Besorgte Schulleitung stellt Unterricht ein

Von: Stephan Johnen und Jörg Abels
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An der Dürener Paul-Gerhardt-Schule wurde am Mittwoch der Unterricht eingestellt, die Schüler wurden nach Hause geschickt. Auslöser war der Anblick eines Mannes, der am 17. April mit einem Messer in der Hand Steine gegen Fenster warf. Foto: Abels

Düren. Fast zwei Wochen ist es her, dass ein 45-Jähriger mit entblößtem Oberkörper und mit einem Messer in der Hand mehrere Lehrer und Verwaltungsmitarbeiter der städtischen Paul-Gerhardt-Schule in Angst und Schrecken versetzt hat. Die Polizei überwältigte den Dürener. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde er in die Psychiatrie zwangseingewiesen. Mittwochvormittag sichteten Lehrer den Mann erneut in der Nähe der Schule.

Die Schulleitung stellte den Betrieb ein und schickte die Grundschüler nach Hause. Der Mann wohnt in einem Haus in der Nachbarschaft der Schule. „Die Lehrer fühlten sich offenbar bedroht“, hieß es auf Anfrage bei der Polizei. Aus Sicht der Beamten habe es jedoch „keinerlei Verhalten gegeben, das ein erneutes Eingreifen nötig gemacht hätte“. Der 45-Jährige sei aus der medizinischen Behandlung entlassen worden.

Am 17. April war der 45-Jährige plötzlich vor dem Fenster des Lehrerzimmers aufgetaucht, hatte mit einem Messer herumgefuchtelt und nach einem Fahrzeug verlangt, weil seine Frau angeblich schwanger sei. Die vier Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt im Lehrerzimmer aufhielten, verbarrikadierten sich in einem Büro und alarmierten die Polizei. Der Mann, dessen Auftreten nach Angaben der Polizei „sehr bedrohlich“ gewirkt hatte, warf Steine gegen die Fenster und beschädigte eine Scheibe. Mehrere Polizisten überwältigten den 45-Jährigen. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren ein, um zu prüfen, ob der Mann zur Tatzeit schuldfähig war oder nicht. Er litt offenbar an Halluzinationen. Am gleichen Tag hatte der Mann bereits gegen 7 Uhr mehrere Autos an der Nörvenicher Straße mit einer Stange beschädigt. Neue Erkenntnisse zur Frage der Schuldfähigkeit gebe es nicht, hieß es am Mittwoch bei der Polizei. Offenbar seien die Lehrer am Mittwoch überrascht gewesen, den Mann wieder in der Nähe des Schulgeländes zu sehen, dies habe zu einer Verunsicherung geführt.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde der 45-Jährige bereits am 17. April von seinem Arbeitgeber freigestellt. Einen ähnlich gelagerten Vorfall wie an diesem Tag oder Auffälligkeiten habe es in der Vergangenheit nicht gegeben. Ein solches Verhalten sei jedoch nicht zu tolerieren, daher sei dem Mann die fristlose Kündigung ausgesprochen worden.

In der Schule gab es am Mittwoch ein Gespräch zwischen Kollegium, Schulrätin, Bürgermeister und Polizei. Auch der Schulpsychologische Dienst war in der Schule. „Wir hatten auch ein Gespräch mit dem 45-Jährigen“, sagte Polizeisprecherin Melanie Mallmann. Der Dürener habe sich „normal verhalten“. Es habe keinen Grund für einen Einsatz gegeben. Allerdings waren Einsatzkräfte vor Ort, nachdem Hinweise in der Leitstelle eingetroffen waren, dass in der Schule der Unterricht eingestellt worden war.

Von einer „angespannten Situation“ sprach Dirk Schneemann von der Bezirksregierung Köln. Nach den Erfahrungen vom 17. April habe die Schulleitung beschlossen, den Unterricht ausfallen zu lassen. Alle Kinder seien jedoch bis zum Eintreffen der Eltern auch angemessen betreut worden.

„Lehrer und auch Schüler waren nach den Erfahrungen zum Teil noch verängstigt und etwas angespannt“, sagte Dirk Schneemann. In Gesprächen – auch mit den Mitarbeitern des Schulpsychologischen Dienstes – sei die Situation in der Schule in Ruhe besprochen worden. „Wir gehen davon aus, dass der Unterricht wieder normal stattfinden wird“, ist Schneemann überzeugt. Nach Informationen unserer Zeitung findet Donnerstag ein Elternabend in der Schule statt, bei dem die Schulleitung die Gründe ihres Handelns erläutert.

Zu einer neuen Einschätzung der Situation kam am späten Nachmittag die Stadt Düren als zuständige Ordnungsbehörde. „Wir sehen eine Gefahrensituation“, sagte Lisa Rühmann, die Leiterin des Amtes für Recht und Ordnung. Wie schon am 17. April zog die Stadt einen Mediziner zurate. Nach einer Untersuchung wurde der 45-Jährige erneut in die Psychiatrie zwangseingewiesen. „Einen solch erheblichen Eingriff in die Freiheitsrechte eines Menschen würden wir nicht ohne Grund vornehmen“, betonte Juristin Lisa Rühmann.

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