Merzenich - Carambol-Billard: BSC Merzenich schielt wieder auf die Bundesliga

Carambol-Billard: BSC Merzenich schielt wieder auf die Bundesliga

Von: cro
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Die einzige Billardspielerin beim BSC Merzenich und einer der erfolgreichsten Spieler im Kreis Düren: Katja Titze und Jörg Undorf setzen in dieser Szene den Anstoß zu einer Partie Carambol (beziehungsweise Carambolage oder Karambol). Foto: Rose

Merzenich. Ein Nebensatz von Jörg Undorf trifft es recht gut auf den Punkt, wie es in den Billard-Bundesligen abläuft. Er erzählt, dass er sich das weiße Smokinghemd damals „für 80 Euro nur für Dick Jaspers“ gekauft hat. Dick Jaspers ist Niederländer, steht oben in der Dreiband-Weltrangliste. Er ist ein Profi, einer der Stars.

Undorf ist nur ein Hobbyspieler, ein Amateur, beim BSC Merzenich, der sich mittlerweile auch nicht mehr Bundesligist nennen darf. Aber: Hobbyspieler haben viele Anekdoten auf Lager, die zeigen, dass der Sport oft viel mehr ist als gewinnen oder verlieren. Wie Ende der Saison 2012 in der Zweiten Bundesliga Süd, als Merzenich in neutraler Halle in Neustadt gegen den 1. BC Magdeburg spielte.

Es ging um viel, und deswegen hatte Magdeburg Dick Jaspers, den Profi aus dem Nachbarland, extra eingekauft, erzählt Undorf, so etwas sei im Billard-Sport nicht unüblich. Merzenich hat verloren, aber Undorf muss schelmisch grinsen und lehnt sich nach hinten, als er erzählt, was aus Sicht eines Amateurs so schön war an dem Spieltag: „Am nächsten Morgen saßen wir mit dem Team und unseren Frauen beim Frühstück im Hotel – und Dick Jaspers saß alleine im Raum.“ Undorf will damit nichts anderes sagen, als dass es ihm riesigen Spaß macht, in einem kleinen Verein sein Hobby auszuüben, als eingeschweißte Mannschaft.

Achtfacher Stadtmeister

Jörg Undorf, 39-jähriger Papiermacher aus der Gemeinde Kreuzau, spielt seit seinem zwölften Lebensjahr Billard und ist schon mal Deutscher Dreiband-Vizemeister (am kleinen Tisch) im Einzel geworden. Im Kreis gehört er zu den erfolgreichsten Spielern, ihm fehlt noch ein Stadtmeistertitel, dann hat er zum neunfachen Sieger, dem mittlerweile verstorbenen Josef Farle vom BC Düren 58, aufgeschlossen. Die Titel hat er jedoch allesamt mit dem BC Winden geholt, für den er schon mehrfach aktiv war.

Beim BSC Merzenich spielt Undorf zusammen mit Katja Titze, 41, Juristin aus Erftstadt-Lechenich. In ihrer Vita stehen fünf Deutsche Meistertitel im Kegelbillard. Sie spielt in Merzenich, weil es in Erftstadt kein geeignetes Angebot gebe und sie sich vor Jahren nach Bundesliga-Billard gesehnt habe, das sie bereits in ihrer ursprünglichen brandenburgischen Heimat gespielt hatte. Und sie ist Teil des Männerteams, weil es kein Frauenteam gibt – sie ist die einzige Frau.

Titze und Undorf spielen wie vier andere Vereine im Umkreis die Billard-Variante Carambolage beziehungsweise Carambol. Dabei geht es nicht darum, Kugeln zu versenken, der Tisch hat keine Löcher. Sondern die Spieler müssen mit einem Stoß mit einer Kugel zwei weitere berühren. Beim Dreiband-Carambole muss die gestoßene Kugel vor den Berührungen drei Banden berühren. Dann gibt es einen Punkt. Undorfs Rekord liegt bei 22 in Serie; ein Satz geht bis 40 Punkte.

„Räumliches Vorstellungsvermögen gehört daher zu den Grundvoraussetzungen. Carambol ist anspruchsvoller als das bekannte Poolbillard“, erklärt Katja Titze, die mit 16 angefangen hat. Sie trainiert zweimal die Woche bis zu vier Stunden und sagt über sich, dass sie „nicht so eine schnellere Spielerin“ wie Undorf sei, der bei jeder Situation auf dem Tisch direkt mehrere Varianten parat hat, wie er die Kugel stößt. „Ich muss noch zu lange überlegen und viele Automatismen lernen“, sagt Titze.

„Treffen ist nicht das Entscheidende beim Carambole“, erklärt Undorf, „sondern wie die Kugeln später liegen.“ Das wird wichtig, wenn man auf Fortsetzung und nicht auf einzelne Punkte spielt, der Spieler muss einige Schritte vorausdenken. „Dann passieren aber auch mehr Fehler“, sagt Undorf, der als Familienvater zur einmal die Woche trainieren kann.

Wenn er öfter könnte, sagt er, könnte er sich sicher wieder mit den europäischen Assen in der Eliteliga messen. Wie damals, es juckt ihm in den Fingern. Und weil der Verein mit seinen gut 25 aktiven Spielern und einem schmucken Vereinsheim die „richtigen Rahmenbedingungen“ setze, wollen Titze und Undorf bald wieder mit dem BSC wieder in der Ersten Bundesliga spielen – nicht nur der Anekdoten wegen.

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