Heimbach - Briketts aus Chinagras

Briketts aus Chinagras

Von: Gudrun Klinkhammer
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Der angehende „Master of Agrarmanagement“, Magnus von Abercron, baut Chinagras an und schrieb darüber auch seine Bachelorarbeit . Foto: gkli
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Agraringenieur Helmut von Hoegen baute eine mobile Presse für die Produktion der Miscanthus-Briketts. Foto: gkli

Heimbach. Diese Pflanze fällt auf: Am Ortsrand von Blens wächst auf einem Feld ein rund 2,50 Meter hohes Gras in rauen Mengen. Von Weitem erinnert das Grün an Schilf, aus der Nähe betrachtet eher an ein Maisgewächs.

Magnus von Abercron ist der Betreiber des Feldes und gibt gerne Auskunft, was er da so Außergewöhnliches anbaut: „Es handelt sich um Chinagras, der lateinische Name dafür lautet Miscanthus, ein hervorragender Brennstoff und Lieferant von regenerativer Energie.“

Magnus von Abercron, 26 Jahre alt, stammt aus dem Kreis Düren. Inzwischen studiert er an der Fachhochschule in Kiel. Seinen Bachelor in Landwirtschaft hat er bereits in der Tasche, derzeit legt er seinen Master in Agrarmanagement ab.

Im Zuge seines Studium lernte der junge Mann die Vorzüge des Chinagrases kennen. Seine Bachelorarbeit drehte sich um dieses Thema, sie trug den Titel: „Möglichkeiten des Anbaus und der Verwertung von Miscanthus“. Vor gut drei Jahren suchte er sich eine zwei Hektar große Anbaufläche in der Nähe der Burg Blens aus

Sein Kollege und Freund, der Agraringenieur Helmut von Hoegen aus Soller, stieg unmittelbar daneben ebenfalls mit einer zwei Hektar großen Fläche in den Anbauversuch ein. Zunächst musste der Boden gelockert und von Unkraut befreit werden, dann kauften die beiden Landwirte in einem Betrieb in der Moselgegend rund 48 000 kleine Pflänzchen in Form von so genannten Rhizomen, das sind kleine Wurzeln.

Dank einer umgebauten Kartoffel-Pflanz-Maschine landeten die Wurzeln am 5. Mai 2005 im Boden von Blens. Magnus von Abercron erläutert: „Es dauerte circa drei Wochen, bis das erste Grün sichtbar wurde.“ Gewässert werden mussten die kleinen Pflanzen nicht, allerdings sorgten die Agrarfachleute teilweise mit den bloßen Händen dafür, dass das Unkraut zwischen den Jungpflanzen immer wieder verschwand.

20 bis 30 Jahre braucht auf dieser Fläche nun nichts Neues mehr angepflanzt werden. Das Gras, dessen endgültige Höhe bei rund drei Metern liegt, wächst über den Sommer und den Herbst hinweg, im Winter verliert es seine Blätter.

Die Blätter nähren den Boden. Die Nährstoffe der Pflanze ziehen sich im Winter in die Rhizome zurück. Auf dem Feld bleiben einzig und allein weiße Stecken stehen, die im Frühling mit einem Maishäcksler abgeerntet und kleingehäckselt werden. Magnus von Abercron schätzt an diesem Material: „Der Wassergehalt eines verwelkten Steckens beträgt maximal 15 Prozent.“ Helmut von Hoegen baute eigens für diese Produktion eine mobile Presse, die das klein gehäckselte Material aufnimmt und als runde Briketts wieder ausspuckt. Die Presse funktioniert ausschließlich mit Solarstrom und wird daher nur angeschaltet, wenn die Sonne scheint.

Die Miscanthus-Briketts sorgen in den Räumen der beiden Betriebe über den Winter für eine wohlige Wärme. Im Mai treiben die Rhizome auf dem Feld wieder neu aus und der ganze Kreislauf beginnt von vorne. Erste Versuche, das Chinagras in hiesigen Breitengraden zu etablieren, gab es bereits in den 1990er Jahren, informiert Magnus von Abercron.

Doch erst seit einigen Jahren stellen einige wenige Betriebe auch im Kreis Düren, allerdings in kleinerem Rahmen als Abercron/Hoegen, neue Versuche an. Das gehäckselte Produkt kann auch als Stalleinstreu genutzt werden. Ein Hektar wirft zehn bis 20 Tonnen Rohmaterial ab, 2,45 Kilogramm entsprechen dem Energiegehalt von einem Liter Heizöl.

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