Bis zum Seepferdchen braucht es viel Geduld

Von: Sandra Kinkel
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Eltern, die für ihre Kinder einen Schwimmkurs in Düren suchen, müssen sich auf lange Wartezeiten einrichten. Foto: Imago/JOKER

Düren. Kinder, die in Düren schwimmen lernen möchten, brauchen vor allem eins: viel Geduld. „Die Wartelisten bei unseren Schwimmkursen sind sehr lang“, sagt beispielsweise Bernhard Kloock, stellvertretender Vorsitzender des DLRG-Bezirkes Kreis Düren. „Wir sprechen von Wartezeiten von rund anderthalb Jahren.“ Und das liegt nicht daran, dass es zu wenig Anbieter solcher Kurse gibt.

Allein bei bei der DLRG in Düren nehmen derzeit mehr als 200 Kinder an Schwimmkursen teil. Beim „Athletik Sportverein Düren 12“ sind es immerhin 120, auch dort dauert es 18 Monate, bis Kinder bei einem Schwimmkurs mitmachen können. Und die DLRG und der „Athletik Sportverein“ sind keine Einzelfälle: Auch bei den anderen Einrichtungen (siehe Themeninfo), die in Düren Schwimmkurse anbieten, gibt es volle Wartelisten.

Mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen. Das ist das erschreckende Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Kloock: „Wir erleben es sehr häufig, dass gerade Eltern von Viertklässlern zu uns kommen und ganz dringend einen Schwimmkurs für ihr Kind brauchen.“

Viele weiterführende Schulen, erklärt Kloock, würden verlangen, dass die Fünftklässler zumindest das Seepferdchen haben, um am Schwimmunterricht der Schule teilnehmen zu dürfen. „Das ist auch sinnvoll, weil im Schwimmunterricht an den Schulen nur ein Lehrer eine ganze Klasse betreut. Aber wir können diesem Wunsch der Eltern im Augenblick einfach nicht nachkommen.“ Hauptgrund für die langen Wartelisten sind zu wenig Wasserzeiten in Schwimmbädern für die Vereine und Institutionen, die Schwimmkurse anbieten. Helga Contzen, Leiterin des katholischen Forums für Familien- und Erwachsenenbildung in Düren sagt: „Die Schwimmkurse sind bei uns immer am schnellsten ausgebucht. Das Problem ist einfach, dass es zu wenig Schwimmbäder gibt.“

Mehr Wasserflächen, mehr Schwimmkurse

Ähnlich sieht das auch Udo Biege vom „Athletik Sportverein Düren 12“: „Wenn wir mehr Wasserflächen zur Verfügung hätten, könnten wir auch mehr Schwimmkurse anbieten.“ Biege nennt aber noch einen anderen Grund, warum Kinder sich heute schwer tun, Schwimmen zu lernen. „Jungen und Mädchen haben heute häufig größere motorische Probleme als früher“, sagt Biege und nennt auch gleich ein konkretes Beispiel: „Wir üben mit den Kindern immer, Purzelbäume zu schlagen, weil sie ja auch im Wasser eine Rollwende lernen sollen. Früher konnten in den Kursen meistens alle Kinder den Purzelbaum. Heute sind es, wenn wir sehr viel Glück haben, zwei Jungen und Mädchen.“

Bernhard Kloock und Udo Biege sind sich einig, dass das Seepferdchen eigentlich nicht ausreicht, damit Kinder wirklich als sichere Schwimmer bezeichnet werden können. Kloock: „Um das Seepferdchen zu machen, müssen die Kinder sich lediglich 25 Meter im Wasser bewegen können. Das reicht nicht, um Eltern ein sorgloses Gefühl zu geben, wenn ihre Kinder im oder am Wasser spielen.“

Um wirklich als „sichere Schwimmer“ zu gelten, so Kloock weiter, sollten die Kinder mindestens das „Jugend-Schwimmabzeichen in Bronze“ machen. Dafür muss man 200 Meter in 15 Minuten schwimmen, zwei Meter tief tauchen, vom Ein-Meter-Brett springen und die Baderegeln kennen.

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