Betriebspraktikum trotz Handicap

Von: Stephan Johnen
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Lars Klug aus Vossenack hat drei Wochen lang ein Praktikum im Unternehmen von Michael Pelzer (links) in Kreuzau absolviert. Programmierer Christian Ehms (2.v.r.) hat dem Schüler viel beigebracht, Jörg Kerschgens vom Verein Wellenbrecher vermittelte die Stelle. Foto: Stephan Johnen

Kreuzau/Vossenack. Der Chef ist zufrieden mit seinem Praktikanten. „Ich glaube, Lars hat in den vergangenen drei Wochen viel bei uns gelernt“, sagt Michael Pelzer, Geschäftsführer des gleichnamigen Netzwerk- und Eventausrüsters in Kreuzau. „Und wir haben als Team viel von Lars gelernt“, fügt der 47-Jährige hinzu.

Drei Wochen lang war Lars Klug aus Vossenack zu Gast in dem mittelständischen Unternehmen. Doch für den Praktikanten mussten einige Arbeitsprozesse umgestellt und angepasst werden: Der 15-Jährige sitzt in einem Elektro-Rollstuhl und hat eine Körperbehinderung der Arme und Beine. „Ich habe zu Beginn die Intensität der Betreuung unterschätzt“, sagt Pelzer. Doch nach einigen Tagen habe sich der neue Praktikant sehr gut ins Team eingefügt, Berührungsängste wurden auf beiden Seiten abgebaut.

Ein Wunsch geht in Erfüllung

Für Lars ging mit dem Betriebspraktikum ein Wunsch in Erfüllung. „Ich habe mich schon immer für Computer interessiert“, berichtet der Schüler. Er lernte die ersten Vokabeln der Programmiersprache, gestaltete versuchsweise Homepages und setzte sich mit Bildbearbeitungsprogrammen auseinander. Das Team von Michael Pelzer nahm ihn auch mit zu Außenterminen und Veranstaltungen. „In der Schule machen wir nur Powerpoint, das hier war sehr spannend“, sagt Lars. Besonders stolz ist er auf eine Fan-Seite zu den Kölner Haien, die er gebaut hat. Die Haie sind schließlich seine Lieblingsmannschaft.

Jörg Kerschgens vom Verein Wellenbrecher hat das Praktikum vermittelt. Kerschgens, der selbst Vater eines Kinds mit Handicap ist, arbeitet im ambulanten Dienst, der Verein stellt die sogenannte Assistenz für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung, also Helfer, die den Tagesablauf unterstützend begleiten. „Es war ein Experiment“, sagt Kerschgens. „Der erste Arbeitsmarkt bleibt vielen Menschen mit Behinderung nach wie vor verschlossen.“ Umso wichtiger sei es, solche Berufspraktika zu ermöglichen, bedankt er sich bei Michael Pelzer. „Es gibt oft Vorbehalte. Viele vermeintliche Probleme lassen sich aber im Vorfeld lösen, weil es auch viele Unterstützungsmöglichkeiten gibt“, erklärt Kerschgens. Von notwendigen Hilfsmitteln bis hin zu einer Kostenbeteiligung sei vieles im Rahmen der beruflichen Integration möglich.

Michal Pelzer hat Lars Klug seinen Programmierer Christian Ehms zur Seite gestellt. „Lars hat eine gute Auffassungsgabe und setzt Dinge schnell um“, lobt Ehms die Arbeit des Schülers. Auch Michael Pelzer räumt ein, dass er Lars zunächst etwas unterschätzt habe: „Nach einer Anleitung konnte er immer alles direkt umsetzen, manchmal sogar schneller als die Auszubildenden.“ Der Computer sei zudem ein ideales Werkzeug. „Jeder Mensch kann weltweit einen PC benutzen, ohne damit zwingend in einem Büro sitzen zu müssen“, nennt der die Vorzüge des sogenannten Home-Office.

„Wir haben uns auf ein Wagnis eingelassen. Aber es hat sich gelohnt, für beide Seiten“, ist Michael Pelzer überzeugt. Aufgrund der sehr intensiven Betreuung räumt er aber ein, dass ein solches Praktikum nur „einmal pro Jahr“ möglich ist.

Für Jörg Kerschgens ist diese Aussage dennoch eine gute Nachricht. Es zeigt ihm, dass vieles möglich ist, was zunächst eher distanziert betrachtet wird. Auch die Eltern von Kindern mit Handicap sieht er mit in der Verantwortung. „Wir möchten unsere Kinder manchmal in Watte packen“, sagt er. Doch so manches kleine Experiment sei auch ein Schritt zu mehr Selbstständigkeit.

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