Vossenack/Simonskall - Bikepark: Berechtigte Fragen oder „Torpedierung“?

Bikepark: Berechtigte Fragen oder „Torpedierung“?

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:

Vossenack/Simonskall. „Wie kann es sein, dass durch das Handeln einer Privatperson ein von allen mitgetragenes und öffentlich gefördertes Projekt von überregionaler Bedeutung torpediert wird?“ Diese Frage wirft der Vorstand des Vereins „Nordeifel Gravity“ aus Nideggen mit Blick auf den geplanten Bikepark zwischen Vossenack und Simonskall auf.

Die Kritik der Naturschützer im Landschaftsbeirat (wir berichteten) und die persönliche Eingabe eines BUND-Vertreters im Beirat an das NRW-Bauministerium können Marc Boltersdorf und Marco Schröder nicht nachvollziehen. Die Radsportler, die sich um den Betrieb des Parks beworben haben, befürchten, dass die Zeit davonläuft und das Projekt scheitern könnte. Bis Ende Dezember müssen aufgrund artenschutzrechtlicher Auflagen alle Bauarbeiten an den fünf Strecken abgeschlossen sein. Bis August 2015 muss das Projekt komplett abgerechnet sein, um die Fördermittel nicht zu verlieren.

„Es stimmt uns traurig, dass eine Einzelperson durch unnötige Klagen und die Inkaufnahme der Verschwendung von Steuergeldern versucht, das Projekt zu kippen. Im Sinne des BUND oder NABU wird das Verhalten schon lange nicht mehr sein“, mutmaßt Vorstandsmitglied Marc Boltersdorf. Die Beseitigung illegaler Nutzungen und die Bündelung des Radsports müssten doch im Sinne der Naturschützer sein.

Der Verein hat sich vor drei Jahren gegründet. Dem Fahren auf illegalen Strecken soll ein Ende bereitet werden, indem an der Errichtung legaler Strecken gearbeitet wird, erklären die Vorstandsmitglieder. „Im Jahr 2012 trafen sich erstmalig Mitglieder der Vereine aus dem Radsportbezirk Aachen am ‚Runden Tisch MTB‘. Es wurde thematisiert, dass die steigende Zahl der Sportler im Bereich Mountainbike/Downhill/Freeride schon bald zu Konflikten mit der Natur und anderen Waldnutzern führen könnte“, berichtet Boltersdorf. Der Bau eines Bikeparks sei von den Radsportlern unterstützt worden.

Die Ausweisung des Nationalparks habe schließlich „den Mountainbike-Sport aus einem großen Gebiet verdrängt“ und es sei Meinung „aller Akteure“ gewesen, dass im Umfeld neue Angebote geschaffen werden müssen. „Das Beispiel des Bikeparks am Dreiländerpunkt in Aachen hat bewiesen, dass das illegale Befahren und Bauen von Strecken im Aachener Wald immens abgenommen hat. Es ist eine Lenkung erfolgt“, nennt Boltersdorf ein Beispiel.

In einem Brief fordern die Radsportler den Landrat auf, sich für das Projekt einzusetzen. „Wir erwarten von Landrat Wolfgang Spelthahn, dass er den von allen Beteiligten (bis auf einen) gefundenen Kompromiss mitträgt und damit eines der wichtigsten Projekte der letzten Jahre für uns junge Menschen umsetzt“, meldet sich auch der Radsportbezirk Aachen zu Wort.

Die Kritik an den Naturschutzverbänden weist Walter Jordans, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe, zurück. „Wir sind nicht gegen Mountainbiker. Aber wir sind gegen die Art und Weise, wie dieses Projekt durchgepeitscht wird“, stellt er auf Anfrage der DZ klar. Von Anfang an hätten alle Entscheidungen „unter Zeitdruck gestanden“. Es gebe auch „durchaus berechtigte Fragen“ zum Planungsverfahren, die nun in Düsseldorf vom Bauministerium geklärt werden müssen.

Ob eine illegale Nutzung des Waldes mit dem Bau eines Bikeparks reduziert oder gar verhindert werden könne, sei ebenfalls nicht bewiesen. Walter Jordans kritisiert, dass „im Vorfeld“ nichts von den Behörden unternommen worden sei, um gegen illegalen Pisten im Wald vorzugehen. Diese Einschätzung teilt auch Gertraud Eberius, Vorsitzende des NABU-Kreisverbands.

„Jedes Mitglied, das im Namen des BUND im Beirat sitzt, hat gewisse Handlungsfreiheiten, sonst können keine Entscheidungen getroffen werden“, stellte Jordans klar. „Ich finde nicht alle Details gut, die Rückendeckung des BUND ist aber gegeben“, betonte er.

Bernd Weikopf, der ebenfalls als BUND-Vertreter dem Landschaftsbeirat angehört, befürchtet, dass der Naturschutz „noch stärker buchstäblich unter die Räder kommt“. Ein Bikepark im Landschaftsschutzgebiet provoziere gerade einen Konflikt zwischen Naturschutz und sportlicher Nutzung. Er glaube nicht an eine „Bündelung“, vielmehr werde bereits während der Planung eingeräumt, „dass sich nicht alle Radfahrer an die neue Ordnung halten“.

Sei eine Art Lenkung bisher schon beim „heimischen Klientel“ nicht gelungen, werde dies angesichts einer nationalen oder gar internationalen Bekanntheit des Parks noch unwahrscheinlicher. „Wem der Naturschutz wirklich am Herzen liegt, verhindert Illegalität mit den zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln und macht Nutzern dort ein Angebot, wo dies naturverträglich möglich ist. Beides ist leider nicht geschehen“, bedauert Bernd Weikopf.

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