Blick ins Bücherregal: „Alleine das Finden ist schon ein Erlebnis“

Von: Anke Holgersson
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Bücher gehören zum Alltag: Dr. Hanne Vogt ist Vorlesepatin der Stadtbücherei Düren und Schriftstellerin. Foto: Anke Holgersson

Düren. „Sage mir, was Du liest, und ich sage Dir, wer Du bist.“ So lässt sich ein bekanntes Sprichwort abwandeln. Ein bisschen was ist dran: Der Inhalt unseres Bücherregals verrät zum Beispiel, mit welchen Ideen wir uns beschäftigen, wie neugierig wir sind, welcher Sprachrhythmus uns gefällt, welcher Humor uns anspricht oder welche Geschichten uns aus dem Alltag abtauchen lassen.

Um daran zu erinnern, wie viel Spaß Lesen machen kann, startet die DZ eine neue Serie. In loser Folge besuchen wir bekannte und weniger bekannte Dürener Persönlichkeiten und deren Bücherregale. Und wir freuen uns auf das, was sie zu erzählen haben.

Das erste Bücherregal steht bei Dr. Hanne Vogt. Sie ist Vorlesepatin der Stadtbücherei Düren, Schriftstellerin und begeisterte Leserin. Bei ihr werden Bücher eher wie wohl gelittene Mitglieder einer Wohngemeinschaft denn als Bildungs- und Unterhaltungsmedien behandelt.

Das fängt schon damit an, dass sie ihnen mit ihrer Familie einen der schönsten Plätze im Wohnzimmer zugedacht hat, von wo aus sie einen herrlichen Blick auf Rölsdorfer Felder haben. Dort leben sie auf etwa zehn Quadratmetern in einer wunderbar gemischten Gesellschaft von Fantasyromanen, Gedichtbänden, Lexika und Anthologien sowie neuen und alten Klassikern der Weltliteratur und aktuellen Beststellern.

„Meine Bücher wollen gefunden werden“, sagt Hanne Vogt, während sie einige ihrer Lieblingsbücher sucht. „Manchmal ist alleine das Finden schon ein Erlebnis.“ Deshalb benötige sie auch keine Systematik. Für sie sind Bücher ganz selbstverständlicher Teil des Alltags: „Ich erinnere mich plötzlich an einen bestimmten Satz, der sich mir eingeprägt hat. Dann finde ich das passende Buch und bleibe daran hängen.“

Nach welchen Kriterien sucht sie denn eigentlich ihre Buch-Mitwohner aus? „Meistens schlendere ich durch die Buchhandlung und lese die erste Seite. Sprache und Geschichte müssen mich sofort fesseln.“ Dann wird nicht lange gefackelt und eingekauft. Ein Buchhändler, der ihr die freundliche Frage stellt: „Soll ich es einpacken?“ erhält die Antwort: „Nein danke, ich nehme es gleich auf die Hand.“ WG-Opa ist der Brockhaus der Familie, der noch aus den Berliner Zeiten stammt, als sie und ihr Mann sich an der Universität kennenlernten.

„Vor Wikipedia und Co. haben wir uns den Brockhaus öfter mal abends geschnappt, an einer beliebigen Stelle aufgeschlagen und uns Kurioses aus aller Welt vorgelesen“, sagt Hanne Vogt und beschließt gleich ein Revival, indem sie sich Band „K“ greift: „Weiß jemand, wer Konrad von Würzburg war?“

Hanne Vogt schreibt selbst. Zu Weihnachten wird voraussichtlich der Fantasyroman „Kelak“ herauskommen, in dem ein Junge im Rollstuhl auf einen jugendlichen Luftgeist trifft. Neuer WG-Bewohner wird er vorerst nicht, denn er erscheint als E-Book.

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