Düren - Blind sein und trotzdem ins Theater gehen

Radarfallen Bltzen Freisteller

Blind sein und trotzdem ins Theater gehen

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
11091629.jpg
Theater-Leiterin Monika Rothmaier-Szudy und Kulturbetriebs-Chef Dieter Powitz stellen die Audiodeskriptionsanlage vor. Foto: smb
11013052.jpg
Lothar Schubert vom Blinden- und Sehbehindertenverein hat sie mit seiner Frau getestet. Foto: Stadt Düren

Düren. Die Mimik der Hauptfigur, das Bühnenbild, die Gesten einer Sängerin, Situationen, in denen die Komik ohne Worte entsteht – einem blinden Menschen bleiben diese Eindrücke beim Besuch einer Operette oder eines Theaterstückes vorenthalten.

In Düren – einer Stadt, in der auch aufgrund des Berufsförderungswerkes viele blinde Menschen leben – hat sich das nun geändert.

Mikrofonhalterung beschreibt was sich auf der Bühne abspielt

Das „Haus der Stadt“ hat eine sogenannte Audiodeskriptionsanlage angeschafft. In der Regie – mit einer Glasscheibe vom Publikumsraum und damit allen Geräuschen getrennt – sitzen Monika Rothmaier-Szudy oder Kulturbetriebsleiter Dieter Powitz. Eine Mikrofonhalterung schmiegt sich eng an den Kopf. Sie beschreiben den sehbehinderten oder blinden Theater- oder Operettenbesuchern, was sich auf der Bühne abspielt. „Die große Kunst ist es, genau in die Lücken zu sprechen“, beschreibt Lothar Schubert. Darüber hinaus gelte es, das richtige Maß an Worten zu finden.

Soviel wie nötig, so wenig wie möglich, könnte man die Herausforderung zusammenfassen. „Wenn wir zu viel sprechen, können die vielen Informationen auch den musikalisch, sinnlichen Eindruck rauben“, weiß Dieter Powitz, der bereits in seiner vorherigen beruflichen Laufbahn in Bielefeld gute Erfahrungen mit der Audiodeskription gemacht hat.

Vor allen bei musikalischen Aufführungen wie Opern und Operetten sei die Beschreibung wichtig. „Ich muss ja erst einmal überhaupt wissen, wer da auf der Bühne steht“, unterstreicht Schubert. Es käme nicht darauf an, jedes Detail auf der Bühne zu beschreiben. „Bei einem bestimmten Kleidungsstück kann zum Beispiel der Hinweis ausreichen, dass es sehr auffällig ist“, sagt Powitz. Das sage schließlich auch etwas über eine Person aus.

In dieser Spielzeit wird die Audiodeskription bei zwölf Stücken angeboten. Vorwiegend bei Musikstücken. „Ein Schauspiel erschließt sich etwas besser über den gesprochenen Text“, weiß Monika Rothmaier-Szudy. Auch seien in einem Schauspiel die Stimmen leichter voneinander zu unterscheiden als zwei Sopranstimmen in einer Opern-Aufführung.

Finanzierung: 6500 Euro Spendengelder

„Das ist gelebte Integration, gelebte Teilhabe“, begründet Powitz, warum er das System nach Düren holen wollte. Zehn Empfänger, die an allen Plätzen eingesetzt werden können, wurden über 6500 Euro an Spendengeldern finanziert. Der Leiter des Kulturbetriebs will in Zukunft die reisenden Bühnen, die im Haus der Stadt auftreten, stärker in die Pflicht nehmen. „Es wäre zu wünschen, dass diese die Audiodeskription direkt mit anbieten“, sagt er hoffnungsvoll. Schließlich sei es einfacher, die Situation zu beschreiben, wenn man eine Produktion bereits gut kenne.

Monika Rothmaier-Szudy hat sich für ihre erste Beschreibung extra eine Videoaufzeichnung zukommen lassen und mehrfach angeschaut, damit sie weiß, wann und an welchen Stellen sich Beschreibungen gut einfügen. Im Nachgespräch würden die blinden und sehbehinderten Nutzer dann eine Rückmeldung geben.

Gedankenspiele

Monika Rothmaier-Szudy und Dieter Powitz haben aber auch schon Gedankenspiele für die Zukunft gemacht. „Es könnte zum Beispiel die Möglichkeit geben, dass blinde Personen vor einer Theateraufführung eine Bühnenbegehung machen, um sich so mit Requisiten und dem Bühnenbild vertraut zu machen.

Stellt sich noch die Frage, wie blinde Menschen von dem Angebot erfahren? Lothar Schubert hat eine CD aufgenommen, auf der er informiert und die Beschreibungen der Stücke für blinde Menschen eingelesen hat.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert