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Bluttat in WG: Täter muss in die Psychiatrie

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Dem Aachener Schwurgericht ist die Urteilsfindung nach den Bekundungen des Vorsitzenden Richter Arno Bormann am späten Montagnachmittag „nicht leicht“ gefallen. Mit mehr als 30 Stichen hatte ein 53-jähriger Mann seine Lebensgefährtin am 12. September 2015 im betreuten Wohnen in Düren niedergestreckt, sie überlebte mit schweren Verletzungen, noch heute ist sie im Krankenhaus.

Anders als in manch anderen Fällen sei die Rekonstruktion des Tathergangs nicht schwierig gewesen. Nicht so einfach gerieten jene Feststellungen für das Schwurgericht, nach denen entschieden wird, ob der 53-jährige Beschuldigte die spontane Tat im Zustand völliger Schuldunfähigkeit begangen hatte oder ob sein Angriff auf die Lebensgefährtin vor dem Hintergrund einer weithin verminderten Schuldfähigkeit beurteilt werden muss.

Der Unterschied: Bei der letzteren Möglichkeit müsste der 53-Jährige zu einer Freiheitsstrafe verurteilt werden, im anderen Fall wäre eine Freispruch angezeigt. Fakt ist, der 53-Jährige litt seit langem unter den Schüben einer paranoiden Psychose, dazu kam Alkoholmissbrauch und eine beginnende Demenz ist festgestellt worden. Auf der anderen Seite lebten beide Kranke – auch sie hatte psychische Probleme – seit langen in einer durchaus harmonischen Beziehung, wie die Aussagen der Nachbarn ergeben hatten, bis zum jenem 12. September jedenfalls.

Einen Tag vor der Tat klagte der 53-Jährige bei seinen Betreuern bereits „über innere Unruhe“, eine Einweisung in die Dürener Landesklinik wurde erwogen und doch wieder verworfen, aus welchen Gründen auch immer. Am darauffolgenden Tag geschah dann das Gemetzel abends in der Wohnung des Nachbarn, auch ihn hatte der Täter mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.

Staatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts bekannte sich in ihrem Plädoyer zu der Variante, die eine Freiheitsstrafe und eine Einweisung in die Psychiatrie erfordert hätte. Sie wollte den 53-jährigen wegen versuchten Totschlags mit sieben Jahre und zehn Monaten Haft bestrafen. Damit folgte sie den Empfehlungen der psychiatrischen Sachverständigen, die keine völlige Aufhebung der Schuldfähigkeit gesehen hatte. Das tat die Kammer doch und sprach den 53-Jährigen frei und wies ihn dauerhaft in die Psychiatrie ein.

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