Betrug in 94 Fällen: Waren auf der Arbeit gestohlen

Von: hp
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Langerwehe/Inden. Ein typischer Betrüger, sagte Vorsitzender Richter und Staatsanwalt gleichermaßen, sieht anders aus, als der 42-Jährige aus der Gemeinde Inden, der sich jetzt vor dem Dürener Schöffengericht zu verantworten hatte.

Da er permanent in Geldnot war, hatte der Familienvater zehn Monate lang, von April 2010 bis Januar 2011, in dem Geschäft für Telekommunikationszubehör in der Gemeinde Langerwehe, in dem er beschäftigt war, immer wieder „lange Finger” gemacht. Wenn er könnte, würde er das Geschehene rückgängig machen, erklärt der Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, 136-mal seinen Arbeitgeber bestohlen und die meist originalverpackten Waren im Internet versteigert zu haben.

Dabei handelte es sich hauptsächlich um Handys, aber auch um Telefonanlagen, Computerspiele und PC-Zubehör. In der langen Liste mit den zu Geld gemachten Gegenständen tauchten aber auch ein Plattenspieler und ein Fitnessgerät aus dem Besitz des Mannes auf. Nach kritischer Durchsicht und dem Aussortieren geringwertiger Teile blieben immerhin noch 94 Fälle übrig, die das Gericht unter Vorsitz von Richter Dr. Stephan Ebeling als gewerbsmäßigen Diebstahl und Betrug bewertete. Der entstandene Schaden liegt bei etwa 15.000 Euro, obwohl der Verkaufserlös im Internet nur etwas mehr als 8000 Euro einbrachte.

Aufgefallen waren die Machenschaften übrigens, als einer der Käufer einem Bekannten, der bei der Kriminalpolizei arbeitet, einen Tipp gab. Davon, dass Reue und Einsicht nicht nur gespielt waren, überzeugte das Gericht vor allem das umfassende Geständnis des Angeklagten, ohne das dem Vernehmen nach eine Aufklärung gar nicht möglich gewesen wäre.

Bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, dass es in dem Geschäft offenbar keinerlei Kontrollen oder etwa eine jährliche Inventur gab. Eine der Ursache für die finanzielle Schieflage sei neben familiären Gründen auch die Tatsache gewesen, dass der Angeklagte zwar eine Gehaltsabrechung erhielt, aber so gut wie nie eine Geldüberweisung aufs Konto.

Vielmehr sei mit dem Chef vereinbart worden, dass der Mitarbeiter sich jeweils - soweit vorhanden - Teilbeträge aus der Kasse nehmen sollte, bis das Gehalt zusammen war. Der Betrag war aber meistens erst am 18. oder 20. des Monats komplett. Die Rechnungen seien indes bereits am Ersten fällig gewesen. Da sei ihm die Idee mit dem Warendiebstahl gekommen. Als es drunter und drüber ging, habe er die Tragweite seines Handelns nicht mehr übersehen.

Inzwischen hat der 42-Jährige die Stelle gewechselt. Das Schöffengericht verurteilte den Vater zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Urteil ist rechtskräftig.
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