Blick in die Leitstelle und Brandsimulation

Von: Jörg Abels
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Leitstellenleiter Walter Weber (2.v.r.) erklärte den DZ-Lesern die Aufgaben von Disponent Rolf Clemens. Foto: Jörg Abels
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Lars Knüst, Schichtleiter im Feuerschutztechnischen Zentrum, erklärte die Brandsimulationsanlage. Foto: Abels

Düren/Stockheim. Disponent Rolf Clemens gibt Wohnort und Straße in den Rechner ein, dann den Grund des Einsatzes: Dachstuhlbrand. Ein Klick und auf dem Bildschirm erscheint, welche Einsatzkräfte alarmiert werden müssen. Ein weiterer Klick und die Alarmierung wäre raus.

Doch dieses Mal bleibt nahezu die gesamte Feuerwehr der Gemeinde Nörvenich verschont. Es war nur eine anschauliche Demonstration für unsere Leser, die am Mittwoch zum Auftakt der DZ-Sommertour einen umfassenden und informativen Einblick in das Feuerschutztechnische Zentrum (FTZ) und die Feuerschutz- und Rettungsleitstelle des Kreises in Stockheim erhielten.

60 Sekunden bis zur Alarmierung

45 bis 60 Sekunden hat der Disponent Zeit, nach einem Notruf über die Telefon 112 alle erforderlichen Angaben vom Anrufer abzufragen, erklärt Leitstellenleiter Walter Weber. Dann sollte die Alarmierung raus, schließlich warten Menschen in einer akuten Notlage auf schnelle Hilfe. 137 Einsätze wickeln die Disponenten täglich ab, Tendenz seit Jahren steigend, weil mit dem demografischen Wandel die Zahl der altersbedingten Rettungseinsätze kontinuierlich steigt. 2010 registrierte die Leitstelle gut 39.000 Einsätze, 2015 werden es wohl mehr als 48.000 sein. Nur bei etwa zehn Prozent ist die Feuerwehr gefordert. Überwiegend sind es Rettungsdiensteinsätze, die von Stockheim aus koordiniert werden.

Auf ein standardisiertes, computerbasiertes Abfrageverfahren kann der Disponent noch nicht zurückgreifen. „Das wird aber kommen“, kündigt Walter Weber an. Trotzdem versucht er vom Anrufer, der sich im Notfall in einer emotional schwierigen Situation befindet, möglichst genaue Informationen zu bekommen. Gleichzeitig beruhigt er den Anrufer und leitet ihn an, wenn zum Beispiel Erste Hilfe erforderlich ist.

„Parallel alarmiert dann ein Kollege“, erklärt Weber. Unterm Strich aber bleibt: „Der Anrufer ist der Schlüssel für die richtige Entscheidung des Disponenten“, betont der Chef der Leitstelle. Eine falsche Hausnummer oder falsche Etagenangabe verzögert die Hilfe. Daher der Appell: Im Notfall Ruhe bewahren, wenn die 112 gewählt werden muss. Jeder Anruf wird zur Sicherheit aufgezeichnet.

Kann der Disponent die Lage optimal einschätzen, kann er auch bereits entscheiden, ob und welche Spezialfahrzeuge aus Stockheim die örtlichen Feuerwehren unterstützen. „Wir sind nicht die Feuerwehr des Kreises Düren“, erklärt Ralf Butz, Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz des Kreises, den Lesern. Das sei ein weit verbreiteter Irrtum.„Wir unterstützen jedoch die 15 Städte und Gemeinden mit zentral vorgehaltenen Geräten“, betont Martin Thiedeke. Es sind Millionenwerte, die in Stockheim bereitstehen, von der Drehleiter, die alleine bis zu 800.000 Euro kostet, über den Geländebuggy „Purzel 2“, der bei Personenrettungen in extremem Gelände zum Einsatz kommt, bis zum Mehrzweckboot.

Mit vier Wechselladerfahrzeugen können 20 Spezialcontainer je nach Bedarf an den Einsatzort transportiert werden: vom Atemschutzcontainer über den Behälter mit fünf Kilometern Schlauchmaterial für abgelegene Brände bis hin zu speziellen Löschmitteln oder einer Anlage zur Dekontamination nach Kontakt mit Gefahrenstoffen.

Container, die Schichtleiter Lars Knüst nicht nur öffnete, sondern auch erklärte. Einblicke in den mobilen Einsatzleitwagen, die hochmoderne Brandsimulationsanlage, in der die Feuerwehrleute unter Realbedingungen bei mehr als 200 Grad üben, die Atemschutzübungsstrecke sowie in die Atemschutz- und Schlauchwerkstatt rundeten den Rundgang ab.

Im FTZ wird alles gewartet, repariert und auf Vordermann gebracht, was in den 15 Kreiskommunen zum Einsatz kommt – vom Wasserschlauch über die Atemmaske bis hin zur Spezialkleidung der Feuerwehrleute, die im FTZ gereinigt wird. Selbst kleine Reparaturen an den Fahrzeugen werden vorgenommen. „Das ist unser Tagesgeschäft“, erklärt Martin Thiedecke. Nicht unerwähnt blieb, dass in Stockheim auch überörtliche Ausbildung der Feuerwehr stattfindet, unter anderem am eigens erstellten Planspiel.

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