Boisdorf: Eine Siedlung hat sich gemausert

Von: Fred Schröder
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1955 begann der Bau der ersten Häuser: Anfang April feiert die IG Nebenerwerbssiedlung Boisdorf ihr 60-jähriges Bestehen. Foto: Fred Schröder

Düren-Boisdorf. Die Straßennamen erinnern in der neuen Heimat noch an die alte. Die Eltern oder Großeltern wissen es noch genau, denn viel hat sich in den 60 Jahren des Bestehens der „Interessengemeinschaft der landwirtschaftlichen Nebenerwerbssiedlung Düren-Boisdorf“ verändert. Den landwirtschaftlichen Nebenerwerb sucht man in der schmucken Siedlung (fast) vergebens.

Stattdessen hat sich das Wohnquartier westlich der Straße von Rölsdorf nach Lendersdorf zu einem attraktiven Wohngebiet gemausert.

Der Annabergweg als Erinnerung an den Basaltberg nahe Gleiwitz in Oberschlesien und der Bucheider Weg als Replik an die Buchheide als Naherholungsgebiet bei Stettin erinnern ebenso an die Herkunft der ersten Bewohner der Siedlung wie der Darßer Weg als Hinweis auf die viel besuchte Halbinsel an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.

Und der Samlandweg schließlich lässt die Erinnerung an die ostpreußische Halbinsel zwischen Frischem Haff und Kurischer Nehrung nicht verblassen. Und auch dem so romantischen Masuren ist eine Straße gewidmet. Diese Straßen geben noch heute der Siedlung ihr Gepräge.

Als die Siedlungsgemeinschaft „Rheinisches Heim“ (heute Deutsche Landes- und Siedlungsbank) in den Jahren 1955 bis 1957 mit dem Bau der Siedlung begann, sollten hier am Ortsrand von Rölsdorf 64 Familien, rund 90 Prozent Heimatvertriebene aus den einstmals deutschen Ostgebieten, eine neue Heimat finden. Namensgeber für die Wohnsiedlung und damit auch für die sich alsbald gründende Interessengemeinschaft war das Gut Boisdorf, einen Steinwurf über die Straße entfernt.

Den neuen Bewohnern der Siedlung, die überwiegend aus der Landwirtschaft kamen, sollte mittels einem Morgen Land die Möglichkeit des Nebenerwerbs durch Kleintierhaltung und den Anbau landwirt-schaftlicher Produkte ermöglicht werden. In den Anfangsjahren waren die Siedler auf gegenseitige Hilfe und Unterstützung angewiesen. Heute lacht man darüber, aber in den 1950er Jahren machte das Wort von der „Papageiensiedlung“ oder noch schlimmer der „Pimockesiedlung“ die Runde. Die im März 1956 gegründete IG machte sich schnell zum Sprachrohr der Siedler.

Und nicht nur das. Sie wurde auch vermittelnd tätig und legte gleichzeitig auch großen Wert darauf, heimatliches Brauchtum zu erhalten. Damals Satzung, heute Anachronismus: Mitglied der IG konnten nur die Männer unter den 64 Hauseigentümern werden. Obwohl ohne die Frauen natürlich nichts lief.

Die Kontakte reiften. In der Siedlung gründeten sich eigene Gruppen und sogar eine Karnevalsgesellschaft, die sich mit Vereinen und Organisationen in Lendersdorf, Rölsdorf und Birgel befreundeten. Rölsdorfer Vereine bezogen bei ihren Umzügen die Siedlung mit ein, und vom Grillplatz an der Lendersdorfer Straße zieht regelmäßig die Fronleichnamsprozession aus.

Die zweite und dritte Generation der Siedler hat den Wandel geschafft. Landwirtschaft ist nicht mehr, der offizielle Wegfall der Zweckbindung der Grundstücke hat zu weiteren Häusern geführt. Das und die Öffnung der Satzung für „Neusiedler“ haben letztlich bewirkt, dass die IG heute mit 172 Mitgliedern ihren bisherigen Höchststand erreicht hat.

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