Besteller-Prinzip: Der Makler spricht von einem Nonsens

Von: Gudrun Klinkhammer
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Die Befürchtung lauter: Mieten und Mietspiegel könnten steigen. Und der Mieter zahlt trotz Besteller-Prinzip indirekt die Maklerkosten. Foto: imago/Chromorange
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Dietmar Bonn sieht keine Vorteile durch das Besteller-Prinzip im neuen Mietrecht. Foto: Klinkhammer

Düren. „Für Mieter beziehungsweise Mietwohnungssuchende ist das Besteller-Prinzip auf den ersten Blick eine feine Sache“, sagt Dietmar Bonn, Inhaber der Firma Großgart Immobilien in Düren. Ob es auch auf den zweiten Blick lukrativ ist, dazu äußerte sich der Fachmann in einem Gespräch zum neuen Mietrecht.

Bonn ärgert sich: „Die recht medienwirksam in den Fokus gestellte finanzielle Entlastung des Mieters auf Kosten der Makler wird das Hauptproblem – bezahlbaren Wohnraum gerade in den Ballungsgebieten zu finden – nicht lösen, diese Reglementierung wird nicht zum Bau einer einzigen neuen Wohnung führen.“

Fakt sei: Der Vermieter stellt Wohnraum zur Verfügung und möchte eine angemessene Rendite seines Eigentums erwirtschaften. Wenn dies nicht mehr lukrativ ist, dann werden andere Anlageformen gewählt und der Wohnungsbestand wird dezimiert. In die Mietberechnung werden die umlegbaren Kosten, direkt oder indirekt, eingepreist. Der neue gesetzliche Zwang wird für die Vermieter dazu führen, dass im Rahmen des Zulässigen die Kosten für den Makler mit in die Berechnung der Miete einfließen.

Die Folge: Langfristig könnten die Mieten und Mietspiegel steigen und der Mieter zahlt dadurch indirekt die Maklerkosten, bei langfristigen Verträgen in Summe dann mehr als eine ortsübliche Maklerprovision. Das soll durch die gleichzeitig beschlossene „Mietpreisbremse verhindert werden. Die Landesregierungen können für Bestandswohnungen Gebiete definieren, auf welche die Beschränkungen in der Miethöhe anzuwenden sind.

Den Mietspiegeln kommt daher zukünftig eine erhöhte Bedeutung zu: „Das wird bei uns spannend“, sagt Bonn: „Der aktuelle Mietspiegel in Düren ist aus 2010.“ Der Makler schätzt, dass in der Vergangenheit im lokalen Dürener Wohnungsmarkt etwa 80 Prozent der Wohnungen über Makler angeboten wurden. Bonn: „Diese Zahl wird sich durch das neue Gesetz verringern und es werden mehr Wohnungen von Privat angeboten. Dass sich dabei der Wohnungssuchende und der Vermieter im Regelfall ohne Fachkompetenz gegenüber stehen und keine professionelle Beratung vor Vertragsabschluss stattfindet, wird aus unserer Sicht zu mehr Streitigkeiten führen.“

Ein großer Kritikpunkt am neuen Gesetz ist, dass der Wohnungssuchende nur noch in zu vernachlässigenden Sonderfällen als „Besteller“ auftreten kann. Die Vorgaben sind in den Augen von Dietmar Bonn so absurd und lebensfern, dass es ihm schwer fällt, dies in Worte zu fassen. Bonn: „Nach Willen des neuen Gesetzes dürfen wir von Mietinteressenten, die sich hilfesuchend an uns wenden, nur noch dann ein Entgelt verlangen, wenn wir ausschließlich für diese auf die Suche nach einer geeigneten Wohnung gehen. Wenn wir mehrere von diesen alltäglichen Suchwünschen entgegen nehmen, verwirken wir dadurch unseren Provisionsanspruch, die Ausschließlichkeit wäre nicht gegeben.

Die perfekt passende Wohnung aus einem vorhandenen Bestand könnte ebenfalls nicht mehr angeboten werden, da wir bereits Kenntnis über diese Wohnung hatten. Falls wir Wohnungen durch einen schriftlichen Suchauftrag für einen Kunden ermitteln würden, dieser Kunde die angebotenen Wohnungen aber nicht nimmt, können diese Wohnungen ebenfalls keinem weiteren Kunden angeboten werden.“ Hält sich der Makler nicht an die Vorgaben, riskiert er ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro. Bonn: „Dieser Nonsens zwingt uns dazu, keine Suchanfragen mehr entgegen nehmen zu können, die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich einem Mieter helfen zu können, ist faktisch nicht gegeben.

Wirtschaftliche Einbußen befürchtet Bonn für sein Unternehmen durch die neue gesetzliche Regelung nicht, „denn unser Kundenklientel kennt den Wert einer qualifizierten Dienstleistung und wird dies auch zukünftig in Anspruch nehmen.“

Konsequenterer Verbraucherschutz wäre gewesen, seitens der Gesetzgebung Mindeststandards in der Qualifikation eines Maklers einzuführen. Bonn: „Jeder, der sich berufen fühlt, kann den Beruf des Maklers ausüben, ohne größere Hürden nehmen zu müssen.“

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