Biogas: In Obermaubach kochen die Emotionen hoch

Von: Margret Vallot
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Dicht gedrängt saßen und standen die Menschen, als es im Pfarrheim von Obermaubach um eine Biogasanlage ging, die Ortsvorsteher und Landwirt Heinrich Winter auf seinem Privargelände errichten will. Foto: mv

Kreuzau. In das Pfarrheim von Obermaubach ging keine Maus mehr rein, als Siegfried Schmühl die Versammlung eröffnete, bei der es um die neue Biogasanlage des Landwirts und Ortsvorstehers Heinrich Winter ging. Schmühl, Baudezernent von Kreuzau, hatte die Versammlung im Griff, was ein Kunststück war.

Die Atmosphäre war aufgeladen, von Seiten der rund 70 Bürgerinnen und Bürger hagelte es Zwischenrufe, und man sparte sich auch oft ein höhnische Lachen nicht. „Wir haben nichts gegen Biogasanlagen“, betonte ein Obermaubacher nach dem anderen, man wolle sie „nur nicht mitten im Ort“.

Heinrich Winter und seine Familie, die beiden Vertreter des Planungsbüros und Schmühl blieben sachlich. Sie versuchten, den Bürgern die Anlage in ihren Dimensionen zu erklären, was schwierig war. Die Zwischenfragen der Bürger zu Krach, Gestank und erhöhtem Verkehrsaufkommen kündeten von einem riesigen Misstrauen gegen alles, was pro Biogasanlage sprach.

Weitere Prüfung

Schmühl erklärte zunächst, dass über das Bauvorhaben im hinteren Bereich der Straße Heidbüchel die Kreisverwaltung zu entscheiden habe. Die Gemeinde habe aber bereits eine positive Stellungnahme abgegeben. Ihm wurde vorgehalten, dem Bau der Anlage „stehen öffentliche Belange entgegen“. Auf Nachfragen sicherte Schmühl zu, dass er wegen der Enge der Straßen (ohne Bürgersteige) nachträglich noch die Frage der Erschließung genauer prüfen werde.

Gutachten werden verlangt

Eigens aus Bayern herbeigeeilt waren die Vertreter des Planungsbüros „Green Energy Biogasfachberatung“. Vertriebsleiter Franz Xaver Wimmer stellte zunächst die Fragen: „Wer von Ihnen hat kein Auto? Wer hat keinen Kühlschrank?“ Lautes Murren im Saal war die Folge. Dann versuchte er, relativ ungeschickt, die Geschichte der Firma zu referieren. Die ersten Bürger wurden wütend. Schließlich begann er noch, die Energiewende und die Funktionsweise einer Biogasanlage im Generellen darzustellen. Lautstark bestanden jetzt die Menschen auf der Beantwortung ihrer konkreten Fragen nach prognostizierten Lkw-Fahrten, nach Lärm und Gestank in ihrem Ort. Und auch Schmühl forderte den Fachmann auf, endlich konkret zu werden.

Zuvor machte er allerdings noch klar, dass Investor Heinrich Winter vom Kreis aufgefordert wurde, umfangreiche Gutachten zu Lärm und Gestank vorzulegen und selbst zu bezahlen. In diesen Gutachten muss nachgewiesen werden, dass mit Lärm und Geruch enge Grenzen nicht überschritten werden. Wie heutzutage üblich bezweifelten die Bürger die Neutralität der vom Kreis vorgeschlagenen vereidigten Gutachter.

Unterbrochen von vielen Zwischenrufen kamen vom Investor Winter und von Vertriebsleiter Wimmer schließlich folgende Infos rüber: Die geplante Biogasanlage ist angeblich nicht mal halb so groß wie die in Kleinhau. Die Anlage werde von der Straße aus kaum zu sehen und gar nicht zu hören sein. Sie wird allein mit Mais, Gras, Getreide und Pferdedung betrieben. Winter versprach hoch und heilig: „Wir werden keine Gülle in die Anlage füllen.“

Weiter wurde mitgeteilt: Nur acht und nicht 24 Stunden am Tag wir das Gas verarbeitet. Die Leistung der Anlage ist auf 200 Kilowatt pro Tag ausgerichtet. Die Anlage braucht im Jahr 3500 Kubikmeter Silage. Etwa 514 Fahrten pro Jahr werden fällig, in Spitzenzeiten (wenn Mais geerntet wird, Ende September/Anfang Oktober) sind es mit einem 16-Tonnen-Transportfahrzeug (ein Trecker mit Hänger) fünf Fahrten hin und fünf zurück pro Tag.

Es gab Fragen über Fragen („Kann die Anlage explodieren?“), aber auch mehrfach den Hinweis, dass sich die Menschen „nicht mitgenommen, nicht informiert“ gefühlt haben. Einer forderte sogar Winters Rücktritt als Ortsvorsteher. „Jeder“, so versicherte der vielfach attackierte Landwirt, „kann zu mir nach Hause kommen und die Akten mit meinen persönlichen und privaten Notizen einsehen und auch sonst alle Unterlagen, die ich habe.“ Der Mann wird sich auf Besuch einstellen müssen.

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