Buchvorstellung: Ehemalige Ordensfrau ist „von Fesseln befreit“

Von: Sandra Kinkel
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Bestsellerautorin Majella Lenzen (77) präsentiert ihr drittes Buch „Von Fesseln befreit – wie mir mein Glaube innere Freiheit schenkt“. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Vieles erinnert bei Majella Lenzen noch an Afrika. Über 40 Jahre war die heute 77-Jährige Nonne in Tansania und Simbabwe, Ordensfrau der Missionsschwestern vom Kostbaren Blut. „Ich denke fast jeden Tag noch an Afrika und würde sehr gerne noch einmal dorthin.“

Mitte der 1990er Jahre ist Majella Lenzen bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil sie in Tansania Kondome verteilt hat. Sie wollte helfen, die Menschen vor der Immunschwächekrankheit Aids bewahren – und musste dafür ihren Orden verlassen. Zwei Bücher hat Lenzen seitdem verfasst („Das möge Gott verhüten“ und „Fürchte Dich nicht“). Jetzt ist mit „Von Fesseln befreit – wie mir mein Glaube innere Freiheit schenkt“ ihr drittes Werk erschienen. „Meine ersten beiden Bücher sind zwar auch autobiografisch, mein neues Werk ist aber ganz besonders persönlich, sehr authentisch. Ich gebe hier meine Gedanken und Gefühle wirklich preis.“

Majella Lenzen beschreibt in diesem Buch die vergangenen 20 Jahre ihres Lebens, also die Zeit nach ihrer Arbeit als Missionsschwester in Afrika. „Ich bin mit 15 Jahren in den Orden eingetreten“, sagt sie. „Als ich ihn verlassen musste, ist meine Identität komplett in die Brüche gegangen. Ich musste erst lernen, außerhalb der Ordensgemeinschaft zu leben.“ Ihr neues Buch sei eine Bestandsaufnahme ihres neuen Lebens. „Es ist eine Stellungnahme zu mir selbst.“

Natürlich beschäftigt Majella Lenzen sich auch mit der katholischen Kirche, ihrer Kirche. „Ich habe zwar den Orden verlassen, aber ich bin nicht aus der Kirche ausgetreten, weil die katholische Kirche die Institution ist, die meine Glaubenswerte vermittelt.“ Sie fühle sich absolut tief in der Kirche verwurzelt. „Ein Austritt käme für mich irgendwie dem Tod gleich. Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Trotzdem ist die Ex-Nonne natürlich längst nicht mit allem einverstanden, was in der Kirche passiert. „Ich sehe mich als Sprachrohr all derer, die darunter leiden, dass die Kirche Dinge sagt, die sie aber nicht tut. Diese Doppeldeutigkeit finde ich unerträglich.“

Majella Lenzen wird konkret: „Welches Recht hat die Kirche, Ordensschwestern für ihre Arbeit keinen angemessenen Lohn zu geben? Warum bekommt aber jemand wie Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst weiterhin jeden Monat sein großes Gehalt?“ Auch dass die Kirche sich heute anmaßt, Schwule zu verurteilen, ist für Majella Lenzen ein Unding. Und dass Menschen nach einer Scheidung verurteilt würden, passt ebenso wenig in ihr Weltbild.

„Ich vermisse meine Ordensgemeinschaft“, sagt sie. „Aber ich bin heute ich selbst. Ich habe gelernt, dass ein Neuanfang sich lohnt. Ich habe bewiesen, dass ich das Leben schaffen kann. Und genau das ist es auch, was ich den Menschen mit meinem Buch zeigen möchte.“ Sie habe erfahren, dass man nicht ständig gegen sein inneres besseres Wissen leben könne, so Lenzen. „Ich war meinem Orden einfach zu progressiv, habe Dinge zu offen ausgesprochen. Das passte nicht in die Kultur des sich Fügens. Wir wurden fast schon angehalten, unmündig zu sein.“

Majella Lenzen weiß, dass viele sie als Nestbeschmutzerin betrachten. „Dabei habe ich ja meine Prinzipien nicht weggeworfen. Ich lebe heute eigentlich immer noch so wie früher, eben nur nicht hinter Klostermauern. Meine Verbindung zu Gott ist immer noch da.“

Nach ihrem Erfolg mit dem Buch „Das möge Gott verhüten“, das sich weit über 60.000 Mal verkauft hat, durfte sie in manchen katholischen Kirchen keine Werbung für ihre Lesungen machen. Auch zu ihren Mitschwestern von damals hat sie heute so gut wie keinen Kontakt. „Bei meinen ersten beiden Büchern hatte ich manchmal Angst und habe überlegt, was wohl die Kirche zu manchen Äußerungen sagen würde. Das war jetzt anders. Bei der neuen Arbeit bin ich ganz bei mir geblieben.“

Schreiben, so Lenzen weiter, sei immer schon ihre Passion gewesen. „Ich habe als Ordensschwester Tagebuch geführt und meinen Eltern in 40 Jahren jede Woche einen Brief geschrieben.“ Kein Wunder also, dass Majella Lenzen schon Ideen zu einem neuen Buch hat. „Es gibt viele ehemalige Ordensschwestern, die sich genau wie ich ihren Anspruch auf eine Rente erst unglaublich hart erkämpfen mussten. Diese rechtlichen Auseinandersetzungen möchte ich dokumentieren.“ Dass sich wirklich in der katholischen Kirche etwas geändert hat, glaubt Lenzen nicht: „Wenn das so wäre, hätte mich mein Orden vielleicht zu einem klärenden Gespräch eingeladen. Das ist aber nie passiert.“

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