Brillant: Junge Pianistinnen bringen Instrumente an ihre Grenzen

Von: Bruno Elberfeld
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Spielten im Forum der Europaschule Langerwehe ein brilliantes Konzert: die drei Meisterschülerinnen von Professor Heribert Koch (r.), Gysi Teqja, Ana Sosta und Jonida Lazellari (v.l.). Foto: Bruno Elberfeld

Langerwehe. Recht moderat startete das Unternehmen Klavierabend im Forum der Europaschule Langerwehe. „Die Lerche“ von Michail Glinka (1804-1857), für Klavier arrangiert von Mily Balakirev (1836-1924), kam leicht bekömmlich daher. Interpretiert wurde sie von Gysi Teqja aus Albanien, einer der drei Meisterschülerinnen von Professor Heribert Koch, die an diesem Abend das Publikum begeistern würden.

Gefühlvoll, mit weichem Anschlag, führte die junge Pianistin ein Werk von meditativer Ruhe vor. Die zahlreichen Hörer konnten gelassen den sehnsuchtsvollen Melodien, den singenden Trillern, den Läufen sowie den aufmunternden Soli lauschen.

Beim zweiten Werk, der „Chaconne d-Moll“ aus der „Partita für Violine Solo“ von Altmeister Johann Sebastian Bach (1685-1750), entbrannte der Sturm. Moderator Heribert Koch bezeichnete die Komposition schon für die Violine, einem Instrument mit vier Saiten, als gewaltiges Projekt. Noch gewaltiger wurde das Werk in der Bearbeitung für Klavier von Ferruccio Busoni (1866-1924) um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Technisch von höchsten Ansprüchen geprägt, präsentierte Gysi Tegja das Stück fehlerlos.

Durch ständigen Wechsel zwischen aufrührerischer Raserei und meditativem Innehalten und Zeit zum Nachdenken, wurde der Hörer beschäftigt. Um dann folgte der Anlauf zur nächsten Attacke. Für das „Nesthäkchen“ unter den Pianistinnen, Ana Sostar aus Kroatien, standen Kompositionen von Ludwig van Beethoven (1770-1827) und Fréderíc Chopin (1810-1849) auf dem Programmzettel.

Beethoven – darauf verwies Heribert Koch – hatte den beiden Sätzen der Sonate e-Moll deutsche Bezeichnungen gegeben. So steht beim 1. Satz „Mit Lebhaftigkeit und durchaus mit Empfindung und Ausdruck“, beim 2. Satz „Nicht zu geschwind und sehr singbar vorgetragen“. Es sind verständliche Aufforderungen an den Interpreten, wie er denn zu spielen habe.

Ana Sostar erfüllte die Vorgaben Beethovens aufs Trefflichste. Authentisch in ihrer Haltung, sich ihrer Aufgabe offenbar bewusst, präsentierte sie das Musikstück bravourös. Als zweite Aufgabe oblag ihr Fréderíc Chopins „Polonaise fis-Moll“, einem polnischen Nationaltanz nicht unähnlich.

Das Werk beginnt furios und lebhaft, führt dann aber auf ruhigerem Wege zu teils düsterer Nachdenklichkeit. Den zweiten Satz (singbar vorgetragen) könnten selbst Musikkenner – so Koch – Franz Schubert (1797-1828) zuschreiben. Mit Maurice Ravels (1875-1937) „Jeux d´eau“ (zu deutsch „Wasserspiele“) entführte die albanische Pianistin Jonida Lazellari die Besucher in das Reich von Wasserkaskaden, überlaufenden Bächen, Springbrunnen, kurzum zu allem, was mit dem Klang und dem Rauschen von Wasser zu tun hat.

Deutlich konnte man das Perlen von Wasser bis hin zum kleinsten Tröpfchen wahrnehmen. Diese gelockerte Stimmung wurde durch die „Sonate Nr. 2 in b-Moll“ von Sergei Rachmaninow zerstört. Der Komponist, so erzählte Koch, habe jahrelang mit dieser Sonate gerungen und gehadert. Immer wieder musste er etwas verändern. Kraftvoll dominierende Akkorde, sich hier und da zu erkennbaren Melodien verlaufend, zeichneten ein düsteres Bild.

Ungeheure Probleme und lebensbedrohliche Widerstände türmen sich in diesem Werk auf, geben sich kämpferisch, suchen dringend nach Wegen aus dem Unglück. Im zweiten Satz (Lento) lässt Rachmaninow Akteure und Hörer zunächst verschnaufen, baut aber wieder Drohgebärden auf, um dann im letzten Satz (L´istesso tempo – Allegro molto) die angestaute Verzweiflung frei zu lassen.

Bei dieser Darbietung stellt sich dem Publikum die Frage, ob die Damen überhaupt noch etwas lernen können? Eine oft gestellte Frage, die Professor Koch auch nach diesem Konzert lächelnd mit „Sie haben alle noch viel zu lernen“ beantwortet. Für den geneigten Laien durchaus zu verstehen, während des Konzerts aber immer aufs Neue infrage gestellt.

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