Chef eines Stahlkonzerns referiert in der „Alten Molkerei“

Von: Gudrun Klinkhammer
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Gisbert Rühl, der Vorstandsvorsitzende der „Klöckner & Co SE“ mit Hauptsitz in Duisburg, referierte in der „Alten Molkerei“. Foto: gkli

Düren. „Die Veränderungsgeschwindigkeit ist extrem hoch und wird immer schneller“, sagte Gisbert Rühl, Vorstandsvorsitzender der Klöckner & Co SE beim Unternehmerdialog der Wirtschaftsförderung der Stadt Düren.

Im Gewerbepark „Alte Molkerei“ an der Mariaweilerstraße referierte der Chef des Unternehmens, dem 10.000 Mitarbeiter an 220 Standorten in vielen Ländern der Erde angehören und das pro Jahr 6,5 Milliarden Euro Umsatz macht, über die Zeichen der Zeit. Klöckner, ein 100-jähriger Unternehmensriese, bietet ein ausgezeichnetes Beispiel für die Entwicklung.

1906 wurde die Firma als Familienbetrieb gegründet, gehandelt wurde mit Stahl, Düngemitteln, Öl und Chemikalien. Im Laufe der Jahre wurden bei Klöckner Lkw hergestellt und Landmaschinen, zeitweise handelte es sich um den achtgrößten Konzern in Deutschland. Dann erfolgte eine wirtschaftliche Talfahrt, die in der Fast-Pleite aufgrund von misslungenen Ölspekulationen 1988 gipfelte.

Wie Gisbert Rühl ausführte, liegt das Schicksal der Stahlkonzerne der Politik am Herzen. Klöckner wurde zeitweise von der Deutschen Bank übernommen, dann mehrfach weiterverkauft. Das damalige Motto „Stahlhändler handeln alles, was handelbar ist, vom Computer bis zum Partyzelt“ ging nicht auf. Zwei iranische Brüder kauften den Traditionskonzern, allerdings mit 100 Prozent fremd finanziertem Geld. Gisbert Rühl im Rückblick: Das war leider illegal und einer der Iraner landete im Gefängnis.“ 2008 ging Klöckner an einen amerikanischen Betrieb, im gleichen Jahr brach der Umsatz zur Hälfte weg: „Der dramatische Einbruch resultierte aus der extrem schwächelnden Bauindustrie.“

Seither ist im Konzern Krisenbekämpfung angesagt, denn immer noch liegt der Umsatz 30 Prozent unter dem Niveau von vor 2008. 3300 Mitarbeiter wurden im Laufe der vergangenen Jahre entlassen und 70 Standorte geschlossen. Es wurde optimiert und restrukturiert, doch das wahrscheinlich Wichtigste im Umwälzungsprozess: Gisbert Rühl sucht neue Wege und eine ganz neue „Denke“.

Die Suche führte ihn unter anderem in das Silicon Valley. Was er mitnahm: „In Nordamerika gibt es keine Trennung zwischen Handel und Vertrieb.“ Der Fluss in Deutschland dagegen wird häufig unterbrochen. Derzeit hält der Konzern 1,5 Millionen Tonnen Stahl vor. Ruehl: „Manchmal wird ein Stahlträger fünf Mal umgelagert, das ist viel zu viel.“

Auch von der Arbeitsweise, dass jeder für sich wirkt, müsse abgerückt werden. Stattdessen sollten Betriebe lieber übergreifend arbeiten und kooperieren. Der Konzernchef nannte Amazon als Vorbild. Wie Amazon handeln würde, so könnte auch eine offene Industrieplattform im Internet für den Stahlhandel aussehen.

Viele Zwischenschritte würden wegfallen. Auch so manch herkömmliche Arbeitsplätze würden wegfallen, aber auch neue geschaffen. Rühl prophezeite: „Nicht der Stärkste und Intelligenteste wird überleben, sondern der Wandlungsfähigste.“

Inzwischen heuerte Klöckner in Berlin ausgezeichnete Softwareentwickler und Onlinefachleute an. Tools werden entwickelt, Kundenverhalten beobachtet und Kunden bei der Entwicklung eingebunden. Röhl: „Wir akzeptieren auch Fehler. Fehler sind ok, aber man muss danach nur die richtigen Schlüsse ziehen.“

Weitere Spezialisten beschäftigen sich damit, Angriffe auf die Firma Klöckner von außen zu inszenieren. Röhl: „Angriffe, die ganze Sparten auflösen, können sehr schnell gehen, wie man an der Musikbranche oder auch an der Hotelbranche sehen kann.“

In New York stehen zum Beispiel so viele Wohnungen leer, die an Geschäftsleute und Touristen verpachtet werden, so dass viele Hotels dicht machen müssen. Röhls Fazit: „Wer sich rechtzeitig auf den Weg macht, der kann unter Druck geraten. Wer sich zu spät aufmacht, der hat direkt verloren. Es muss viel kommuniziert werden.“

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