Wollersheim - Bleiben die Türen des Dorfladens bald zu?

Bleiben die Türen des Dorfladens bald zu?

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
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Mit großem ehrenamtlichen Engagement betreiben die Wollersheimer ihren mühsam erkämpften Dorfladen. Der Umsatz ist allerdings so deutlich zurückgegangen, dass das betriebswirtschadftliche Aus droht.
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Paul Garagnon, Geschäftsführer des Dorfladens in Wollersheim, hofft auf eine Umsatzsteigerung, um den Dorfladen retten zu können. Foto: B. Giesen

Wollersheim. Mit der Erklärung tut sich Paul Garagnon schwer. Er kann aber die reinen Zahlen sehen, und die sprechen eine klare Sprache: Dem Wollersheimer Dorfladen droht die Insolvenz, wenn er nicht absehbar stärker frequentiert wird.

Garagnon ist Geschäftsführer des Dorfladens, der als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft agiert. Die Zahlen, die er vor sich liegen hat, sind ernüchternd: „Wir sind im Jahr 2014 mit einem hohen Umsatz gestartet und in 2015 hatten wir einen guten Umsatz, der dann im letzten Jahr eingebrochen ist.“ Rund 12.000 Euro fehlten in der Kasse, um betriebswirtschaftlich über die Runden zu kommen und auch die Löhne für eine Teilzeitkraft und eine Mini-Jobberin zu bezahlen. Einen weiteren Einbruch der Einnahmen wird der Dorfladen betriebswirtschaftlich nicht verkraften, warnt Garagnon.

Dabei stimmt es nicht mal, dass die Betreiber des Ladens, für den die Wollersheimer Bürger lange gekämpft haben, über mangelndes Interesse oder eine geringe Frequenz klagen könnten. Im Gegenteil. Paul Garagnon: „Der Dorfladen hat sich zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt. Und wenn man bei gutem Wetter vorbeikommt, sieht man an den Tischen im Außenbereich viele Leute, die sich einen Kaffee gönnen.“ Kaffee, Brötchen und Kuchen. Überhaupt die Backwaren. „Das sind unsere Top-Produkte“, sagt Garagnon, „an denen wir aber nicht viel verdienen.“

Garagnon hat nachgerechnet: Bis 8 Uhr morgens gibt es schon 35 Kunden. „Die geben im Schnitt drei Euro pro Person aus.“ In der Kasse klingelt es also nicht, trotz der Vielzahl der Kunden zu so früher Uhrzeit. Als sozialer Treffpunkt allein funktioniert das Unternehmen Dorfladen eben nicht. Garagnon spricht von einer Veränderung des Kaufverhaltens, die er wahrgenommen hat: Anfangs sei es so gewesen, dass die Wollersheimer Kunden erst im Laden und das, was ihnen fehlte, dann noch im nächsten Supermarkt dazu gekauft hätten. Heute, sagt er, ist es genau andersherum. „Wir sind zum ‚Vergess-Laden‘ geworden“, sagt Garagnon. Heißt: Das, was man im Discounter vergessen hat, wird im Dorfladen zugekauft.

Das ist eine Erklärung für den Umsatzrückgang. Paul Garagnon hat noch eine weitere Erklärung: „Neben dem Umstand, dass viele Wollersheimer wieder in den Bequemlichkeitsmodus verfallen, kommt hinzu, dass insbesondere ältere Mitbürger unsere treuesten Kunden waren. Einige von ihnen sind in den zweieinhalb Jahren verstorben. Auch das macht sich in unserer Kasse bemerkbar.“ Schlechtes Wetter übrigens auch, positiv sogar: „An einem Freitag im Januar hat es ordentlich geschneit. Abends hatten wir 600 Euro in der Kasse“, erinnert sich Garagnon. Dabei ist die Summe, die dem Dorfladen fehlt, auf den Tag umgerechnet, gar nicht mal so riesig. Ein Minus von 12.000 Euro im Jahr macht am Tag gerade mal 50 Euro aus.

Das Päckchen Kaffe, den Sekt oder das Glas Nutella im Dorfladen statt im Discounter gekauft, könnten also schon helfen, um den Umsatz wieder anzukurbeln. Zumal sich der Geschäftsführer sicher ist, dass man mit den Preisen im Discounter durchaus mithalten kann: „Wir haben ein gutes Sortiment und gute Preise. Da müssen wir den Vergleich wirklich nicht scheuen.“ Statt die betriebswirtschaftliche Notbremse zu ziehen, will Garagnon in den kommenden Wochen verstärkt um mehr Kunden werben. „Wir wollen Anfang Mai einen Fragebogen an alle Haushalte verteilen, um so herauszufinden, ob wir uns bei der Qualität, beim Sortiment oder im Service ändern oder verbessern müssen“, sagt Garagnon. Gemeinsam mit den Gesellschaftern will man diese Ergebnisse abwarten.

Klar ist für Garagnon allerdings auch, dass er reagieren muss, wenn der Umsatz weiter zurückgeht: „Wir werden den Umsatz im Auge behalten und jeden Monat schauen, wo wir stehen.“ Im schlimmsten Fall muss Garagnon dann irgendwann die Tür zuschließen. Darüber entscheiden letztlich die Kunden.

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