Bewährungsstrafe: Beamter veruntreut Schulgelder

Von: hp
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Düren. Seine persönliche Situation hat einen inzwischen 40-jährigen Beamten auf Abwege geführt. Rund zweieinhalb Jahre lang hat er sich vom Konto der Louis-Braille-Schule in Düren bedient, an der er in der Verwaltung arbeitete und unter anderem für Finanzen zuständig war.

Aus diesem Grunde hatte er für seine Dienstgeschäfte auch Kontovollmacht. Diese nutzte er aus, so dass er zwischen Februar 2008 und September 2010 ziemlich häufig Geldbeträge für eigene Bedürfnisse abzweigte.

Die Aufarbeitung des Falles vor dem Dürener Schöffengericht war eine Rechnung mit zahlreichen Unbekannten. Denn ursprünglich warf die Staatsanwaltschaft dem Mann laut Anklage 133 Fälle von schwerer Untreue und einen Schaden von 101.832,61 Euro vor.

Die Rechnungsprüfer seines Arbeitgebers, des Landschaftsverbands Rheinland, hatten aufgelistet, welche Kontoauszahlungen nicht oder nur teilweise plausibel waren, weil etwa Belege, Rechnungen oder Vermerke fehlten.

Aufgefallen war die Selbstbedienung im November 2010, weil damals das Essensgeld für den Monat September nicht ordnungsgemäß abgerechnet worden war. Weitere Ungereimtheiten führten dazu, das Prüfungsteam zu vergrößern. Erschwert wurden die Recherchen offenbar, weil der Angeklagte – vom schlechten Gewissen getrieben – teilweise Geld aufs Konto zurückgezahlt hatte, obwohl sein Tun zu dieser Zeit noch gar nicht entdeckt worden war.

Um das Zahlengeflecht zu entzerren und dennoch zu einem Urteil zu kommen, beantragte der Staatsanwalt, die Fälle, in denen die veruntreuten Beträge unter 700 Euro lagen, nach § 154 der Strafprozessordnung einzustellen. Dennoch blieben zur juristischen Bewertung 48 Einzeltaten von Untreue in besonders schwerem Fall und Schaden von über 57.000 Euro.

Im Laufe der Verhandlung sprach der Angeklagte auch die Gründe an, die zu seinem Fehlverhalten führten. 1996 sei er schwer traumatisiert als Soldat von einem Auslandseinsatz in Kroatien zurückgekehrt, und in dieser Situation in die Alkoholabhängigkeit geraten. In der Folget habe er zwei Entgiftungen und mehrere Therapien gemacht. Erschwert wurde die persönliche Situation durch beachtliche Kreditschulden für Möbel und Autokauf. Auch heute habe er nach eigenem Bekunden noch über 50.000 Euro Schulden.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Anne Utzelmann verurteilte den 40-Jährigen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und folgte damit dem Plädoyer des Staatsanwalts. Berücksichtigt wurde dabei, dass der Angeklagte geständig war, und er an der Aufklärung mitwirkte. Zudem war er bislang strafrechtlich ein unbeschriebenes Blatt und will für den Schaden geradestehen. Die Verteidigerin hatte auf eine einjährige Bewährungsstrafe plädiert.

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