügend Sänger, um alle Stimmen zu bedienen. Und er hofft, noch weitere Jubiläen feiern zu können.

Der Verein singt überwiegend weltlich Werke, hat sich jedoch schon in den 30er Jahren entschieden, auch Messen zu begleiten – und das tun die Herren noch heute. Das Repertoire des Chores hat sich stetig verändert.

Mit der neuen Chorleiterin Natalia Schmidt hat die Sänger auch erneut der Ehrgeiz gepackt. „Es macht Freude, sich immer wieder weiterzuentwickeln“, betont Josef Schiffer. Und lange Tradition müsse schließlich nicht mit Stillstand einhergehen. „Immer das gleiche Liedgut wäre doch langweilig“, findet Josef Schiffer. Und trotzdem gibt es manch altes Lied, das die Männer gerne singen. So stimmt der Dienstälteste im Chor immer wieder gerne „Es zieht nach meiner Heimat mich“ oder „Der Frater Kellermeister“ an.

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