Sievernich - Burg Sievernich: Eine Siedlung, die sich selbst versorgt

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Burg Sievernich: Eine Siedlung, die sich selbst versorgt

Von: Sarah Maria Berners
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Der Dortmunder Bauingenieur Hans Jürgen Glasa, die Dortmunder Architektin Jutta Gerth und Wirtschaftsberater Werner Claesgens (v.l.) wollen in Sievernich eine Siedlung bauen, die sich eigenständig mit Energie versorgt. Foto: Berners

Sievernich. Wenn es nach Roswitha Schwecht vom Rittergut Burg Sievernich geht, könnte da, wo derzeit noch ihre Pferde auf den Koppeln grasen, bald eine Siedlung entstehen.

Aber nicht irgendeine: Entstehen soll zwischen der Burg und der Landstraße ein Wohngebiet mit 33 Einheiten, dass sich selbst und dazu die Burg mit Energie versorgt - und das nicht nur, wenn der Wind weht.

So zumindest stellen es sich Bauingenieur Hans Jürgen Glasa, Wirtschaftsberater Werner Claesgens und Architektin Jutta Gerth vor. Auf 15 000 Quadratmetern sollen 30 Doppelhaushälften und drei Einzelhäuser entstehen, die zwar an das Stromnetz angebunden sind, von dort aber Energie nur im Notfall beziehen sollen. „Wir wollen beweisen, dass es eine bezahlbare, energieautonome Siedlung geben kann”, sagt Glasa.

Geräuschpegel des Windes

Im Regelfall wollen die Planer sogar noch Energie in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Produziert werden soll diese Energie von ein oder zwei Windkraftanlagen. Allerdings nicht die, die wir meistens auf Feld und Flur entdecken. Horizontalläufer nennen die Fachleute diese anderen Anlagen. Sie sollen 40 Meter hoch sein und laut Glaser eine 40 prozentige Ausnutzung des Windes bringen. Das seien Zweidrittel mehr als bei herkömmlichen Anlagen und im Vergleich zu den regulären seien sie nicht lauter als der Geräuschpegel des Windes.

Kernstück der Siedlung sollen jedoch zwei garagengroße Redox-Flow-Batterien sein, die Energie in flüssigen Elektrolyten speichern. Zusammen haben sie laut Glasa eine sehr hohe Speicherleistung: „Wenn kein Wind weht, könnte die Siedlung dennoch für zwei Wochen versorgt werden.”

Viel Energie würden die Passivhäuser ohnehin nicht verbrauchen. Entstehen sollen in der Siedlung Häuser in Holzbauweise mit einem Industriefachwerk. Nach den derzeitigen Planungen sind die Grundstücke 300 bis 670 Quadratmeter groß. Die Wohneinheiten sollen 125 Quadratmeter umfassen und würden etwa 300 000 Euro kosten. Darin enthalten ist laut den Planern auch schon die Beteiligung an der Windkraftanlage sowie am Speichersystem. „Dafür können sie mit nur fünf Prozent der üblichen Heizkosten rechnen und der Strom kostet gar nichts mehr”, sagt Glasa. Eine schriftliche Garantie, dass nie mehr Stromkosten anfallen würden, könne es aber nicht geben. Die Haltbarkeit der Batterie schätzt Glasa auf 20 Jahre, und auch an den Windkraftanlagen würden Teile verschleißen.

Für das Projekt gibt es keinen Investor, die Erschließungskosten werde die Eigentümerin tragen, heißt es. Alle Bewohner würden dann der noch zu gründenden Gesellschaft beitreten. Den Strom, den sie verbrauchen, zahlen sie dieser Gesellschaft. Von deren Einnahmen und denen aus dem verkauften Strom, können dann später „Gewinne” ausgezahlt werden. Sollten die Windkraftanlagen nicht genehmigt werden, wollen die Planer auf Photovoltaikanlagen auf den Dächern umsatteln.

Politische Diskussion

Mit der Gemeinde Vettweiß hat Hans Jürgen Glasa bislang lediglich Vorgespräche geführt. Ein Bebauungsplan besteht für das entsprechende Gebiet. Eine energieautonome Siedlung könnte - vorausgesetzt alle Bedingungen des Bebauungsplanes werden erfüllt - gebaut werden. Zumindest mit Photovoltaikanlagen. Für die Windkraftanlagen bedarf es laut Bauamtsleiter Peter Hüvelmann einer gesonderten Genehmigung, die in der Politik diskutiert werden müsste. In Sievernich liegt nämlich keine Vorrangzone für Windkraftanlagen. Zudem hatte der Rat seinerzeit Abstandsflächen von einem Kilometer zwischen Windkraftanlagen und der Wohnbebauung beschlossen.

Die Planer wollen in den kommenden drei Monaten zunächst den Zuspruch für ihre Siedlung abwarten. Wenn sich etwa 20 potenzielle Käufer melden, „und es die Perspektive gibt, dass es sich weiter auffüllt, wollen wir weiter planen”, sagt Werner Claesgens.
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