Besucher stoßen in der Bibliothek auf offene Ohren

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Mara Simon-Jörg, Ingrid Henne
Mara Simon-Jörg, Ingrid Hennes und Doris Sommer (von links) stehen ab dem 24. Oktober immer mittwochs in der Bibliothek des Papiermuseums im Wechsel als Gesprächspartnerinnen zur Verfügung. Foto: Johnen

Düren. Wir leben in einem wunderlichen Zeitalter. Statistisch betrachtet besitzt jeder Mensch gefühlte 2,47 Mobiltelefone, und wir schicken uns täglich Dutzende Kurzmitteilungen zum Nulltarif, ohne wirklich miteinander zu reden.

Gerade im Zeitalter der Massenkommunikation verstummen immer mehr Menschen, nehmen gesellschaftliche Isolation und Einsamkeit zu. Es ist kaum verwunderlich, dass Ingrid Hennes, Mara Simon-Jörg und Doris Sommer überzeugt sind, mit ihrer Idee den Nerv der Zeit getroffen zu haben. Immer mittwochs laden sie ab dem 24. Oktober zu einem ganz besonderen Angebot ins Dürener Papiermuseum ein: Sie wollen zuhören, bieten eine Gesprächsmöglichkeit an.

Ist das alles, was hinter dem Motto „Ein Gespräch tut gut” steckt? Ja, das ist alles: Drei Frauen nehmen sich regelmäßig Zeit, um anderen Menschen, die sie nicht einmal kennen, Zeit zu schenken und ihnen aufmerksam zuzuhören. Sie nehmen sich die Zeit, den Menschen, die etwas erzählen möchten, ein Gespräch anzubieten. Sie möchten Freude teilen, Kummer mindern und vielleicht sogar ab und zu einmal einen Rat geben oder neue Gedanken anstoßen, ohne über das Gesagte zu urteilen. Und das ist doch schon eine ganze Menge, finden die drei beim Kreis Düren ausgebildeten, ehrenamtlichen „Senior-Trainerinnen”, die das Projekt entwickelt haben.

„Wir leben in einer Welt, die zunehmend kalt und nüchtern wird und in der das Gefühl der Verein-samung um sich greift”, bedauert Doris Sommer. Was spricht also dagegen, mit anderen Menschen das Gespräch zu suchen und einen Kontrapunkt zu setzen? Es gebe bereits Neugierde, es herrsche Wohlwollen angesichts der Idee und es gebe Bedarf, sagt Mara Simon-Jörg. „Klar, auch wir wagen einen Sprung ins kalte Wasser. Wir werden schauen, ob schon beim ersten Mal jemand hier reinguckt”, fügt sie hinzu. „Ich glaube allerdings nicht, dass wir hier alleine sitzen”, ist Ingrid Hennes überzeugt.

Das Angebot sei „komplett offen”. Die Gesprächspartnerinnen können sich - etwas zugespitzt formuliert - genauso gut vorstellen, mit einem Jugendlichen über dessen Sorgen zu sprechen wie mit einer Großmutter über deren Kindheitserinnerungen. Thema eines Gesprächs könne ein Diskurs über moderne Kunst ebenso sein wie ein besonders schönes Erlebnis. „Manchmal tut es Menschen einfach gut, über Dinge, die ihnen auf der Seele lasten, mit anderen Menschen zu reden”, sagt Mara Simon-Jörg. „Wir wollen und können allerdings keine therapeutischen Gespräche anbieten”, stellt Ingrid Hennes klar. „Wir wissen aber, wo Menschen Hilfe erhalten.”

Ein besonderer Dank gelte dem Museum, das die Bibliothek zur Verfügung stellt: einen zentralen Ort, der trotzdem Geborgenheit und eine freundliche Atmosphäre biete. „Wir tun das nicht aus rein altruistischen Gründen. Wir hören auch selber gerne zu”, sagt Ingrid Hennes noch. Ernsthaftes Zuhören sei schließlich kein passiver Akt. Dafür brauche es neben offenen Ohren auch ein offenes Herz.

Start am 24. Oktober von 14 bis 16 Uhr

Das Angebot „Ein Gespräch tut gut” startet am Mittwoch, 24. Oktober. Immer mittwochs stehen im Wechsel Ingrid Hennes, Mara Simon-Jörg und Doris Sommer von 14 bis 16 Uhr in der Bibliothek des Papiermuseums Düren, Wallstraße 2 - 8, als Gesprächspartnerinnen zur Verfügung.

Das Gesprächsangebot ist kostenfrei, vertraulich und bedarf keiner Anmeldung. Teilnehmen kann jeder, der ein Gespräch in freundlicher Atmosphäre schätzt.
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