Vossenack - Bolivianische Textilien: Ausstellung im Vossenacker Gymnasium

Bolivianische Textilien: Ausstellung im Vossenacker Gymnasium

Von: Bruno Elberfeld
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Ursula und Fritz-Georg Kersting aus Simmerath zeigen im Kloster-Kultur-Keller in Vossenack eine Ausstellung zum Thema „Textilien in den bolivianischen Anden“. Foto: Bruno Elberfeld, Veranstalter
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Ursula und Fritz-Georg Kersting aus Simmerath zeigen im Kloster-Kultur-Keller in Vossenack eine Ausstellung zum Thema „Textilien in den bolivianischen Anden“. Foto: Bruno Elberfeld, Veranstalter

Vossenack. Ein Meer bunter Textilien empfängt den Besucher im Kloster-Kultur-Keller des Franziskus Gymnasiums in Vossenack. Das Lehrerehepaar Ursula und Fritz-Georg Kersting aus Simmerath stellt hier Textilien aus, die es über Jahrzehnte hinweg aus Bolivien mitgebracht hat.

Von März 1962 bis Dezember 1966 war das Ehepaar Kersting als katholische Lehrer in Bolivien im Einsatz. Dass es da natürlich nicht nur um Unterricht und Schulbildung gehen konnte, war den vielen Besuchern bei der Ausstellungseröffnung im Kloster-Keller sehr schnell klar. Die Kerstings lebten mit den Männern, Frauen und Kindern auf den Hochebenen der Anden in etwa 4000 Metern Höhe. Später wurde dann von Ursula und Fritz-Georg Kersting ein Entwicklungsprojekt aus der Taufe gehoben. Sehr interessant sind die Angebote auch für junge Frauen und Männer aus Deutschland, die einige Monate in Bolivien Entwicklungshilfe leisten möchten.

Bei der Ausstellung sind gewebte Textilien aller Art zu bewundern. Da gibt es die auch in Europa bekannten Ponchos, weite Mäntel in schillernden Farben. „Chuspas“ heißen die Textilbeutel, die heute noch viele Ureinwohner Boliviens in einer Art Schultertasche tragen. Diese „Chuspas“ sind gemeinhin auch als „Cocabeutel“ bekannt, bewahren doch viele Männer und Frauen in ihnen die Cocablätter auf. Vermischt mit anderen Pflanzenstoffen ergeben sie ein Rauschmittel, das Schmerzen, Hunger und Durst übertüncht.

Das dritte Kleidungsstück, das in den Ausstellungsräumen neben den vielen anderen Kleidungsstücken hervorsticht, sind die „Polleras“, weite Röcke für die Frauen, ursprünglich Kopien der spanischen Reifröcke, der „Krinolinen“.

Die insgesamt 36 Völker in Bolivien mit ihren 36 Sprachen haben, so Ursula Kersting, jedes seine eigenen Informationen und Botschaften in den gewebten Textilien verarbeitet. Bunte Farben, geometrische Muster vom Quadrat bis zum Dreieck, lassen die Zugehörigkeit der Menschen zu einer bestimmten Gruppe erkennen. In die Wandbehänge, Decken und Kleider sind kunstvoll, oft noch mit einer jahrhundertealten Technik, religiöse Zeichen eingewebt, die heute noch nicht alle übersetzt, geschweige denn verstanden sind.

Gut zu unterscheiden ist dagegen mit Hilfe der ausgestellten Textilien aus verschiedenen Epochen, den Fotos und Texten die historische Entwicklung der indigenen Völker Boliviens. Unübersehbar ist der Einfluss während der Unterdrückung durch die Spanier, die Verbote, Kleider wie die Eroberer zu tragen. Nach der Unabhängigkeit von den Spaniern 1825 verändert sich die Kleidung wieder.

Heute stolziert in den Städten oft die ältere Generation mit Ponchos und Polleras, während ihre Kinder und Enkel Anzüge und Hosenanzüge westlicher Prägung tragen.

„Oft habe ich den Eindruck“, formulierte es Ursula Kersting, „als ob sich viele Bewohner Boliviens in die Abfälle der westlichen Gesellschaft kleiden. „Sehr schade wäre es“, befürchten Fritz-Georg und Ursula Kersting, „wenn im Zuge der Landflucht der Verkauf indigener Textilien auf den Marktplätzen zu einem Ausverkauf der indigenen Kultur beitragen würde.“

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