Bogenschießen: In der Ruhe liegt die Kraft

Von: Stephan Johnen
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Mit neun Jahren hat Yannik Schütz erstmals einen Bogen in der Hand gehalten – seitdem hat sich die Ausrüstung stark verändert. Foto: Johnen

Nideggen-Berg. Wald, Feld und Wiese sind das Terrain, auf dem Yannick Schütz Punkte sammelt. Feldbogenschützen bauen ihre Wertungsstrecken in der freien Natur auf, die Zielscheiben stehen zwischen Bäumen, hängen an Ästen – oder sind in Industriebrachen versteckt.

Bilder von manchen Meisterschaften erwecken den Eindruck, als seien sie im Sherwood Forest aufgenommen worden. Doch wer beim Stichwort Bogenschießen ein Bild von Robin Hood im Kopf hat, wird von Yannick Schütz‘ Sportgerät überrascht sein. Der Compound-Bogen des 18-Jährigen sieht aus wie aus einem Science-Fiction-Film.

Der junge Mann aus Nideggen-Berg hat das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft der Feldbogenschützen im kroatischen Zagreb verstärkt. Seit Beginn des Jahres hatte sich der 18-Jährige bei Wettkämpfen dafür qualifiziert, die Berufung in den Kader jedoch war dennoch eine „echte Überraschung“, blickt Schütz zurück. „Ich war unglaublich aufgeregt und glücklich zugleich.“ Dass er ohne einen Titel zurückkam, ärgert ihn nicht. „Allein die WM-Teilnahme und der Austausch mit vielen Kollegen war eine wichtige Erfahrung“, sagt er. Der 7. Platz sporne ihn vielmehr an, mehr zu trainieren.

Entflammt ist seine Leidenschaft vor neun Jahren. „Meinen ersten Bogen habe ich für 15 Euro im Spielwarengeschäft gekauft“, erinnert sich Yannick Schütz und lacht. Seitdem hat sich einiges geändert, mittlerweile besitzt der Sportler zwei Bögen, deren Wert samt Zubehör in die Tausende geht. Aus Freizeitspaß wurde Sport.

Die ersten Wettbewerbe lieferte sich Yannick mit seinem Vater Dirk Schütz. Er „übernahm“ sozusagen die abgelegten Bögen seines Vaters, wenn dieser zum ausgefeilteren Sportgerät wechselte. Im Alter von 16 Jahren hat der Sohn dann den Vater sportlich überholt. Yannick erhielt den Rat, in die Erwachsenenklasse zu wechseln und sein Können dort unter Beweis zu stellen. „Mich haben anfangs alle belächelt. Und ich wusste selbst nicht, ob ich so weit bin“, erinnert er sich. Doch der Erfolg stellte sich schnell ein (Infokasten).

Bogenschießen ist im Hause Schütz Familiensache, auch Yannicks jüngerer Bruder Leon mischt mit. Selbst wenn der große Bruder mittlerweile Sponsoren in der ganzen Welt hat, ist der größte Förderer die Familie. Zu Spitzenzeiten sind die Familienmitgliedern an 40 Wochenenden unterwegs, zum Teil bei verschiedenen Wettkämpfen. Dann müssen auch die Mutter sowie die Großeltern einspringen, denn die Wettkampforte sind zum Teil über halb Europa verstreut.

„Ich habe Glück, dass mein Arbeitgeber mich unterstützt“, dankt Yannick seinem Betrieb. Er absolviert bei der Niederauer Mühle eine Ausbildung. Erst die Arbeit, dann der Sport – so laute die Devise. Doch jede freie Minute wird ins Bogenschießen investiert. „An hektischen Tagen nehme ich den Bogen aber gar nicht in die Hand“, sagt der junge Schütze. In der Ruhe liege die Kraft. Fehle die Gelassenheit, helfe auch kein Stabilisator des High-Tech-Bogens.

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