Bülent Ceylan begibt sich auf politisches Terrain

Von: Bruno Elberfeld
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Bülent Ceylan gastierte mit „Wilde Kreatürken“ in der Arena vor vollem Haus gleich an zwei Abenden hintereinander. Foto: bel

Düren. Die Minutenzähler rechts und links an der Bühne der Arena zählten auf Null herunter. Gleich würde der große Augenblick da sein, wo der Comedian aus Mannheim mit lauter Musik und hoch dosierten Bässen die Bühne betreten würde. Der folgende Beifall beim Empfang von Bülent Ceylan versuchte die Musik zu übertrumpfen.

Die meisten Menschen in der Dürener Arena hatten ihn zumindest schon auf dem Bildschirm erlebt. Denn selbst kleine Gesten und charmante Mimik erzeugten auf Rängen und Stühlen sofort ein lautes Lachen. Bülent Ceylan zeigte sich erfreut darüber, im „Schwimmbad“ in Düren auftreten zu können.

„Mannemer Jong“

Offenbar hatte ihn das benachbarte Jesuitenbad zu dieser Namensumbenennung animiert. Sehr geschickt ging er seine Präsentation an. Lächelnd – wer kann diesem Lächeln eines „Mannemer Jong“ mit „Migrationshintergrund“ widerstehen? – nahm Ceylan Kontakt mit dem Publikum auf. Das Publikum nimmt dem Mann auf der Bühne auch Ausflüge auf gewagtes politisches Terrain nicht übel. Sprache und Gestik der Japaner und Chinesen kriegen ihr Fett weg.

Seine türkischen Landsleute halten still, wenn Bülent Ceylan ihr Verhalten infrage stellt. Die Gäste erlauben es nicht nur, sondern über diese humoristischen, oft witzigen Beiträge zu lachen, scheint eine Art Befreiung zu sein. Verkrampfungen zu eigenem Tun und zum Tun der Nachbarn lösen sich in Lachen auf. Dass die Deutschen von dem Komödianten auch bedacht werden, ist natürlich. „Warum dürfen wir hier im Schwimmbad kein Feuer machen?“ Antwort, deutsch: „Das ist ebenso!“

Typisch deutsch? Bei vielen Witzen – nicht wenige sind nahe an der Gürtelline – muss Ceylan selbst lachen. Wobei dieses Lachen nicht aufgesetzt erscheint, sondern aus der Situation heraus geboren. Klobrille und Toilette und ihre Tücken werden beschrieben. Der Applaus ist dem Künstler gewiss. Ob die Aufklärung auf der Bühne über die „Mannbarwerdung“ eines Pubertierenden unbedingt, wenn teilweise auch nur in Andeutungen, notwendig ist, sollte man hinterfragen.

Gelungen ist Ceylans Beitrag in „Kanak“, der Sprache, die viele Jugendliche immer mehr brauchen. Bülent Ceylan spiegelt hier einen Soziolekt (Sprache einer Gruppe), der mit einem verständlichen Deutsch nur schwer vereinbar ist. Außer Rand und Band gerieten besonders die Frauen im Publikum, als Bülent Ceylan seinen braunen Bauch zeigte und dabei einen Bauchtanz andeutete.

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