Bismarckstraße: „Vermieter setzt weiter auf Flickschusterei”

Von: Nicola Gottfroh und Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Gesichert mit Vorhängeschloss
Gesichert mit Vorhängeschloss und Gitter: Jürgen Friedt und Wilhelm Ramm stehen vor verschlossenen Türen. „Der Eigentümer verweigert uns beiden seit einiger Zeit den Zutritt zum Keller.” Foto: Gottfroh

Düren. Für Jürgen Friedt und die rund 300 Bewohner des Hochhauses an der Bismarckstraße ist es ein glücklicher Umstand, dass der Oktober in diesem Jahr mit strahlendem Sonnenschein gestartet ist - und zumindest in dieser Woche recht mild und wenig herbstlich sein wird.

„So haben wir noch eine Schonfrist, bis die kalte Jahreszeit mit aller Härte zuschlägt”, sagt der Vorsitzende des Mieterbeirats. Denn sobald das Quecksilber weiter falle, heiße es für die Bewohner in den Wohnungen: dick anziehen oder frieren. Denn die Heizungsanlage sei bereits sei Wochen defekt.

„In diesem Haus läuft einfach nichts mehr rund”, ärgert sich Jürgen Friedt. Zunächst hatte die Bezirksregierung Köln die Aufzüge des Hauses wegen technischer Mängel im Frühjahr dieses Jahres stillgelegt. Die älteren Bewohner mussten sich bis zu einer Reparatur, die auf sich warten ließ, zu Fuß bis in die oberen Etagen schleppen. Doch Aufzüge, die nicht so wollen wie die Bewohner, sind derzeit das kleinste Problem der Mieter an der Bismarckstraße 1.

„Auch die feuchten Wände, die defekten und undichten Fenster, das faule Mauerwerk - das ist nichts im Gegensatz zu dem, was die Mieter in den kommenden Monaten erwarten. Denn jetzt ist die Heizung hinüber”, erklärt Friedt. Sein Nachbar Wilhelm Ramm, der sich in der Vergangenheit als zweiter Hausmeister jahrelang um die Heizung kümmerte, ist überzeugt: „Die Kessel sind undicht.” Marode sei die Anlage schon seit Jahren gewesen. „Sie wurde immer wieder notdürftig geflickt”, sagt der ehemalige Heizungsbauer Ramm.

Schon als der Eigentümer und Vermieter die Immobilie im Jahr 2010 übernahm, habe Ramm ihn darauf hingewiesen, dass mit der Heizung „schnell etwas geschehen muss”. Doch es geschah laut Aussage des Mieterbeirats nichts. „Er hat das Problem ignoriert und weiterhin auf Flickschusterei gesetzt”, wertet Jürgen Friedt. Dass der Eigentümer nun, wo das Problem akut ist, schnell handelt und die Bewohner den Winter doch noch in geheizten Wohnungen verbringen, glaubt er kaum.

„Woher soll er das Geld nehmen, um eine neue Heizungsanlage, die rund 100.000 Euro kosten würde, zu finanzieren?”, fragt der Vorsitzende des Mieterbeirates. Zudem stelle sich in dem Haus noch ein weiteres Problem: „Der Eigentümer hat unsere Nebenkostenvorauszahlungen für die Energieversorger genommen, ohne sie weiterzuleiten. Die Stadtwerke werden uns verständlicherweise nicht mehr mit Gas versorgen - und nach den Schlagzeilen, die es um die Zahlungsmentalität des Eigentümers gab, wird sich wohl auch kein anderer Versorger finden lassen”, mutmaßt Friedt.

Anfang Oktober gestellte telefonische und schriftliche Anfragen beim Vermieter des Großteils der Wohnungen blieben bislang unbeantwortet, weder zu der Heizungsproblematik noch zu den Nebenkostenvorauszahlungen bezog der Vermieter Stellung.

Zwangsverwaltung?

Viele Mieter des Hauses indes erhielten am 21. September einen Brief des Vermieters aus Bochum. „Darin steht, dass die Heizung in einigen Wochen wieder funktionieren wird. Man darf gespannt sein, wie lange wenige Wochen sein wird”, sagt Friedt, der auf einen warmen Winter hofft. Bisher jedenfalls sei nichts geschehen.

Hoffnung für die Mieter gibt es von anderer Stelle. Das Amtsgericht Bochum hat im Rahmen eines Insolvenzeröffnungsverfahrens zur Sicherung der künftigen Insolvenzmasse und zur Aufklärung des Sachverhalts einen vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt. Derzeit laufe ein Verfahren der Bank, die das Objekt für den derzeitigen Eigentümer finanziert hat, um die Immobilie in Düren unter Zwangsverwaltung stellen zu lassen.

„Die Sache liegt derzeit beim Gericht”, erklärt Rechtsanwalt Heiko Hadjian aus dem Büro des vorläufigen Insolvenzverwalters. Der Vermieter besitze nicht die notwendige Liquidität, um die Heizungsanlage reparieren geschweige denn erneuern zu lassen. Sobald ein Zwangsverwalter vom Gericht bestellt worden sei, werde sich hoffentlich auch die Lage in Düren verbessern, ist Hadjian guter Dinge. Eine Entscheidung erwartet der Rechtsanwalt in „naher Zukunft”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert