Düren - Bester Industrie-Elektriker kommt aus Düren

Bester Industrie-Elektriker kommt aus Düren

Von: Carsten Rose
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Mann vom Fach: Benjamin Rubruck wurde bei der low-tec zum Industrie-Elektriker im Bereich Betriebstechnik ausgebildet. Foto: C. Rose

Düren. Wenn Benjamin Rubruck sich bewerben will, dann bräuchte er quasi nur ein Zeugnis in die Mappe legen. Eins, auf dem steht, dass er der beste Industrie-Elektriker für Betriebstechnik ist, der 2016 seine Ausbildung abgeschlossen hat. In ganz Deutschland. Noch hat sich Rubruck aber nirgends beworben, ihm macht ein ärztliches Gutachten Sorgen.

Seine zweijährige Ausbildung hat der 26-Jährige aus Girbelsrath bei der low-tec, der gemeinnützigen Arbeitsmarktgesellschaft in Düren, mit 97 von 100 Punkten abgeschlossen. In Berlin wurde der 26-Jährige jetzt vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ausgezeichnet.

Eine Ausnahme

Dass ein „Bundesbester“, wie es auf dem Zeugnis des DIHK steht, bei der low-tec ausgebildet wurde, ist nicht alltäglich – es ist die Ausnahme schlechthin. Das weiß Rubruck, und das weiß auch sein Ausbilder Helmut Schmitz. Der Meister lobt seinen ehemaligen Schüler für seine schnelle Auffassungsgabe und gute Fehleranalyse. Einen Lehrling wie Rubruck habe er noch nie gehabt, weil die Klientel der low-tec in der Regel aus Langzeitarbeitslosen oder Schwervermittelbaren besteht.

Ein „normaler“ Azubi war auch Rubruck nicht, das sieht man direkt, und es steht in einem Gutachten der Bundesagentur für Arbeit. Rubruck hat seit der Geburt eine Gefäßmissbildung der Halsweichteile in der linken Gesichtshälfte, ein sogenanntes Hämangiom. Er erklärt es vereinfacht so: „Jeder Mensch hat zwei Hauptschlagadern am Hals, eine links, eine rechts. Ich habe quasi Hunderte, die sich vom Ohrläppchen bis in die Lungenlappen ziehen.“ Sichtbar wird die Krankheit durch eine geschwollene Wange und die sogenannten Erdbeerflecken im unteren Halsbereich. Medikamente, sagt Rubruck, hätten ihm nicht geholfen. Das Gutachten stellt bei Rubruck zudem Übergewicht fest.

Das Problem, dass sich daraus ergibt: Er darf nicht jede Arbeit verrichten, sich nicht stark verrenken, ständig bücken. Vor allem dann nicht, wenn eine Verletzungsgefahr am Hals besteht, oder die Anstrengung zu hoch ist. „Ein kleiner Schnitt beim Rasieren reicht schon, dass ich ein ganzes Handtuch vollblute“, sagt Rubruck, und bei Überanstrengungen würden die Blutgefäße aufgrund des Hämangioms stark anschwellen, das nehme ihm die Luft weg.

„Wegen seiner Krankheit konnte er leider nicht alles machen, das ist das einzig Negative“, sagt Ausbilder Schmitz, „aber er wusste immer, wie es geht, und er hat auch immer wen gefunden, der es macht.“ Viele Aufgaben habe der 26-Jährige in der Lehrwerkstatt erledigt oder einfach sehr langsam gearbeitet, bei der low-tec hat man Rücksicht genommen.

Dass Rubruck mit seinem Talent bei der low-tec gelandet ist, war nicht sein Plan. Er wollte einen Bürojob machen, nachdem er eine Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker wegen der Schnittgefahr nach einem Jahr abbrechen musste. Eine Elektriker-Ausbildung in Niedersachsen war aus „betriebstechnischen Gründen“ auch nach einem Jahr beendet. Da er aber keinen Bürojob fand, und es kurz vor Ausbildungsstart war, folgte er dem Vorschlag des Arbeitsamtes – er wollte nicht noch ein Jahr suchen.

Rubruck wartet auf ein neues Gutachten, mit dem er sich problemlos als Industrie-Elektriker bewerben kann. „Von 100 Prozent arbeitsfähig bis arbeitsunfähig habe ich schon alles gehört“, sagt er. „Ich würde gerne arbeiten und Erfahrungen sammeln.“ Das Übergewicht hält er nicht für entscheidend, er achte zudem auf seine Ernährung. Das Hämangiom sei primär für die eingeschränkte Belastbarkeit verantwortlich.

Dass er keinen Schal oder eine weite Jacke mit hohem Kragen trägt, ist ein Beweis dafür, dass Rubruck sich nicht verstecken will, dass zwar sein Körper, nicht aber sein Selbstvertrauen leidet. Nach der ersten gescheiterten Ausbildung sei er zwar niedergeschlagen gewesen, aber danach habe er schnell gemerkt: „Warum soll ich mich davon unterkriegen lassen?“

Rubruck ist vor zwei Jahren nach etlichen deutschlandweiten Umzügen wieder in Düren gelandet, und es soll erst einmal sein letzter Umzug gewesen sein – ihm gefalle die ehrliche, rheinische Mentalität am besten. Das merkt man an einem Satz über seine Zukunft, den er in gewohnt rheinischer Manier von sich gibt: „Ich bin komplett zufrieden mit meinem Leben. Momentan ist es zwar etwas blöd, aber ich weiß, dass es bergauf geht. Ich denke nicht, dass eine Firma einen Bundesbesten nicht einladen wird.“

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