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Blick ins Spiegelbild: DZ-Leser erkunden die Sammlung Frerich

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Mehr als zuhören: Bei der Führung von Jeannine Bruno (4.v.l.) wurden die Teilnehmer selbst zu Referenten. Es galt, die Ausstellung auf eigene Faust zu erkunden. Foto: Stephan Johnen

Düren. Aus den Gesichtern spricht Schmerz, Leid und Nachdenklichkeit. Gleichzeitig aber auch Zuversicht und enorme Willenskraft. Was haben die Menschen, deren Selbstporträts an den Wänden des Dürener Leopold-Hoesch-Museum hängen, wohl erlebt? Was haben sie gesehen? Welche Schicksalsschläge gab es in ihren Biografien?

Wer genau hinschaute, entdeckte immer neue Details, immer neue Deutungsmöglichkeiten. Fast war es am Donnerstagnachmittag im Museum so, als würden die Teilnehmer unserer Leser-Führung und die Selbstporträts der Künstler einen Dialog beginnen, miteinander ins Gespräch kommen.

Jeannine Bruno, Leiterin der Werkloge, hatte genau dies beabsichtigt. Gleich zu Beginn der Führung, zu der das Leopold-Hoesch-Museum und die DZ 20 Leser eingeladen hatten, entließ Jeannine Bruno die Mitglieder der Gruppe in die Weiten der Säle. Vorab gab es nur wenige Worte zur Ausstellung „Unsere Werte. Die Sammlung Frerich. Selbstporträts auf Papier“. „Schauen Sie sich die Selbstporträts an, lassen Sie sie auf sich wirken, suchen Sie sich eines heraus, das Sie besonders anspricht“, gab die Museumspädagogin unseren Lesern auf den Weg. Gesagt, getan.

Wer kam, um zuzuhören, wurde schnell selbst zum Redner. Jeannine Bruno wurde zur Moderatorin eines Gesprächs, die immer wieder Informationen zu Herstellungsverfahren und zur Historie des Selbstporträts gab, den Faden weiterspann.

War das Selbstporträt viele Jahrhunderte vor allem eine Form der Repräsentation, ein Abbild der eigenen gesellschaftlichen Stellung und das geeignete Medium, um der Nachwelt im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von seinem Tun und Handeln zu hinterlassen, wandelte sich im Laufe der Zeit auch die Absicht, die hinter dem Selbstporträt steht. In der Moderne wurden nach und nach auch die Lebensumstände und im Zeitalter der Psychoanalyse wurde neben Äußerlichkeiten auch Inneres zum Thema des Selbstporträts.

Die Sammlung Frerich erwies sich am Donnerstag als Schatzgrube – für Betrachter und Zuhörer gleichermaßen. Es waren beispielsweise vor allem die Selbstporträts aus dem frühen 20. Jahrhundert, die DZ-Leser Friedel Garding in ihren Bann gezogen hatten. „All das Erlebte und Erfahrene spiegelt sich in diesen Gesichtern wider“, sagte Garding. Der Erste Weltkrieg habe offenbar tiefe Spuren hinterlassen. Jürgen D. Meyer verweilte längere Zeit vor dem Selbstporträt der Künstlerin Käthe Kollwitz: „Ich bewundere an ihr, dass Sie den Mut hatte, das Elend so zu zeigen, wie es war. Das imponiert mir.“

Die Sammlung wird auch nach dem Ende der Ausstellung ein Schwerpunkt der Arbeit im Museum sein. Der erste Schritt der wissenschaftlichen Erfassung ist mit der Publikation des Bestandskataloges abgeschlossen. Der Kölner Zahnarzt und Sammler Dr. Günter Frerich (1929-2013) hat eine einzigartige Sammlung von 453 Selbstporträts von 158 Künstlern zusammengetragen. Dieses Porträtkabinett wollte er der Öffentlichkeit zugänglich machen, die Sammlung ging 2012 in den Bestand des Dürener Museums über.

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