Brennender Dorfmaibaum: Welle der Solidarität

Von: Jörg Abels
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Sechs Stunden nach der Brandattacke auf ihren Dorfmaibaum hatte die Schlicher Maigesellschaft mit Hilfe auswärtiger Junggesellen Ersatz besorgt. Den verkohlten Rest der alten Krone präsentierten sie als Sinnbild des Vandalismus im Festzug. Foto: Martin Reinartz/Dietmar Ehrlicher

Schlich. Der Eröffnungsball des Schlicher Maifestes lief in der Himmelfahrtsnacht auf Hochtouren. Wie immer in den vergangenen Jahren feierten und tanzten mehr als 1500 Gäste im voll besetzten Festzelt auf dem Schützenplatz. Alles lief seinen gewohnten Gang, bis sich kurz nach 1 Uhr eine Nachricht wie ein Lauffeuer an der Theke verbreitete: Der Dorfmaibaum brennt.

Unbekannte hatten wenige Hundert Meter entfernt an der Eifelstraße den Stolz einer jeden Maigesellschaft in Flammen gesetzt. „Wir vermuten, dass jemand mit einer Leuchtpistole in die Krone geschossen hat“, erzählt Manuel Klubertz, Maikönig von 2014. Im Dorf will man Schüsse gehört haben. Die Polizei ermittelt.

Als die ersten Mitglieder der Schlicher Maigesellschaft am Dorfmaibaum ankamen, war die Feuerwehr bereits mit großem Aufgebot vor Ort. Mithilfe einer Drehleiter löschte sie die Baumkrone in 25 Metern Höhe. Übrig blieben nur der verkohlte Stamm und ein paar rabenschwarze Äste.

Den abgefackelten Baum als Mahnmal des Vandalismus stehen zu lassen aber kam für die traditionsreiche Maigesellschaft Schlich-D‘horn nicht infrage, schließlich stand ja noch der Höhepunkt des Festes, der große Umzug am Himmelfahrtstag mit Parade in Sichtweite des Dorfmaibaums bevor. „Es gibt kein Maifest ohne Dorfmai“, gab der langjährige Vorsitzende Andreas Reinartz die Parole aus, die eine in dieser Art wohl einzigartige Welle der Solidarität auslöste.

Mitglieder der Maigesellschaften aus Echtz, Merode, Jüngersdorf, Gürzenich, Hambach und Vettweiß, die gerade noch im Festzelt gefeiert hatten, boten spontan ihre Hilfe an. „Ich glaube am Ende waren es über 100, die mit in den Wald fahren wollten, um einen neuen Baum zu holen“, berichtet der 2. Vorsitzende Thomas Faßbender. „So viele konnten wir gar nicht mitnehmen. Das verdient größten Respekt.“

Noch während der Eröffnungsball lief, eilten die Nüchternsten nach Hause, um ihre Festgarderobe gegen Arbeitskleidung zu tauschen. Rund 50 Junggesellen machten sich schließlich auf in den nahen Wald, andere halfen der Schlicher Gesellschaft, den Platz rund um das sich mittlerweile leerende Zelt aufzuräumen. Pierer und Jüngersdorfer Junggesellen holten zu Hause Plümepapier. Auch die Schlicher brachten ihre Restbestände ins Zelt, in dem die Bühne kurzerhand zum Bastelraum umfunktioniert wurde. Wer nicht im Wald benötigt wurde, half den Schlicher Maifrauen, neuen Baumschmuck zu basteln. In Windeseile wurden mal eben mehr als 2500 Blatt Papier gefaltet und im Morgengrauen in die Krone der mittlerweile herangeschafften neuen Fichte gebunden, die wenig später mit Hilfe eines Kranwagens aufgestellt wurde.

Gegen 7 Uhr, gerade einmal sechs Stunden nach der Brandattacke, hatte Schlich wieder einen Dorfmaibaum – „ein hoch emotionaler Moment“, berichtet Andreas Reinartz. Alle, Schlicher und Auswärtige, nahmen sich in dem Arm, bildeten einen Kreis, sangen übermüdet, aber glücklich und zufrieden „Der Mai ist gekommen“ und den Heimatklassiker der Bläck Fööss: „En unserem Veedel“.

Die verkohlte Krone präsentierten die Schlicher Maijungs am Nachmittag bei der Parade der Bevölkerung, die mit lang anhaltendem Applaus das Engagement der Junggesellen würdigte und gleichzeitig die Brandstiftung verurteilte. „Wir können uns bei allen Helfern nur für die Unterstützung bedanken“, betont Rene Meisenberg, König und Vorsitzender der Schlicher Maigesellschaft, die mehr als stolz auf den großen Zusammenhalt unter den Maigesellschaften ist.

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