Kreis Düren/Gürzenich - Bis zu 500 Flüchtlinge: Frühere Kaserne wird zur Notunterkunft

Bis zu 500 Flüchtlinge: Frühere Kaserne wird zur Notunterkunft

Von: Jörg Abels
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Gebäude wie dieses gibt es in der ehemaligen Bundeswehr-Kaserne Gürzenich-Wald gleich mehrere, die zum Teil mit geringem Aufwand für die Unterbringung von Flüchtlingen hergerichtet werden können. Foto: Jörg Abels
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Am 21. September bereits soll sich das Tor zur Kaserne Gürzenich-Wald für bis zu 500 Flüchtlinge öffnen. Foto: Jörg Abels

Kreis Düren/Gürzenich. Der Kreis Düren wird das Land NRW bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen unterstützen und im ehemaligen Bundeswehr-Munitionsdepot Gürzenich-Wald bis zum 21. September eine Erstaufnahmeeinrichtung (EaE) mit zunächst einmal 500 Plätzen einrichten.

„Das Munitionsdepot bietet ideale Voraussetzungen“, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn am Donnerstag mit Blick auf die vorhandene Infrastruktur. Dabei denkt er nicht nur an zwei nahezu bezugsfertige Gebäude, die noch kurz vor der Aufgabe des Standortes seitens der Bundeswehr renoviert wurden, sondern auch an große Hallen, die in der Kürze der Zeit für die Bedürfnisse der Flüchtlinge hergerichtet werden können.

Die Entscheidung, im ehemaligen Munitionsdepot eine Notunterkunft einzurichten, hat die Bezirksregierung am Mittwochabend getroffen. Die ehemalige Kaserne war einer der Standorte, die der Krisenstab des Kreises Düren der Kölner Behörde Anfang der Woche gemeldet hatte.

Frühere Überlegungen der Stadt Düren, in Gürzenich-Wald ein Übergangsheim für Flüchtlinge einzurichten, waren aufgrund der Entfernung zur Wohnbebauung noch am Baurecht gescheitert. Derart restriktive Vorgaben gibt es jedoch für eine Erstaufnahmeeinrichtung nicht, erklärte Bürgermeister Paul Larue.

Dass die Aufgabe, die ehemalige Kaserne rechtzeitig herzurichten , ein Kraftakt wird, ist den Verantwortlichen bewusst. Trotzdem sind sie guter Dinge. Teilweise müssen die Gebäude nur noch an die Gas- und Wasserversorgung angeklemmt werden, der Wildwuchs auf dem Gelände muss beseitigt werden, rund 1000 Meter Bauzaun müssen errichtet werden, um die Notunterkunft von den baufälligeren Gebäuden abzutrennen. „Und wir haben uns bereits 200 Betten gesichert, weitere 300 sind bestellt“, teilte Spelthahn mit.

Der Kreis setzt bei der Einrichtung der Notunterkunft auf eine enge Kooperation mit den örtlichen Hilfsorganisationen, die mittelfristig auch als Betreiber fungieren sollen. Zunächst einmal sollen sich Mitarbeiter der Kreisverwaltung darum kümmern, dass die Einrichtung in zehn Tagen bezugsfertig ist. Spelthahn hat die Kollegen der einzelnen Ämter aufgerufen, sich auf freiwilliger Basis zu beteiligen. Er geht davon aus, dass langfristig 30 bis 35 Mitarbeiter benötigt werden, um die 500 Flüchtlinge adäquat zu betreuen, will aber alle möglichen Synergien ausschöpfen. Beispielsweise könnte die Dürener Gesellschaft für Arbeitsförderung (DGA) für die Verpflegung sorgen.

„Das Gesundheitsamt wird in Kooperation mit den Krankenhäusern die medizinische Versorgung sicherstellen“, betonte Spelthahn. Denn in der Notunterkunft müssen die ankommenden Flüchtlinge nicht nur registriert, sondern auch untersucht und geröntgt werden. Erst dann können sie ihren Asylantrag stellen und nach Möglichkeit auf Übergangsheime in anderen Kommunen verteilt werden. Erste Ärzte haben sich auch bereits gemeldet, auf dem Gelände eine Ambulanz anbieten zu wollen, berichtete Kreis-Dezernent Peter Kaptain.

Der Kreis weiß um die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die auch Paul Larue noch einmal lobte, bittet aber erst einmal von Spenden abzusehen. „Wir werden gezielt um Hilfe bitten, wenn wir wissen, was benötigt wird“, bat Spelthahn noch um etwas Geduld.

Das Land habe zugesagt, alle mit der Einrichtung der Notunterkunft verbundenen Kosten zu übernehmen. Nach derzeitigem Stand soll die Erstaufnahmeeinrichtung in der ehemaligen Kaserne mindestens bis zum Frühjahr genutzt werden, angesichts des anhaltenden Flüchtlingsstroms aber ist auch nicht auszuschließen, dass sie noch deutlich länger benötigt wird.

Da die Stadt Düren, die ja bereits vor Wochen eine Notunterkunft mit 150 Plätzen an der Cornetzhofschule eingerichtet hat, nun bereits zum zweiten Mal dem Land bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen unter die Arme greift, können sich Landrat und Bürgermeister auch vorstellen, beide Einrichtungen mittelfristig in der Kaserne zusammenzulegen, um die Betreuung der Flüchtlinge zu optimieren. Eine Entscheidung in dieser Richtung aber sei noch nicht gefallen. Das letzte Wort habe die Bezirksregierung Köln.

Neben dem ehemaligen Munitionsdepot werden noch weitere Gebäude im Kreis für Flüchtlinge genutzt. Wie Landrat Spelthahn mitteilte, wolle die Bezirksregierung Köln ein leerstehendes Altenheim in Drove zur langfristigen Unterbringung von Flüchtlingen anmieten, während die Stadt Dortmund plane, die im Privatbesitz befindliche Burg Disternich anzumieten, um dort unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterzubringen. „Auch das Kinderheim St. Josef, der Sozialdienst katholischer Frauen und Haus Overbach haben bereits angeboten, Kinder und Jugendliche, die ohne Verwandte auf der Flucht sind, unterzubringen, betonte Spelthahn.

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