Blindenfürsorgeverein: Düren exportiert seine Sachkompetenz

Von: Sandra Kinkel
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Das Kompetenzzentrum für blinde und gehörlose Menschen, das der Rheinische Blindenfürsorgeverein mit Sitz in Düren federführend betreibt, hat seine Räume im „Haus der Technik“ in Essen. Foto: imago/Jochen Tack

Düren/Essen. Nordrhein-Westfalen bekommt ein Kompetenzzentrum für sinnesbehinderte Menschen. Federführend ist der Rheinische Blindenfürsorgeverein (RBV) aus Düren für die neue Einrichtung für Menschen mit einer Hör- und/oder Sehbehinderung verantwortlich.

Partner des RBV sind das Berufsförderungswerk Düren, die Deutsche Gesellschaft für Taubblinde, das Aachener Frauenhofer-Gesellschaft, „SignGes“, das Kompetenzzentrum für Gebärdensprache und Gestik der RWTH Aachen sowie das Zentrum für soziale Dienstleistungen in Dortmund.Zwei Jahre Planungszeit

Dr. Hans-Joachim Zeißig, Geschäftsführer von RBV und BfW: „Das Landesministerium für Arbeit, Integration und Soziales hat vor zwei Jahren ein Interessensbekundungsverfahren gestartet. Es wurden Einrichtungen und Institutionen gesucht, die bereit waren, Kompetenzzentren für Menschen mit Behinderung zu betreiben, um denen ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“

Fünf solcher Kompetenzzentren, nämlich in jedem Regierungsbezirk eins, sollen entstehen. „Darüber hinaus“, erklärt Dr. Zeißig, „gibt es ein Kompetenzzentrum für Menschen mit Sinnesbehinderung, das für ganz Nordrhein-Westfalen zuständig ist.“ Der Rheinische Blindenfürsorgeverein, ergänzt Zeißig, habe sich beworben, dieses Zentrum zu betreiben und nach einem umfangreichen Auswahlverfahren, an dem der zuständige Landesminister Rainer Schmeltzer persönlich teilgenommen habe, den Zuschlag bekommen, das Kompetenzzentrum mit Leben zu füllen.

„Wir haben sehr viel Erfahrung in der Betreuung blinder, sehbehinderter und auch hörgeschädigter Menschen. Und wir sehen uns als Rheinischer Blindenfürsorgeverein durchaus auch in der Pflicht, überregional Verantwortung zu übernehmen.“ Für das neue Kompetenzzentrum, das zunächst bis Ende 2019 bewilligt worden ist, zahlt das Land jedes Jahr 530.000 Euro.

Ziel des neuen Kompetenzzentrums, das am 1. August seine Arbeit aufgenommen hat, ist es, seh- und hörbehinderten Menschen und deren Angehörigen eine Anlaufstelle zu sein, an der sie Information, Beratung und Qualifizierung finden. Blinde und taubblinde Menschen haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Taubblinde beispielsweise können sich nur über eine spezielle Tastsprache verständigen.

„Allen Menschen mit einer Sinnesbehinderung“, sagt Zeißig, „wollen wir helfen, besser am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können.“ Dabei würde barrierefrei viel mehr bedeuten als nur eine rollstuhlgerechte Rampe. Blinde Menschen bräuchten ein spezielles Leitsystem, hörgeschädigte einen Gebärdendolmetscher.

„Weil das neue Zentrum für ganz Nordrhein-Westfalen zuständig ist“, erklärt Hans-Joachim Zeißig weiter, „haben wir einen möglichst zentralen Ort in NRW gesucht.“ Fündig geworden sind die Verantwortlichen im Haus der Technik in Essen. Zeißig: „Das Haus der Technik liegt direkt gegenüber vom Bahnhof. Das ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, ideal.“

Acht Menschen werden – zum Teil in Teilzeit – im Kompetenzzentrum arbeiten. Das sind neben einer Juristin vor allem Rehabilitationspädagogen, eine Lehrerin für taubblinde Menschen, Pädagogen und Psychologen. Zeißig: „Das Kompetenzzentrum arbeitet nach dem Prinzip des sogenannten ‚Peer Counseling‘. Das bedeutet, dass dort Menschen tätig sind, die selbst von einer Behinderung betroffen sind und sich in die Situation ihrer Klienten besonders gut einfühlen können.“ Neben Sachkunde, so der RBV-Geschäftsführer, sei für die Kunden des Kompetenzzentrums eine große Portion Empathie sehr wichtig.

Schulungen und Seminare

Das Zentrum bietet Beratungsangebote, Schulungen und Seminare für Betroffene, aber auch für Mitarbeiter von Behörden, die ihre Angebote für sinnesbehinderte Menschen ausbauen wollen. Zeißig: „Wir haben am 1. August mit der Arbeit begonnen, stehen also noch ganz am Anfang. So sind unsere Räume beispielsweise noch nicht komplett eingerichtet.“

Die Räume sollen selbstverständlich barrierefrei und akustisch optimiert, also auf die Bedürfnisse für Sinnesbehinderte zugeschnitten sein. Zeißig: „Natürlich werden unsere Mitarbeiter auch ins Land fahren und beispielsweise den Kontakt mit Behindertenverbänden suchen.

Wir wollen keine bestehenden Beratungsangebote ersetzen, aber wir wollen überprüfen, wo es ausreichende Beratungsangebote gibt und wo sie fehlen. Unser Ziel ist, ein NRW-weites Netzwerk zu knüpfen.“ Darüber hinaus soll es in naher Zukunft auch Online-Seminare und Chat-Angebote, Apps und Informationen in den Sozialen Netzwerken im Internet geben.

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