Düren - Betrugsprozess: Angeklagter sieht sich als Opfer, nicht als Täter

Betrugsprozess: Angeklagter sieht sich als Opfer, nicht als Täter

Von: hp
Letzte Aktualisierung:
Symbol Justiz JUGEND JUGENDGERICHT JUGENDLICHE Prozess Gericht stpo Foto: Christian Charisius/dpa
Der 55-Jährige aus Hattingen ist des gewerbsmäßigen Betrugs in 21 Fällen angeklagt. Symbolfoto: Christian Charisius/dpa

Düren. Noch gibt es viele dicke Fragezeichen in einem Betrugsprozess vor dem Dürener Schöffengericht. Die Taten reichen zurück in die Jahre 2009 bis 2011 und die Schadenssumme summiert sich überschlägig auf über 100.000 Euro. Nach so langer Zeit zeigen sich zwangsläufig auch Erinnerungslücken.

Angeklagt ist ein 55-Jähriger aus Hattingen, der damals – zumindest im Jahr 2009 – im Dürener Nordkreis wohnte. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm gewerbsmäßigen Betrug in 21 Fällen vor. Nach den bisherigen Ermittlungen ist das Hauptopfer eine Frau aus dem Kreis Düren, deren damaliger Lebensgefährte im Frühjahr plötzlich verstorben war. Offenbar hatte der Angeklagte sich damals um die vermögende Frau gekümmert, die nach dem Tod ihres Lebensgefährten Trost suchte.

Die guten Ratschläge

Allerdings sollen die „guten Ratschläge“ stets mit höheren, völlig überteuerten Geldausgaben verbunden gewesen sein. So sei die Renovierung der Eigentumswohnung der Frau mit Markise, Haustür und zwei Heizkörpern rund 10.000 Euro zu Buche geschlagen. Aus einer angeblichen Hypothek sollen rund 6000 Euro „sofort zahlbar“ und bei einem Leasing-Vertrag für den Pkw 2000 Euro fällig gewesen sein. Für ein neues Gebrauchtfahrzeug habe der Angeklagte 5300 Euro erhalten, obwohl das Fahrzeug rund 2000 Euro preiswerter gewesen soll.

Ähnliches gilt auch für den Einkauf von Holz für die Terrasse der Frau. Neben weiteren kleineren Beträgen fallen laut Anklage zwei größere „Investitionen“ auf: So der Anteil der Frau an einem Motorschiff (15.000 Euro) sowie die Beteiligung an einer deutschen Vertriebsfirma für aus der Türkei stammende Herrenhemden und andere Textilien (28.000 Euro).

Gemeinsame Sache

Der Angeklagte sieht sich indes eher selbst als Opfer. Die in der Anklage als Opfer bezeichnete Frau habe vielmehr mit seiner damaligen Lebensgefährtin sowie deren Bruder gemeinsame Sache gemacht. Die Drei hätten ihn vermutlich mit in Kaffee ausgelösten Medikamenten außer Gefecht gesetzt, so dass er erst nach Tagen wieder zu sich gekommen sei. Zwischenzeitlich habe man seinen Hausrat teilweise ausgeräumt. Während der Hauptverhandlung reagiert der Angeklagte immer wieder emotional, wenn der Name des Opfers fällt.

Das Gericht hat bereits erste Zeugen gehört. Beim Fortsetzungstermin am Donnerstag, 2. Juni, ab 11.30 Uhr sollen weitere zehn Zeugen geladen und ein Sachverständiger gehört werden. Nach dem bisherigen Verlauf wäre ein dritter Verhandlungstag keine Überraschung.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert