Bezahlautomaten im Einzelhandel: Der Tresen als Einbahnstraße

Von: Anne Welkener und Carsten Rose
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Scheine, Münzen oder EC-Karten – der Automat schluckt alles und die Metzgereimitarbeiterin vermeidet den Kontakt mit dem Bargeld, was für eine bessere Hygiene hinter der Theke sorgen soll. Foto: Welkener/Rose
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Nur plaudern, nicht bezahlen: Das Geld in der Bäckerei Stolz wandert in einen Automaten. Foto: Welkener/Rose

Düren/Hoven. Anfreunden kann sich Paul Marx, 63, mit „dem Ding“ noch immer nicht. Das Gerät sei ihm „zu unpersönlich“, sagt er, wenn man ihn nach seiner Meinung zum Bezahlautomaten in seiner Stammbäckerei Stolz in Hoven fragt.

Er reicht das Geld nicht mehr Mitarbeiterinnen wie Stefanie Köhler, sondern wirft es vor der Kasse in einen Automaten Der Tresen ist jetzt quasi eine Einbahnstraße, über den nur noch Ware gereicht wird. Seit zweieinhalb Jahren.

Ginge es nach Inhaberin Heike Stolz, hätte das Gerät schon vor 20 Jahren gestanden. „Es gibt keine Wechselgeldfehler mehr, die Kasse stimmt immer und so werden auch die Mitarbeiter entlastet, die ja kein Geld mehr am Ende des Tages zählen müssen“, sagt sie. „Der wichtigste Grund war aber die Hygiene. Wir wollen keine Handschuhe und vermeiden mit dem Gerät den direkten Kundenkontakt.“

Paul Marx hält nicht viel von dem Hygiene-Argument. Die Bakterien würden ja nicht nur am Geld kleben, sondern auch an anderen verpackten Waren, die in der Bäckerei verkauft werden. „Außerdem lebe ich ja immer noch – und damals war es bestimmt nicht hygienischer als heute“, sagt er.

Inhaberin Heike Stolz weiß, dass es für die Kunden logischweise eine Umstellung gewesen sei. Aber da der Automat nur 20 Zentimeter von der Theke entfernt sei und der Blick immer noch gen Bedienung geht, würde der Service ja nicht schlechter – das hätte Kunden wie Marx auch noch gefehlt.

Wie teuer die Investition war, möchte Stolz nicht sagen, sondern eher, dass sich das Gerät „jeden Tag armotisiere“, da es nur geleast werde. Denn: „Ich denke, dass der Automat in fünf Jahren nicht mehr standesgemäß ist.“

Hände desinfizieren

Seit Jahresbeginn steht auch in der Filiale der Metzgerei Weyermann an der Wirtelstraße ein Bezahlautomat neben dem Eingang, zu dem die Kunden mitunter ein paar Meter gehen müssen. Dahinter stecke nicht, wie einige Kunden mutmaßten, der Wille, Personal einzusparen. Das betont Filialleiter Wilhelm Beyer. Es geht um: Hygiene.

Beyers Mitarbeiter müssen sich nach jedem Bargeldkontakt die Hände desinfizieren. Das müsse oft schnell gehen und werde deshalb von den Kunden manchmal übersehen, weshalb sich einige schon beschwert hatten. „Wir haben ein paar böse Briefe bekommen“, sagt Beyer. Wo die Mitarbeiter hinter dem Tresen sowohl Geld- als auch Warenkontakt haben, seien die Kunden in puncto Hygiene sehr sensibilisiert, meint Wilhelm Beyer. Daher rechnet er damit, dass künftig immer mehr Bezahlautomaten eingesetzt werden.

Da zum Jahreswechsel ein neues Kassensystem nötig wurde, investierte der Familienbetrieb zumindest in der größten Filiale in ein solches Gerät. Die ersten Reaktionen der Kunden waren gespalten: Von großer Skepsis bis Offenheit sei alles dabei gewesen, sagt Beyer.

Dass die Stammkundschaft älteren Semesters sich schnell an das Gerät gewöhnte, überraschte ihn nicht. „Die älteren Kunden haben das Ding sportlich angenommen“, erinnert er sich schmunzelnd. Schwieriger sei es mit dem „Mittelalter“ gewesen, das eine andere Art von Service erwarte. „Dabei hat sich gar nicht viel verändert. Der Kundenkontakt ist gleich geblieben“, findet Beyer.

Eine anfängliche Skepsis kann der Filialleiter gut nachvollziehen. Die hatte sich aber innerhalb eines Monats verzogen. Beyers Prognose: „Wenn wir ein paar Jahre weiter sind, ist das Normalität.“ Für die Filialen in Gürzenich und Kreuzau denkt man auch über Bezahlautomaten nach.

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