Bürgermeisterwahl: Kandidaten wollen Bürger aktiv einbinden

Von: Stephan Johnen
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Die Bürgermeisterkandidaten Michael Breuer (SPD, links) und Georg Gelhausen (CDU) stellten sich in der Mensa der Gesamtschule den Fragen von Sarah Maria Berners von der Dürener Zeitung (links) und Sandra Kinkel von den Dürener Nachrichten. Foto: Stephan Johnen
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Etwa 170 Zuhörer verfolgten die Diskussionsrunde. Foto: Stephan Johnen

Merzenich. Der eine ist von Haus aus Kaufmann und kommt aus der Wirtschaft, der andere ist Verwaltungsfachmann im Bundesinnenministerium. Michael Breuer (42) hat ein SPD-Parteibuch, Georg Gelhausen (49) eines der CDU. Beide wollen als Bürgermeister die Gemeinde Merzenich als lebenswerten Wohnort und attraktiven Standort zugleich voranbringen.

Doch nur einer von ihnen wird am 13. September zum Bürgermeister gewählt und damit Nachfolger des nicht mehr kandidierenden Peter Harzheim werden. Die Bürger müssen sich entscheiden.

Wofür die beiden Kandidaten stehen – davon konnten sich am Donnerstagabend bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung rund 200 Zuschauer in der Gesamtschule ein Bild machen. Ein aktuelles Thema, bei dem kein Blatt Papier zwischen die Kandidaten passte, ist der Umgang mit dem Zustrom an Asylbewerbern und deren Integration. „Wir haben in Merzenich sehr viele hilfsbereite Menschen. Aufgabe des neuen Bürgermeisters ist es, diese Hilfsangebote zu koordinieren und die Ehrenamtlichen zu unterstützen“, versprach Gelhausen die Einführung eines Runden Tisches.

„Das ist ein Thema für die ersten 100 Tage im Amt“, unterstrich auch Breuer, der sich für die Bereitschaft der Merzenicher bedankte, sich um die Betreuung von Asylbewerbern zu kümmern und eine „Willkommenskultur“ zu leben. „Diese positive Stimmung müssen wir weitertragen.“

Einigkeit besteht auch darin, dass die Politik „transparenter“ werden müsse. „Das Vertrauen der Bürger, dass ihre Anliegen im Rat gut aufgehoben sind, war in der Vergangenheit nicht immer gegeben“, bilanzierte Gelhausen. Politik sei nicht mehr attraktiv, locke kaum noch Menschen „hinter dem Ofen hervor“. Beide Kandidaten kündigten an, bei allen Projekten die Bürger von Anfang an besser einzubeziehen, mehr Informationsveranstaltungen anzubieten und das Gespräch zu suchen. „Mehr Beteiligung ist bei der Ortsentwicklung nötig, aber auch beim Thema Finanzen sollen sich Bürger besser einbringen können“, sagte Gelhausen.

Sein Mitbewerber sieht viel Gesprächsbedarf beim Thema Verkehr und Verkehrsbelastung. Er schlug beispielsweise vor, die Merzenicher Ortsdurchfahrt für den reinen Durchgangsverkehr „unattraktiv zu machen“ und generell in Abstimmung mit den federführenden Behörden über Geschwindigkeitsreduzierungen nachzudenken. Ein Schritt, den auch Georg Gelhausen fordert, beispielsweise an der L 264. Ein begrünter Lärmschutzstreifen soll zudem die Anwohner entlasten.

Für Michael Breuer ist es eine Herzensangelegenheit, aus seiner Heimat eine Freizeit- und Erholungsgemeinde zu machen, die mit neuen Wohnformen für Jung und Alt für alle Generationen attraktiv sein und auch Neubürger anlocken soll. Grundlage einer soliden Wirtschaftsförderung, die die Attraktivität der Gemeinde als Standort erhalten und erhöhen soll, sei zunächst die Bestandspflege.

Es müsse aber auch gelingen, Unternehmen für eine Ansiedlung zu gewinnen. Welche Unternehmen das sein könnten? Georg Gelhausen hat schon ganz konkrete Vorstellungen, denkt an „Start-ups“ und Existenzgründungen aus der Wissenschaft. „In 15 Minuten ist man an der Peripherie von Köln“, nannte er einen großen Vorteil der Gemeinde. „Wir sind nicht Heimbach oder Hellenthal“ , spielte er auf die Freizeit-Ideen seines Mitbewerbers an. Er wolle sich dafür einsetzen, Gewerbeflächen zu vergrößern und auch die Orte weiter zu entwickeln. Michael Breuer stellte postwendend klar, dass auch er eine Ausweitung der Gewerbegebiete sowie eine Entwicklung der Orte befürworte.

Die Tatsache, dass kein Kandidat als Bürgermeister auf eine eigene Ratsmehrheit zurückgreifen kann, schreckt beide nicht ab. „Der Bürgermeister ist Moderator. Er setzt Entscheidungen des Rates um, egal, woher sie kommen. Das ist Demokratie: Die Mehrheit entscheidet“, sagte Breuer. Auch Georg Gelhausen traut sich zu, Mehrheiten organisieren zu können: „Das Schlüsselwort lautet Sachpolitik. Eine gute Idee ist eine gute Idee. Egal, wer sie hat.“

Gute Ideen werden besonders bei der Finanzpolitik der Gemeinde benötigt. Die Erstellung des Haushaltes 2016 habe direkt nach der Wahl Priorität. „Wir werden den Haushalt nicht von heute auf morgen konsolidieren können“, stellte Gelhausen klar. „Derzeit fehlt mir die Innensicht“, sagte er. Als Bürgermeister wolle er aber alle Abläufe untersuchen und Einsparpotenziale suchen.

Steuererhöhungen sahen beide Kandidaten als „letztes Mittel“ an. „Ich habe noch keinen Blick in die Verwaltung“, bat auch Michael Breuer die Zuhörer um Verständnis, dass er keine fertigen Spar-Pläne aufweisen könne. Auf der Einnahme-Seite könnten kurzfristig Grundstücksverkäufe die Finanzlage verbessern. Gelhausen: „Die Lösung muss es aber sein, einen strukturell ausgeglichenen Haushalt zu präsentieren.“

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