„Boelckes“ fliegender Hightech-Computer

Von: Jörg Abels
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Hauptfeldwebel Tobias Kuszmierczyk von der Waffen- und Wartungsstaffel erklärte den DZ-Lesern den Eurofighter. Foto: Jörg Abels
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Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein Wissenswertes rund um das Taktische Luftwaffengeschwader 31 und den Fliegerhorst Nörvenich. Foto: Jörg Abels
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Live verfolgten die DZ-Leser Starts und Landungen und... Foto: Jörg Abels
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warfen einen Blick ins „Boelcke“-Museum, in dem unter anderem ein Starfighter-Cockpit zu sehen ist. Foto: Jörg Abels

Nörvenich. Beim Anblick der startenden Eurofighter bekommt Wolfgang Kindor feuchte Augen. Erinnerungen an die eigene Pilotenzeit beim „Boelcke“-Geschwader werden wach. Der DZ-Leser hat in den 60er und frühen 70er Jahren noch die Starfighter-Ära auf dem Fliegerhorst (1962 bis 1983) miterlebt, bevor er in die zivile Luftfahrt wechselte.

Über 210.000 Flugstunden legte das „Boelcke“-Geschwader mit diesem Kampfflugzeug zurück, nicht alle verliefen glücklich. Auch Nörvenicher Piloten verloren im Starfighter-Cockpit ihr Leben. Wolfgang Kindor hatte Glück. Er konnte sich nach einer Kollision während eines Übungsflugs in den USA mit dem sogenannten „C2-Schleudersitz“ retten, der auch in der militär-historischen Sammlung des Nörvenicher Geschwaders zu sehen ist. „Ein Indianer hat mich damals gefunden“, erzählt der Pilot. „Drei Tage später saß ich bereits wieder im Cockpit.“

Dass mit dem Eurofighter aber eine ganz neue Ära der Kampffliegerei begonnen hat, stellt auch Leser Joost Beyert fest, der als Pilot selbst noch den in Nörvenich bis 2010 stationierten Tornado geflogen hat. Hauptfeldwebel Tobias Kuszmierczyk von der Wartungs- und Waffenstaffel und Oberstabsfeldwebel Thomas Hohlbein sprechen bei der Führung durch „Eurofighter-City“Rahmen der DZ-Sommertour nicht ohne Grund von einem „fliegenden Hightech Computer“. „Allein vier Systeme sichern den Flug ab“, erklärt Kuszmierczyk. Die Computer erkennen rund 100 Sprachbefehle der Piloten, die sich voll und ganz aufs Fliegen konzentrieren können.

Mit ihren jeweils rund 80.000 PS beschleunigen die beiden Triebwerke den Eurofighter nach gerade einmal 700 Metern auf die Startgeschwindigkeit von 325 km/h, wie die Lesergruppe live an der Startbahn verfolgt. Wenn nötig, kann der Pilot nahezu senkrecht in den Himmel fliegen, mit einer Steigleistung von bis zu 315 Meter pro Sekunde. Diesmal drehen die Piloten nicht so hart ab, fliegen aber kurz nach dem Start in Richtung Düren einen Schlenker. Aus Rücksicht auf die Bewohner von Eschweiler über Feld haben wir das Abflugverfahren geringfügig geändert, erklärt Hohlbein. Die Piloten drehen zwei, drei Grad ab, um die Lärmbelastung im Ort zu senken.

Die DZ-Leser haben Glück an diesem Morgen. Sie erleben auch einen Übungsstart der Alarmrotte mit verkürztem Startweg, die im Juli von Nörvenich aus wieder den norddeutschen Luftraum sichert und alarmiert wird, wenn sich zum Beispiel zivile Flugzeuge nicht oder nicht richtig bei der deutschen Flugsicherung angemeldet haben. „40 bis 50 Mal kommt so etwas im Jahr vor“, erklärt Hohlbein. Von Nörvenich aus sind die Piloten in gerade einmal 25 Minuten an der Nordseeküste, in 30 Minuten an der deutschen Ostgrenze. Ein normaler Trainingsflug zum Beispiel mit Schießübungen auf der Nordseeinsel Vlieland dauert zwischen 1.15 und 1.45 Stunden erklärt Hohlbein. Dann sind die maximal 9140 Liter Kerosin fassenden Tanks des Eurofighters leer.

Hauptfeldwebel Kuszmierczyk erklärt den Lesern noch die Bewaffnung des rund 100 Millionen Euro teuren Waffensystems – von der Bordkanone bis zur lasergesteuerten Präzisionswaffe –, die Selbstschutzmaßnahmen des Eurofighters, die Funktion der Triebwerke und die verschiedenen Bremstechniken, da setzen die ersten Piloten nach einem Dreier-Formationsflug auch schon zur Landung an. Und wieder geht ein Raunen durch die Runde, als sich die Piloten nacheinander in einer engen Kurve der Landebahn nähern.

Dreieinhalb informative Stunden mit einer Fahrt über das 530 Hektar große Fliegerhorst-Gelände, vorbei an den mehr als 220 Millionen Euro teuren Neubauten im Zuge der Eurofighter-Einführung, sind wie im Fluge vergangen. Abgeschlossen sind die Investitionen noch nicht. Bis 2018 werden noch ein neuer Tower und ein neues Unterkunftsgebäude errichtet, kündigt Thomas Hohlbein an. Und auch das derzeit noch in Kerpen ansässige Sanitätszentrum bekommt ein neues Gebäude, bevor die dortige Kaserne 2019 endgültig geschlossen wird. Aktuell gehören 1170 Soldaten und zivile Mitarbeiter zum Geschwader. Zu Wolfgang Kindors Starfighter-Zeiten waren es noch weit mehr als 2000.

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