Canicross: Lauf mit Zwei- und Vierbeinern

Von: kte
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Kleinhau. Für gewöhnlich hört man ein lautes Röhren von Motoren am Brandenberger Weg in Kleinhau. Bekannt ist das Motorsportgelände vor allem wegen der Motocross-Veranstaltungen des MSC Kleinhau. Wer sich kürzlich auf die Strecke „verirrte“, staunte mit Sicherheit nicht schlecht.

An allen Ecken und Enden bemerkte man ein Bellen anstelle der bekannten Motorengeräusche. Canicross statt Motocross war angesagt beim Mush-NRW-Cup. Darunter versteht man das Laufen in einem Team mit einem Hund über einen Hindernisparcours – da eignete sich die Motocross-Route bestens.

Doch nicht nur zu Fuß oder Pfote mussten Herrchen und Frauchen mit ihren Vierbeinern den schwierigen Untergrund meistern. Veranstalter Ingo Babbel bot gleich mehrere Disziplinen der Sportart an, die aus dem Zughundesport kommt.

Neben Canicross kann man auch in den Bereichen „Scooter“ – mit einem Roller wird die Strecke absolviert – und Fahrrad mit dem besten Freund des Menschen antreten. Unterstützung erhält der Mensch allerdings nicht nur von typischen Zughunden wie dem Husky.

Ein besonders ungleiches Paar stellen Martin Sattler und sein Begleiter Hektor aus Kassel dar. Sattler wiegt 91 Kilogramm und ist 1,88 Meter groß, Zwergpinscher Hektor misst dagegen gerade einmal 27 Zentimeter und bringt nur sechs Kilogramm auf die Waage. Schwer vorstellbar, dass Hektor sein Herrchen bei den Höhenmetern ziehen könnte.

„Das schafft er natürlich nicht“, gibt Sattler auch sogleich ehrlich zu. Canicross würde ihm dennoch mit keinem anderen Hund mehr Spaß machen, verrät er augenzwinkernd: „Ich muss zwar selbst die ganze Zeit mit voller Kraft laufen, aber Hektor motiviert mich. Er ist schnell, und ich versuche, so gut wie möglich an ihm dran zu bleiben.“

Von dem Parcours in Kleinhau zeigte sich Sattler begeistert: „Das ist ein Riesenspaß für Läufer und Hunde, auch wenn es ein sehr hartes Gelände ist. Man muss aufpassen, nicht in irgendeinem Schlagloch umzuknicken. Man merkt, dass die Strecke eigentlich anders genutzt wird – das macht aber auch den Reiz aus!“

Veranstalter Babbel, der auch einen Cup in Sachsen organisiert, ist in diesem Jahr aus Nettetal nach Kleinhau genau wegen der Besonderheiten umgezogen. Der Wettkampf richtet sich aber nicht nur an Zughundesport-Begeisterte. Deutschlandweit war das Zughundesport-Event in Kleinhau sogar das erste, das zudem Mountainbike- und Footbike-Rennen sowie einen Crosslauf ohne die geliebten tierischen Begleiter anzubieten hatte.

Der Crosslauf war zugleich ein Charity-Lauf. Ingo Babbel sammelt Spenden für die sechsjährige Nele Heymanns. Sie kommt aus Nettetal und leidet an der Fehlbildung „Spina bifida“, wie ihr Vater Jan Heymanns erklärte: „Sie ist ab dem Knie abwärts gelähmt.“ Dennoch ist das tapfere Mädchen wortwörtlich „auf den Hund gekommen“ und hat sich in den Zughundesport verliebt.

„Da stößt man mit einem gewöhnlichen Rollstuhl aber schnell an Grenzen“, weiß Heymanns von so manchen Problemen zu berichten: Um Nele ihren Traum, „schneller werden“, zu ermöglichen, haben sich ihre Eltern schlau gemacht. Es gibt einen Spezial-Rollstuhl mit einem weiteren Rad hinten, welches Unterstützung birgt und ein Umkippen des Rollstuhls verhindern soll. Kosten: fast 10.000 Euro.

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