Bürgerinfo: „Die Flüchtlinge sind sehr dankbar“

Von: Silvia Jagodzinska
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Das Podium setzt sich zusammen aus: Kämmerer Alexander Horst, Bauamtsleiter Rainer Ortmann (v.l.), Bürgermeister Jörn Langefeld, Regina Dechering vom Bauamt, Gisela Wacker vom Sozialamt (mit Mikro) und Sybille Haußmann (nicht im Bild), in der Dürener Kreisverwaltung zuständig für Migration und Integration. Foto: Jagodzinska

Inden/Altdorf. Ruhig und sachlich verlief die Informationsveranstaltung mit Fragestunde in der Bürgerhalle zur Unterbringung der Flüchtlinge in der Gemeinde Inden, die von mindestens 300 Menschen besucht wurde. Nur eine Bemerkung eines Zuhörers, der sich im Zusammenhang mit den Terrortoten in Paris um die Sicherheit seiner Kinder und Enkel sorgte, hätte für Aufregung sorgen können.

Souverän antwortete Bürgermeister Jörn Langefeld, der Terror sei, wie eingangs bekundet, ausdrücklich nicht Thema der Veranstaltung: „Solche Hetzreden möchte ich hier in diesem Saal nicht mehr hören“, erstickte er diese Regung im Keim.

Erwartungsgemäß flossen die Sorgen der Anwohner des Schophovener Kalkwegs (wir berichteten) in die Diskussion mit ein, die die Unterbringung von bis zu 56 Flüchtlingen in einer Straße mit 30 Anwohnern nicht „dezentral“ nennen wollten. Langefeld klärte den Bezug, die „dezentrale Unterbringung“ sei auf die Kommune bezogen.

Ein ausdrückliches Lob für die „gut aufgestellte Gemeinde“ und ihren „lobenswerten Aufwand“ wurde gegen Ende der Veranstaltung ausgesprochen, in der zwischendurch und abschließend kräftig geklatscht wurde.

Einführend informierte Gisela Wacker vom Ordnungs- und Sozialamt umfassend zur Entwicklung der Flüchtlingssituation, der bundes- und landesweiten Aufteilung der Asylbewerber, über das Unterbringungsverfahren und die Zuweisung von Asylbewerbern an die Kommunen.

Mobile Wohneinheiten

Von den 140 Flüchtlingen in Inden wohnen bislang 25 Männer in Linnich. Aktuell befinden sich je sieben Wohneinheiten in Inden/Altdorf und Lucherberg und jeweils zwei in Frenz, Lamersdorf und Schophoven. Zur Erweiterung der vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten wurde die mobile Wohneinheit an der Merödgener Straße auf 18 Plätze aufgestockt.

Sechs Mobilwohnheime für 18 bis 20 Plätze werden am Frenzer Sportplatz aufgestellt. Weil zurzeit wöchentlich bis zu acht Flüchtlinge neu zugewiesen werden und die Verwaltung in kürzester Zeit für ein Dach über ihren Köpfen sorgen muss, werde in allen Ortschaften nach Alternativen gesucht, weiterhin auch nach geeigneten Mietwohnungen.

„Bis dato hat es keine nennenswerten Vorkommnisse gegeben. Beschwerden irgendwelcher Art liegen nicht vor. Die Menschen (Flüchtlinge) sind sehr dankbar und sehr flexibel“, betonte Wacker. Regina Dechering vom Bauamt stellte nun die Projektstudie für dauerhafte und planungsrechtlich langfristig zulässige Wohnunterkünfte vor. Zweigeschossig, mit Satteldach, in flexibler Holzrahmenbauweise gebaut und städtebaulich eingebunden, seien sie in Zukunft mit geringem Umbau- und Sanierungsaufwand auch als Familien-, Studenten- oder Ferienwohnungen nutzbar.

Auf eine Frage nach den Baukosten nannte Dechering den Betrag von 1300 Euro pro Quadratmeter. Bebaubare Standorte seien der Kalkweg in Schophoven, am Frenzer Weg in Lamersdorf und an der Römerstraße in Inden/Altdorf.

Präventiv ging Gisela Wacker vor der Diskussion auf häufig gestellte Fragen ein, wie: Bleiben alle Flüchtlinge hier? Nein, nur wer in seiner Heimat verfolgt wird. Wer darf arbeiten? Uneingeschränkt nur Flüchtlinge nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland.

Sie dürfen allerdings nach dem Asylbewerberleistungsgesetz für die Gemeinschaft arbeiten – für 1,02 Euro pro Stunde – wenn die zu leistende Arbeit sonst nicht (in diesem Umfang oder zu diesem Zeitpunkt) geleistet würde. „In Inden sind eine Reihe von Asylbewerbern jeden Tag ganztägig beim Bauhof im Einsatz. Sie sind sehr engagiert und gut gelitten“, berichtete Wacker. Reguläre Sozialleistungen beziehen nur anerkannte Asylbewerber, ärztliche oder zahnärztliche Versorgung erfolgt in den ersten 15 Monaten nur bei „akuten Erkrankungen und Schmerzzuständen“, gab sie weitere Einblicke.

Zudem stellte Wacker den Asylkreis Inden vor, der „weiter Hilfe braucht“, wie ein Asylkreismitglied in der Versammlung betonte. Nach der diesbezüglichen Frage eines Besuchers ist erwähnenswert, dass sich der Asylkreis auch für „Beschäftigungs- und Orientierungsmöglichkeiten“ der Asylbewerber einsetzt.

Nicht zuletzt meldete sich ein türkischer Arzt, der vor zehn Monaten nach Inden kam, in Deutsch zu Wort. Er will gerne arbeiten und Steuern zahlen und „damit etwas zurückgeben mit herzlichem Dank“.

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