Bilder des Krieges mahnen zum Frieden

Von: avl
Letzte Aktualisierung:
mokka-bu
Auf großes Interesse stößt die Fotoausstellung „Die wahren Gesichter des Krieges” in der Pfarrkirche St. Hubertus in Schmidt. Foto: van Londen

Schmidt. Das Gedenken an die Schrecken und Gräuel des Zweiten Weltkrieges werden in der Nordeifel traditionell hochgehalten. Aktuell, in den Herbstmonaten, finden vielerorts Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen statt.

Kriegsmuseen haben Hochkonjunktur. Doch über die Art und Weise der allgemeinen Erinnerungskultur zum Zweiten Weltkrieg streiten seit geraumer Zeit die Fachleute.

Gerade in der Umgebung des so genannten „Westwalls” wird die gängige Auseinandersetzung mit dem Thema zunehmend kritisch gesehen. Die Kirchengemeinde St. Hubertus in Schmidt wagt nun den Versuch eines verantwortbaren Umgangs mit den damaligen Geschehnissen, ohne dabei Schlachtenabläufe zu inszenieren oder militärische Aktionen zu heroisieren.

Im Kirchenschiff der Schmidter Pfarrkirche ist aktuell eine Fotoausstellung mit dem Titel „Die wahren Gesichter des Krieges” zu sehen.

Zu den Themen „Hürtgenwald/Ardennen”, „Sterben”, „Vernichtungslager” und „Wofür?” werden bedrückend eindrucksvolle schwarz-weiß Fotografien gezeigt, die als zeitkritische Auseinandersetzung den Fokus auf all das unsägliche Leid und Elend richten, die der Rassenwahn und blinde Gehorsam jener Zeit nach sich zogen.

„Die gebotene Distanz zu den historischen Ereignissen wird sich nur herleiten lassen, wenn verklärende Sichtweisen unterbleiben”, erklärt der Initiator, der Kirchenvorstand der Pfarre St. Hubertus.

Opfer der „Todesfabrik”

Auch mit ihrem Beitritt zum „Dürener Bündnis gegen Rechts”, möchte die Pfarrgemeinde ein Zeichen setzen an einem seinerzeit von den Kriegsstrategien ausgewählten Ort, der wie kaum ein anderer monatelang das Elend des Zweiten Weltkrieges ertragen musste. Im Vordergrund steht für die Initiatoren der Versuch einer Auseinandersetzung aus dem Blickwinkel derjenigen, die Opfer der „Todesfabrik” wurden.

Neben der eindringlichen Fotoausstellung bietet der Kirchenvorstand von „St. Mokka”, wie die Kirchengemeinde volkstümlich genannt wird, ein Novum. Mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Nationalparks Eifel können nun Besucher des in dem Kirchengebäude befindlichen Infopunktes per Knopfdruck auch einen elfminütigen Ausschnitt aus der Kriegsdokumentation „The War” der amerikanischen Filmemacher Ken Burns und Lynn Novick anschauen.

Dabei wurde das Archivmaterial mit den Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen amerikanischer Kriegsteilnehmer verflochten. Gezeigt und beschrieben werden dabei die Kriegsereignisse im Hürtgenwald um die Ortschaft Schmidt, dem Hauptangriffsziel der amerikanischen Streitkräfte auf ihrem Weg zum Rhein.

In verlustreichen und zermürbenden Kämpfen verloren dabei im Winter des Jahres 1944/45 zehntausende amerikanische und deutsche Soldaten ihr Leben.

„Patronenkreuze”

Auf eine weitere Neuigkeit macht der Kirchenvorstand aufmerksam. Im Kirchenvorraum, zwischen anderen Informationsmaterialien und Souvenirs, gibt es nun auch ein Symbol zum Thema Krieg.

Dort warten so genannte „Patronenkreuze” darauf, erworben zu werden, um mit dem Erlös die Bewusstseinsarbeit der Pfarre zu unterstützen. Aus den Patronen als ehemals tödliches Kriegswerkszeug wurde ein urchristliches Symbol geschaffen: das Kreuz.

Ein Symbol, das nach katholischem Glauben wie kein anderes zum Zeichen des Lebens wurde, das stärker ist als der Tod.

Den Krieg mit seinen Gesichtern zu zeigen, ist noch immer ein Tabuthema. Doch - ganz in seinem Selbstverständnis - nimmt sich der Kirchenvorstand von „St. Mokka” dieses Themas an, traut sich etwas. Gerade in einer Gegend, in der noch immer Fragmente des Grauens zum Alltag gehören, möchten die Schmidter Christen Stellung beziehen. Dieses Verständnis speist sich aus ihrer Friedensarbeit, die neben dem anderen Hauptanliegen „Schöpfung bewahren” ganz oben auf der Prioritätenliste steht.

Ob düstere Bunkeranlagen, Reste von Kriegsmaterial oder Skelettteile getöteter Soldaten: Für Schmidt und seine Bewohner sind die inzwischen 65 Jahre zurückliegenden Schrecken noch immer greifbar, sichtbar. Deshalb plant die Pfarrgemeinde weitere Möglichkeiten der kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema. „Da sind wir auf einem guten Weg, wollen aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht mehr verraten”, so Rendant Konrad Schöller für den Kirchenvorstand.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert