Braugerste: Anbau geht deutlich zurück

Von: Burkhard Giesen
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Eine der besten Braugersten Deutschlands wird in der Voreifel angebaut – zum Beispiel von Landwirt Wilhelm-Josef Schäfer in Vlatten. Er beklagt einen deutlichen Preisverfall. Foto: Burkhard Giesen

Vlatten. Auf dem Weg zu seinem Feld schaut Landwirt Wilhelm-Josef Schäfer nach rechts auf ein riesiges Feld voll mit Sonnenblumen. Ein schöner Anblick. „Der Kollege hat alles richtig gemacht. Der Sonnenblumen-Anbau ist hochsubventioniert“, sagt Schäfer. Macht er dann alles falsch?

Schäfer baut unter anderem Braugerste an, ist auch Vorsitzender des Braugerstenverbandes für die Kreise Düren und Euskirchen. Einmal im Jahr richtet sein Verband die Braugerstenschau aus – für den gesamten Landesverband. Kein Wunder, schließlich zählt das Produkt aus der Voreifel zur hochwertigsten Braugerste, die in Deutschland zu bekommen ist und wird regelmäßig prämiert.

In unserer Region wird sie vor allem rund um Wollersheim und Embken, aber auch im Heimbacher Bereich rund um Vlatten angebaut. Für immer mehr Bauern rechnet sich der Anbau allerdings nicht. Schäfer: „Das ist wie bei der Milch. Für einen Doppelzentner Braugerste bekommt man 15 Euro. Die Produktionskosten liegen aber etwa bei 18 Euro.“

45 Landwirte gibt es in seinem Verband noch, die dennoch die Tradition pflegen. „Viele Landwirte geben auf. Allein im letzten Jahr haben sich rund sechs Prozent der Landwirte vom Braugerstenanbau verabschiedet“, weiß Schäfer.

Am auffälligsten zu beobachten ist das in Nideggen. Schäfer: „In diesem Jahr liegt die Anbaufläche vielleicht noch bei zehn Hektar. 2010 war es bestimmt noch die dreifache Menge und vor 20 Jahren dürften es um die 100 Hektar gewesen sein.“

Braugerste hat die Region um Wollersheim auch kulturhistorisch geprägt; nicht umsonst haben Heimbach und Nideggen 2010 darüber nachgedacht, mit EU-Mitteln einen „Bier- und Kulturlehrpfad“ einzurichten. „Bier kommt nicht einfach aus dem Glas oder aus der Flasche.

Bier hat mit Landwirtschaft zu tun“, hatte damals, bei der Vorstellung des letztlich nicht realisierten Projektes, Thomas Reinold, Geschäftsführer der Cramer-Brauerei in Wollersheim erklärt. Ein Satz, über den Verbraucher nicht immer nachdenken.

Der Griff ins Supermarktregal ist bequem und vor allem günstig. „Bei großen Brauereien geht es nur noch um den Preis. Die haben einen höheren Etat für Werbung, als sie für die Rohstoffe ausgeben“, sagt Schäfer, für den sich der Anbau der Braugerste noch aus zwei Gründen lohnt: Sein Ertrag pro Hektar liegt mit 80 Doppelzentner deutlich über dem durschnittlichen Ertrag von 50 bis 60 Doppelzentner.

Und: Er hat sich zusätzlich spezialisiert, baut die Gerste auch zur Vermehrung an und kann sie als Saatgut anbieten und so einen höheren Erlös erzielen. Der Einstieg in eine Bio-Produktion hingegen würde sich für ihn nicht rechnen. Schäfer: „Im Bioanbau kann man 30 Euro pro Doppelzentner erzielen, also das Doppelte. Aber der Ertrag beträgt weniger als die Hälfte. Hinzu kommt aber, dass der Eiweißgehalt dann meist zu niedrig ist.“

Schäfers bittere Erkenntnis: „Bio ist ein Nischenprodukt und Wunschdenken von Landwirtschaftsministern. Betriebswirtschaftlich ist das nicht kostendeckend, so lange Verbraucher nicht bereit sind, entsprechende Preise zu bezahlen.“ Durch seine Tätigkeit im Braugerstenverband kennt Schäfer die Chefs der großen Brauereien, wirbt für kostendeckende Preise.

Bisher erfolglos. „Da ist keiner bereit, auch nur einen Cent mehr zu geben“, sagt er. Mehr will er nämlich eigentlich gar nicht: einen Cent pro Glas mehr – es wäre das doppelte dessen, was die Brauereien bisher für den Rohstoff je Bierglas ausgeben. Stattdessen kaufen die großen Unternehmen lieber in Dänemark, Schweden, Kanada oder England ein.

„In Skandinavien zum Beispiel wird im Sommer Glyphosat eingesetzt, weil die Gerste sonst nicht genügend Zeit zur Reife hätte. Das Glyphosat findet sich dann im Bier wieder“, sagt Schäfer. Er hofft darauf, dass sich der Trend zu Kleinbrauereien fortsetzt: „Es gibt viele Bierbrauer, die im Hektoliterbereich brauen und das mit guter Gastronomie verbinden. Das läuft hervorragend. Da wird noch regional gedacht.“ Ein Beispiel für Schäfer, wie der Markt auch funktionieren könnte.

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