Blick in den Zirkus: Drei kleine Tiger mit großem Appetit

Von: Gudrun Klinkhammer
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Drei kleine Tiger reisen mit dem Zirkus „Karl Altoff-Köllner“ durch das Land. Für die Manege sind sie aber noch zu klein. Sie gehen quasi in die Tierschule. Der Zirkus gastiert derzeit auf dem Annakirmesplatz. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Tiger Caesar hebt seine linke Vordertatze, die so groß ist wie eine Untertasse. Die Pfote soll helfen, ein Stück Fleisch von einem Stock abzustreifen, das Dompteur Giuliano ihm gerade vorhält. Kurzerhand schnappt das einjährige, noch sehr verspielte Tier dann allerdings mit der Schnauze zu und angelt sich auf diese Weise den köstlichen Brocken.

Caesar ist einer von drei Tigern, der zum „Circus Karl Altoff-Köllner“ gehört. Der Zirkus gastiert derzeit in Düren auf dem Annakirmesplatz. Liane Köllner und Karl Altoff-Köllner führen den Betrieb. „Pro Tiger werden am Tag drei Kilogramm Rindfleisch verfüttert, hinzu kommen Hack mit Milch und Ei für ein schönes Fell“, erklärt die Chefin. Dompteur Giuliano hat das getigerte Trio in Frankreich zu sich genommen, berichtet Liane Köllner. Die Drei waren von der Mutter verstoßen worden, so dass sie mit der Flasche vom Dompteur groß gezogen wurden.

Noch gehen die Tiger im Zirkus in die Tierschule. In der Manege treten sie noch nicht auf, dafür sind sie noch zu jung. Die Zirkusbesucher können in den Pausen der Vorstellungen jedoch den Tieren zuschauen.

Zum Zirkus Karl Altoff-Köllner gehören 30 Tiere, darunter Pferde, Ponys, Ziegen, Dromedare, Lamas und ein Hund. Wechselt der Zirkus seinen Platz, dann muss der Chef zunächst mit umliegenden Bauern Kontakt aufnehmen, die ihm Futter für die Tiere in Form von Heu und Stroh liefern. Liane Köllner: „Täglich fallen 350 Euro Futterkosten an.“ 20 Zirkuswagen gehören zum Betrieb, 15 Personen ziehen und arbeiten mit. „Wir sind ein klassischer Zirkus mit Clowns, Dompteuren und Artisten in modernem Gewand“, sagt Köllner, Mutter von fünf Kindern. Das Zirkuszelt bietet 800 Gästen Platz. Der Durchmesser der Manege beträgt 13 Meter.

Seit sie auf der Welt ist, zieht Liane Köllner über Land. „Ich wurde in einem Zirkuswagen als eines von sieben Geschwistern geboren. Ich kenne gar kein anderes Leben und ich möchte auch gar kein anderes Leben führen. Wenn ich drei Wochen am Stück irgendwo bin, dann freue ich mich, wenn es endlich weitergeht.“

Früher, da waren die Wagen noch nicht so gut klimatisiert beziehungsweise beheizt, erinnert sich die Zirkusfachfrau. „Meine Mutter fror in kalten Wintern noch mit dem Kopf an der Wagenwand fest.“

Vater Köllner ist inzwischen gut 80 Jahre alt, er reist noch mit durch das Land. In den vergangenen zehn Jahren tourte der Zirkus hauptsächlich in den neuen Bundesländern, nun zieht er wieder durch Nordrhein-Westfalen. Nach Düren stehen die Ziele Bergheim und Mönchengladbach auf dem Programm. Jeden Tag geht es um sieben Uhr los. Zuerst werden die Tiere gefüttert und versorgt, dann frühstücken die Zirkusleute. Anschließend stehen Proben, Tier- und Materialpflege auf dem Programm.

Schulwagen für die Kinder

Gelegentlich schlendert Liane Köllner durch die Innenstadt des jeweiligen Spielortes, um einkaufen zu gehen. Für die Kinder, die noch schulpflichtig sind, reist ein bis zwei Mal pro Woche ein Schulwagen an. So kann auch die siebenjährige Lucia Altoff-Köllner, eine begabte Kautschukakrobatin in siebter Generation, den Schulstoff erlernen und gleichzeitig im Zirkus mitwirken.

Wie Pech und Schwefel halten die Artisten in der Regel zusammen. Liane Köllner: „Natürlich gibt es schon mal Streit, wir leben ja eng beieinander und jeder sagt hier, was er denkt. Doch vertragen wir uns auch immer wieder, denn wir wissen, wir brauchen einander.“ Das Wichtigste sei die Gesundheit, sagt Köllner. „Ansonsten sind wir sehr flexibel und selbst in der Not klappt alles, wenn nur eben die Gesundheit gegeben ist.“ Manchmal, ganz selten, träumt auch sie von einem kleinen, festen Steinhaus. „Das wäre für einige Wochen im Winter vielleicht nicht schlecht.“

Doch schnell wischt sie den Gedanken mit einer Handbewegung wieder fort. Zu schön ist das Zirkusleben, der Geruch nach frischen Sägespänen in der Manege, die unter den Füßen weich nachgeben und das Leuchten in den Augen der Zuschauer. Liane Köllner: „Zirkus kann man nur fühlen, wenn man ihn erlebt. Für uns ist es das Schönste, wenn die Leute klatschen. Dann wissen wir, wir haben ihnen Freude gebracht.“

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