Aachen/Düren - Bilanzfälschungsprozess: Das große Aufatmen

Bilanzfälschungsprozess: Das große Aufatmen

Von: bugi
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Es ging um Bilanzfälschung bei der Firma Kufferath. Foto: Giesen

Aachen/Düren. Die Erleichterung war den Angeklagten vor der Wirtschaftskammer des Aachener Landgerichtes am Dienstag anzusehen. Nach dem Urteil um die gefälschten Bilanzen bei der Siebweberei Andreas Kufferath, die nach dem Tod des Firmenchefs Franz Ferdinand Kufferath Insolvenz anmelden musste, drückte der ehemalige Geschäftsführer seinem Verteidiger spontan die Hand und bedankte sich.

Er, der frühere Prokurist und der damalige Leiter der Buchhaltung waren – wie am Donnerstag berichtet – mit vergleichsweise milden Strafen mit einem blauen Auge davongekommen. Und das bei dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, mit den gefälschten Bilanzen immerhin Kredite in Höhe von über 30 Millionen Euro erschlichen zu haben.

Um zu verstehen, warum Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger sich am ersten Hauptverhandlungstag auf ein Urteil verständigten, muss man die Vorgeschichte dieses Strafverfahrens in Erinnerung rufen. Nach der Insolvenz der Siebweberei Andreas Kufferath – die in keiner Verbindung zum Unternehmen GKD Gebrüder Kufferath stand – war es der Insolvenzverwalter, der 2008 den Millionenbetrug aufgedeckt hatte.

Unter tatkräftiger Mitarbeit von mindestens einem der Angeklagten, wie am Dienstag einer der Verteidiger betonte. Was dann folgte, ist in Wirtschaftsstrafverfahren nicht ganz ungewöhnlich: Alleine das Ermittlungsverfahren dauerte fünf Jahre. 22.000 Seiten Papier haben sich in den Akten angesammelt, Gutachten, Zeugenaussagen.

Erst 2013 erhob die Staatsanwaltschaft ihre Anklage. Dann dauerte es wieder drei Jahre, bis es zum Verhandlungstermin kam. Die Folge: Mehrere Anklagevorwürfe waren bereits verjährt. Dass alle Seiten großes Interesse an einem schnellen Abschluss des Verfahrens hatten, ist nur auf den ersten Blick ungewöhnlich.

„Erheblicher Überhang“

Richter Dr. Matthias Quarch hat die Wirtschaftskammer Anfang des Jahres übernommen – mit „einem erheblichen Überhang an Verfahren aus den Vorjahren“. Quarch: „Mir ist es bisher nicht gelungen, den Berg an Wirtschaftsstrafsachen abzubauen.“ Weil angesichts der Überlastung der Wirtschaftskammer allenfalls ein dreiwöchiger Verhandlungsrhythmus denkbar war, deutete sich das nächste Problem für das Gericht an: Am 23. Juni 2019 wären die Vorwürfe verjährt gewesen, bis dahin hätte ein Urteil gesprochen sein müssen. Das wäre zeitlich knapp geworden, weil allein schon die Staatsanwaltschaft 55 Zeugen benannt hatte und einer der Verteidiger umgehend darauf hinwies, dass weitere Zeugen noch benannt werden müssten.

Hinzu kam, dass selbst die Staatsanwaltschaft davon ausgegangen ist, dass es sich bei den Angeklagten nicht um Haupttäter gehandelt habe, sie auf Anweisung gehandelt hätten und Bewährungsstrafen wahrscheinlich wären. Dennoch sah Staatsanwältin Beatrix Norf zunächst keine Möglichkeit, ein schnelles Ende des Prozesses herbeizuführen.

Die Täter seien nicht geständig, argumentierte sie, nachdem sie penibel aufgelistet hatte, wie die Bilanzen gefälscht worden waren. Gleichzeitig wollte sie das Argument, es handele sich nur um Mittäter, die dem gottähnlichen Patriarchen nicht widersprechen wollten, nicht gelten lassen: „Bei der Größenordnung, um die es hier geht, muss man irgendwann die Reißleine ziehen“ und hätte sich eben nicht weiter an den Manipulationen beteiligen dürfen, um immer wieder neue Kredite zum Überleben der hoffnungslos verschuldeten Firma an Land zu ziehen.

Beatrix Norf: „Hier geht es nicht um kleine Summen. Angesichts der Höhe der Kredite ist die Grenze dessen, was man tun darf, um den Arbeitsplatz zu erhalten, überschritten.“ Der Sinneswandel kam erst nach einer Beratungspause – wohl auch, weil mit dem Urteil ein Schuldeingeständnis der Angeklagten verbunden war.

Ähnlich gelöst wie die Angeklagten war nach dem Urteil auch Richter Matthias Quarch. „Wir werden uns ja vermutlich nicht wiedersehen. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten“, verabschiedete er sich aus dem Sitzungssaal des Landgerichts, in dem er dafür gesorgt hat, dass sein Verfahrensberg ein großes Stück kleiner geworden ist.

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