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Brandermittler: Archäologen im Schutt verbrannter Häuser

Von: Sarah Maria Berners
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Manchmal ist von den Gebäuden und Objekten, die die Brandursachenermittler untersuchen, nicht mehr viel übrig: In einem Restaurant in Nideggen, das im September brannte, war ein technischer Defekt die Ursache des Feuers. Foto: Sarah Maria Berners
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Mit Schaufel, Schutzstiefeln und Messgeräten sucht Manfred Geuenich nach Brandursachen. Foto: Sarah Maria Berners

Kreis Düren. Wenn die Feuerwehr ihre Arbeit erledigt hat und das Gebäude, das in der Nacht noch in Flammen stand, wieder abgekühlt ist, dann rücken Manfred Geuenich und Paul Hodenius in ihrem weißen Spezialfahrzeug zum Unglücksort aus.

Ausgerüstet mit feuerfesten Stiefeln, robuster Kleidung, Helm und schnittfesten Handschuhen ziehen sie dann ihre Runde durch den Schutt, vorbei an den verkohlten Überresten von Möbeln, Elektrogeräten und anderem Hausrat. Es ist ihre Aufgabe, herauszufinden, was das Feuer ausgelöst hat. Sie müssen ermitteln, ob vielleicht ein Brandstifter seine Finger im Spiel hatte, ob also eine Straftat vorliegt. In Berufsbeschreibungen im Internet werden die Brandursachenermittler mit Archäologen verglichen: Auch sie haben das Ziel, vergangene Ereignisse anhand der Spuren zu erklären, die diese hinterlassen haben.

Genaue Absprachen

Wenn Manfred Geuenich und Paul Hodenius sich den Brandort unabhängig voneinander angesehen haben, treffen sie sich zur Besprechung. Sie diskutieren, was ihnen aufgefallen ist, sprechen darüber, an welcher Stelle im Haus der Brand den Anzeichen zufolge ausgebrochen sein könnte. Und dann beginnt die Arbeit. „Wir fangen an der Stelle an, an der es den meisten Abbrand gibt“, erklärt Manfred Geuenich. Denn dort liege im Regelfall auch die Ursache. Dafür ist eine genaue Absprache mit der Feuerwehr unerlässlich. „Wir müssen wissen, wann und wo zuerst gelöscht wurde. Das hat natürlich einen großen Einfluss auf das Bild, das wir vorfinden“, erklärt der Polizist, der seit zehn Jahren als Brandursachenermittler tätig ist.

Wer sich die Ermittler als Männer mit Pinsel und kleinem Schäufelchen vorgestellt hat, der irrt. Eines der wichtigsten Arbeitsgeräte der beiden Polizisten ist eine handelsübliche Schaufel. Mit dieser bahnen sich die Ermittler den Weg durch den Schutt und arbeiten sich langsam, aber sicher zum Brandherd vor. Wenn die ersten Schichten abgetragen sind, kommt feineres Gerät zum Einsatz. Dann beginnt die Millimeterarbeit. Die Ermittler arbeiten nach dem Ausschlussprinzip, denn für Brände gibt es vier Ursachen: Blitzschlag, Selbsterhitzung, technische Defekte und Brandstiftung. Bei der Letzterem unterscheiden die Ermittler zwischen fahrlässiger und vorsätzlicher Brandstiftung.

Ermittlergeheimnisse

Wenn es kein Gewitter gegeben hat, ist der Blitzschlag schnell ausgeschlossen. Eine Selbsterhitzung ereignet sich zum Beispiel bei Biomüll, in Heuscheunen oder bei Möbelpolitur mit Leinölen, die manchmal auf zerknautschten Lappen beiseitegelegt werden. Waren diese Dinge nicht vorhanden, ist auch die Selbsterhitzung ausgeschlossen.

Die Suche nach den technischen Ursachen ist sehr viel schwieriger. Ein Fehler beim Verlegen eines Kabels, ein implodierter Fernseher, ein Kurzschluss in einer Mehrfachsteckdose und vieles mehr kann zu Bränden führen. Die Brandermittler lesen die Spuren des Feuers und können anhand des wenigen Verkohlten, was sie vorfinden, und anhand von dessen Zustand sagen, wo ein Brand ausgebrochen ist.

Wenn eine technische Ursache ausgeschlossen werden kann, rückt die Brandstiftung in den Fokus. Bei diesem Thema sind die Ermittler der Polizei etwas schweigsamer, schließlich geht es um ihre Spurensicherung und darum, wie sie Brandstiftern auf die Schliche kommen – und das sollte aus Sicht der Polizei nicht in der Zeitung stehen, damit Brandstifter sich diese Informationen nicht zunutze machen könnten. Manfred Geuenich sagt nur soviel: „Wir finden oftmals auch die winzigsten Partikel.“ Mit Messgeräten ermitteln die Polizisten Stoffe, die in der Luft liegen und Hinweise geben können.

Manchmal haben die Polizisten bei ihren Einsätzen tierische Helfer. „Wenn eine Person ums Leben gekommen ist oder es einen sehr hohen Sachschaden gegeben hat, dann setzen wir Hunde ein, die Brandbeschleuniger wie Benzin aufspüren können“, erklärt Manfred Geuenich. Zwei solcher Hunde gibt es in NRW. Sie waren zum Beispiel nach dem Brand eines Wellpappenlagers in Jülich und bei einem Feuer in einem Restaurant in Nideggen im Einsatz. „Trotz der langen Löscharbeiten und vieler Millionen Liter Wasser schlugen die Hunde an dem Papierlager damals an“, erinnert sich Geuenich an die unglaublichen Fähigkeiten der Spürnasen. Im Restaurant fanden die Hunde nichts. Ein technischer Defekt kristallisierte sich als Ursache heraus.

In den vergangenen Jahren haben die Brandursachenermittler immer herausgefunden, warum es gebrannt hat. Paul Hodenius ist seit 18 Jahren im Amt und erinnert sich nur an ein Feuer, bei dem die Ursache unklar blieb. Die Ermittlungen der Polizisten dauern manchmal Wochen, manchmal nur ein paar Minuten, wenn zum Beispiel ein Mülleimer in der Innenstadt brennt.

Ob es sich um vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung handelt, ist mit der Ermittlung der Brandursache nicht unbedingt gesagt, dafür sind umfangreiche Ermittlungen erforderlich. Und bei diesen Ermittlungen, und vor allem bei stundenlangen Vernehmungen, sind die Brandermittler dabei, denn sie können am besten einordnen, ob die Geschichten der Menschen glaubwürdig sind. Geuenich erinnert sich an einen Fall, bei dem die Geschädigten von einer Stereoanlage an einer bestimmten Stelle im Haus sprachen und von anderen Objekten, von deren Existenz die Brandermittler jedoch keine Beweise – zum Beispiel Metallplatten aus den Boxen, die nicht verbrennen – gefunden hatten. Tatsächlich kam dabei eine Straftat ans Licht.

Manfred Geuenich und Paul Hodenius fahren zu jedem Brand, von der großen Fabrikhalle bis hin zum Auto oder einem kleinen Mülleimer. „Das ist wichtig, weil sich Serien und damit Serientäter nur erkennen lassen, wenn wir jeden Brandort gesehen haben“, erklärt Geuenich. Der Ermittler weiß, dass Brandstifter sich oftmals „steigern“. Daher gelte es, frühzeitig Zusammenhänge zu erkennen.

Große Rauchmengen

Ums Leben kommen Menschen bei Bränden im Kreis Düren nur selten, aber es hat auch schon sehr tragische Fälle gegeben. „Manche hätten mit Rauchmeldern vermieden werden können“, sagt Manfred Geuenich. Der Experte rät allen dringend dazu, Rauchmelder in Wohnungen und Häusern anzubringen. „Ein Gramm brennender Kunststoff verursacht 1000 Liter Rauch“, beschreibt der Brandursachenermittler die Gefahren, die von vermeintlich kleinen Mülleimerbränden in einer Küche ausgehen können.

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