Blutrotes Drama: Russisches Nationalballett im Haus der Stadt

Von: Bruno Elberfeld
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Eifersuchtsdrama im Haus der Stadt: Carmen wird von liebeskranken Männern umschwärmt. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Nicht viele Ausdrucksformen in der Kunst eignen sich so unmittelbar, nahezu ohne mediale Vermittlung, menschliche Gefühle in bewegte Bilder umzusetzen, wie der Tanz. Liebeswerben ohne Worte, dargeboten mit Körpern, die eindeutig und zielgerichtet das Objekt der Begierde tänzerisch umwerben.

Vor einem rot-schwarzen Bühnenbild erzählten die Tänzerinnen und Tänzer die Geschichte von Carmen (getanzt von Liudmila Titova), die in einer Zigarettenfabrik in Sevilla arbeitet. Die schöne Frau ist voller Lebenslust und von Männern umschwärmt. Eifersüchteleien zwischen ihren Geschlechtsgenossinnen in einer Taverne führen zu Gewalttätigkeiten. Carmen setzt alle ihre Möglichkeiten ein, auch die Männer zu verführen, die sie nicht beachten.

Im Eifer des Gefechts verwundet sie eine Kameradin. José (Vadim Lolenko), der sie ins Gefängnis bringen soll, erliegt ihrem Charme und lässt sie entkommen. Dafür wird José selbst arretiert. Es kommt zum dramatischen Liebeswerben um Carmen zwischen Leutnant Zugina und dem Stierkämpfer Escamillo (Sergey Skvortsov).

Nach Josés Entlassung aus dem Gefängnis tanzt Carmen ganz allein für ihren Helden. Parallel jedoch werben auch der Stierkämpfer Escamillo und Zugina um die begehrenswerte Frau. Carmen beachtet José nicht mehr. Die Folge? Wie kann es anders sein: es fließt Blut, das Blut von Carmen, die die gewalttätigen Eifersuchtsszenen zwischen den Männern heraufbeschworen hat. José sticht sie nieder.

In der zweiten Hälfte der Veranstaltung bot das Russische Nationalballett unter der Überschrift „Festliche Gala, Perlen des klassischen Balletts“ kurze Szenen aus Tschaikowskis „Flamme von Paris“, Camille Saint-Saëns „Der sterbende Schwan“, Soloviev-Sedojs „Gopak – Ausschnitt aus Taras Bulba“, Adolf Adans „Adagio aus dem Ballett Giselle“ und Melikovs „Monolog aus der Legende über die Liebe“. „Die Polovetzker Tänze – Ausschnitte aus der Oper Fürst Igor“ von Borodin setzten den Schlussakkord in diesem bunten Reigen tänzerischer Kunst.

Die Besucher erlebten im Haus der Stadt eine solide und gute tänzerische Darbietung. Den engagierten Tänzerinnen und Tänzern gelang es, spannende Geschichten aus dem Leben, wenn auch nur ausschnittweise, zu erzählen. Besonders eindrucksvoll kam Bizets Carmen daher.

Gängige Lieder, viele unter ihnen seit Jahrzehnten Ohrwürmer, ließen Männer und Frauen hier und da mitsummen. Deutlich wurde der Unterschied zwischen dem dramatischen Handlungsballett in Carmen und den Ausschnitten aus dem klassischen Ballett nach der Pause. Hier kräftig und dramatisch, dort elegant und zart.

Gut abgestimmt waren Kulissen und Kostüme der Akteure, oft Ton in Ton mit nur geringem Kontrast, nicht immer zur Freude der Fotografen. Trotz des kleinen „Ausrutschers“ einer Tänzerin – es war eben live – geriet die Präsentation des Ensembles aus Moskau zu einer gefälligen Augenweide.

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