Bürgerinitiative wehrt sich gegen Neubaugebiet in Hochkirchen

Von: Sandra Kinkel
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Genau hier, wo heute noch „Natur pur“ ist, soll im Nörvenicher Ortsteil Hochkirchen ein neues Wohngebiet entstehen. Foto: kin
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Elke Görtz und Marco Arnold sind die Sprecher der „Heimatschutz-Initiative“.

Nörvenich. Marco Arnold und Elke Görtz wohnen seit drei Jahren im Nörvenicher Ortsteil Hochkirchen, der mit gut 400 Einwohnern zu den kleineren der Neffeltalgemeinde gehört. Sie fühlen sich dort sehr wohl. „Wir kommen aus der Stadt, haben Natur gesucht und hier gefunden“, sagt Marco Arnold.

Seine Lebensgefährtin Elke Görtz ist begeisterte Naturfotografin und hat gleich hinter ihrem Haus schon so seltene Tiere wie das Schwarzkehlchen, den Raubwürger und den Wiesenpiper vor die Linse bekommen. Doch genau diese Idylle sehen die beiden und ihre Mitstreiter von der kürzlich neugegründeten Bürgerinitiative „Heimatschutz-Initiative Nörvenich“ massiv in Gefahr. „Gleich hinter unserem Haus soll ein neues Baugebiet entstehen, das etwa fünfmal so groß ist, wie unser Wohngebiet. Aus unserer Sicht ist das völlig überdimensioniert. So viele neue Menschen kann Hochkirchen nicht verkraften. Dazu fehlt die Infrastruktur.“

Görtz und Arnold befürchten, dass Hochkirchen sich nach der Realisierung des Wohngebietes verdoppeln würde. Görtz: „Aber es gibt hier keine Schule, keine Einkaufsmöglichkeiten und kaum Busverbindungen. Das geht nicht.“ Die Bürgerinitiative hat sich Unterstützung eines Rechtsanwaltes geholt und auch den Kreisverband Düren-Jülich des Naturschutzbundes (Nabu) um eine Einschätzung des Gebietes aus naturschutzfachlicher Sicht gebeten. Robert Mohl vom Nabu hat schriftlich erklärt, über 20 geschützte Arten in dem Gebiet dokumentiert zu haben.

„Die freie Fläche“, heißt es in dem Schreiben, das auch unserer Redaktion vorliegt, „dient den meisten Arten als Nahrungshabitat, aber auch als Rast- und Winterquartier. Bei Arten wie dem Raubwürger ist es sehr wahrscheinlich, das sie das Gebiet als Brutbiotop nutzen.“ Für Elke Görtz und Marco Arnold ist es wichtig, dass die Artenvielfalt in Hochkirchen erhalten bleibt, genau wie die Strukturen des kleinen Örtchens. „Wir kämpfen nicht für unsere eigenen Interessen, weil der Blick von unserem Grundstück verbaut werden soll“, sagt Elke Görtz. „Wir setzen uns vielmehr für alle Hochkirchener ein.“ Die Initiative will nun Unterschriften in ganz Nörvenich sammeln, um sich gegen das geplante Wohngebiet zu wehren.

„Was das neue Wohngebiet für Hochkirchen angeht“, erklärt Bürgermeister Dr. Timo Czech (CDU) auf Anfrage unserer Zeitung, „sind wir noch sehr früh im Verfahren.“

Der Gemeinderat hat auf der Ebene des Flächennutzungsplanes den betreffenden Bereich in Hochkirchen als Wohnbaufläche ausgewiesen mit dem Ziel, einen Bebauungsplan aufzustellen. „Wie viele Grundstücke entstehen sollen“, betont Czech, „steht noch überhaupt nicht fest. Es ist durchaus denkbar, das geplante Wohngebiet in Abschnitten zu realisieren.“

Denkbar sei sogar eine langfristige Entwicklung über einen Zeitraum von 15 Jahren. Im ersten Quartal des neuen Jahres soll es in Hochkirchen eine erste Bürgerversammlung geben. „Dabei“, sagt Czech, „hoffe ich auf eine rege Beteiligung.“ Die Bürger hätten dann die Gelegenheit, zu dem neuen Baugebiet Stellung zu nehmen und ihre Ideen einzubringen. Czech: „Selbstverständlich werden wir auch alle sogenannten Träger öffentlichen Interesses, zu denen auch Naturschutzvertreter gehören, anschreiben und anhören. Das ist Teil eines rechtmäßigen, demokratischen Prozesses.“

Bedarf ist sehr hoch

Im Gegensatz zu Elke Görtz und Marco Arnold ist Czech davon überzeugt, dass der Bedarf an neuen Grundstücken in seiner Gemeinde hoch ist. „Das bestätigen uns unisono alle Investoren in unseren bisherigen Wohngebieten. Bei dem geplanten Wohngebiet in Oberbolheim ist es sogar so, dass es für die Hälfte aller Grundstücke schon Anfragen gibt.“

Deswegen, erklärt der Bürgermeister weiter, habe der Gemeinderat auch beschlossen, allen Orten der Flächengemeinde eine Entwicklungsperspektive zu geben. Czech: „Stand heute ist, dass in Hochkirchen alle bisher vorhandenen Grundstücke verkauft sind. Das heißt, im Augenblick gibt es hier keine Entwicklungsperspektive mehr.“ Auch für Orte wie Dorweiler und Eschweiler über Feld, wo es bisher noch nicht gelungen sei, neue Wohnbauflächen zu schaffen, würde nach einer Lösung gesucht.

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